Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Afghanistan V: Trauma Afghanistan

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Samstag, 11. Februar 2012 Anselm
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Der Tag


Vor der Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London lesen Sie auf Liborius.de eine Serie zum deutschen Einsatz am Hindukusch. Teil V:

Trauma Afghanistan

Aus Afghanistan kehren zunehmend Soldaten mit seelischen Verwundungen zurück. Viele Heimkehrer kämpfen mit postttraumatischen Belastungsstörungen, dem sogenannten Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD). Noch ist das "Rückkehrer-Trauma" ein Tabuthema. Teil V der Afghanistan-Serie. Von Tina Höfinghoff 

Foto: KNA

Im Jahr 2009 litten laut Bundeswehr 418 Soldaten unter PTSD, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Afghanistan-Heimkehrer, die Opfer von Anschlägen und Unfällen sind oder extremen Notstand der Zivilbevölkerung erlebt haben, werden häufig von quälenden Bildern verfolgt. Viele haben für uns Unvorstellbares erlebt: Sie haben Kinder sterben sehen oder Kameraden verloren und mussten jeden Tag damit rechnen, auf eine Sprengstofffalle zu fahren. 

Man kommt „aus der Lage“ nicht raus

Im Bundeswehr-Jargon heißt das dann, man komme „aus der Lage“ nicht raus – es ist, als wäre man noch in Afghanistan. Das macht die Wiedereingewöhnung an das Leben in Deutschland sehr schwierig. Deutlich und manchmal auch nach außen sichtbar wird PTSD immer dann, wenn die Betroffenen von Panik ergriffen werden: bei großen Menschenansammlungen, bei dem Geruch von verbranntem Fleisch oder wenn sie ein aus dem Einsatz in Afghanistan vertrautes Geräusch hören. 

Das Rückkehrer-Trauma wird in Deutschland inzwischen offener behandelt. Doch obwohl das Medieninteresse gestiegen ist, handelt es bei PTSD immer noch um ein Tabuthema. Viele Betroffene trauen sich nicht, darüber zu sprechen. Dabei ist PTSD ein sehr ernstzunehmendes Thema, denn traumatisierte Soldaten können eine Gefahr für sich und andere sein. 

3,3 Milliarden Dollar für die PTSD-Prävention

Nur wer Hilfe sucht und wem diese dann auch professionell angeboten wird, kann etwas gegen die unsichtbaren Verwundungen tun. In den USA hat man das inzwischen auch auf politischer Ebene erkannt: Im Finanzhaushalt 2010 wurden insgesamt 3,3 Milliarden Dollar für Forschung und Prävention von Posttraumatischen Belastungsstörungen berücksichtigt. Damit rückt PTSD in den USA ins öffentliche Bewusstsein und erhält die politische Priorität, die es verdient. In Deutschland dagegen hinkt man hinterher. Zwar wurde in Berlin inzwischen ein Forschungs- und Kompetenzzentrum eingerichtet, doch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Reinhold Robbe (SPD), kritisiert die Effizienz und Professionalität dieses Zentrums. Während man unter den Verantwortlichen noch diskutiert und Anschuldigungen zurückweist, nimmt die Häufigkeit seelischer Belastungsstörungen bei Afghanistan-Heimkehrern weiter zu. Dabei sind sich Experten einig: Nur ein Kultur- und Bewusstseinswandel in Militär und Gesellschaft kann langfristig helfen, Traumata bei ehemaligen Soldaten zu bekämpfen. Und mit jedem Soldaten mehr, der in Afghanistan im Einsatz ist, wird dieses Problem  drängender.

Tina Höfinghoff ist Politikwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Transatlantische Beziehungen, Außen- und Sicherheitspolitik

Die Afghanistan-Serie im Überblick:
Teil I: Warum sind wir in Afghanistan?
Teil II: Keine Demokratie für Afghanistan
Teil III: Eine Frage des Rechts
Teil IV: Kunduz und die Folgen
Teil V: Trauma Afghanistan
Teil VI: Dürfen Christen Krieg führen?

Afghanistan VI: Dürfen Christen Krieg führen?

 

Wo ist Gott in Afghanistan? 
Lesen Sie in der nächsten Ausgabe des Liborius Magazins die große Reportage aus dem Bundeswehr-Camp in Mazar-e-Sharif. Wir begleiten den katholischen Militärpfarrer Andreas Ginzel bei seiner schwierigen Mission und fragen Soldaten im Einsatz: Dürfen Christen töten?




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