3:2 – Die Zahlen der Hoffnung
Zu den hervorstechendsten Eigenschaften der Österreicher gehört neben Salzburger Nockerln und dem Tauerntunnel der Hang zur ganz feinen Ironie. Das war am heutigen Montag wieder ganz wunderbar zu beobachten, als Österreichs christliche Kirchen ihr Rahmenprogramm zur bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft vorgestellt haben.
Da lobte der evangelische Altbischof Herwig Sturm die Euro 08 als „Anknüpfungspunkt für die Kirchen im Ringen um ihre öffentliche Bedeutung in einer säkularen Welt“, wo doch jeder weiß, dass diese hingedribbelte Aussage genauso auf die österreichische Nationalmannschaft zutrifft. Jede Menge Hoffnungen begleiten die Kicker von Josef Hickersberger, aber keine ist deutlicher formuliert als der Slogan der Wiener Kirchen zur Euro.
Die nennt ihre Aktion tatsächlich „3:2 – Numbers of hope“, was im gesamten Land einen kollektiven nostalgischen Seufzer auslöst. Vor genau 30 Jahren (!) gewann Österreich bei der Fußball-WM in Argentinien 1978 3:2 gegen Deutschland, und daran richten sich die geplagten Fans bis heute auf. Aber immer, wenn existenzieller Beistand vonnöten ist, lohnt ein Blick in die Bibel, und darauf hat Michael Scharf, Beauftragter der Österreichischen Bischofskonferenz für die Fußball-EM, auch genüsslich hingewiesen. 3:2 meine nämlich nicht nur jenes legendäre Fußball-Ergebnis, sondern auch Kapitel 3, Vers 2, im Matthäus-Evangelium. Dort heißt es: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Kenner des österreichischen Fußballs dürften darin ganz feine Ironie erkennen.
André Lorenz