am Donnerstag, 3. Juli 2008
Lieber Herr Schnitter,
Sie haben Recht. Gleiches Recht für alle. Und das heißt: Niemand darf sich selber umbringen. Egal ob krank oder gesund. Denn so wie die Gesellschaft uns das Leben nicht gegeben hat, so haben auch wir uns das Leben nicht gegeben.

Übermittlung Ihrer Stimme...
am Donnerstag, 3. Juli 2008
Da möchte man dem Kollegen Lorenz fast nicht widersprechen. Nur eines stört mich: Auch er wollte nicht auf den Hinweis verzichten, dass die betroffene Dame gesund war. An diesem Umstand hat sich ja ein Gutteil der Diskussion aufgehängt: Dass eine Gesunde sich umbringen möchte, wollte niemandem in den Kopf. Und einer Gesunden beim Sterben geholfen zu haben, empfanden viele das eigentlich Verdammungswürdige.
Das ist borniert. Denn wenn es zur Menschenwürde gehört, entscheiden zu dürfen, wann man stirbt, dann kann das nur heißen: a l l e i n e entscheiden dürfen. Dieses Recht aber wollen all die Empörten der alten Dame offenbar nicht zugestehen. Natürlich können wir kaum verstehen, warum sie das getan hat. Aber unser Unverständnis kann man ihr nie und nimmer zum Vorwurf machen.
Wer nur Kranken zugesteht, sich umbringen zu dürfen, der mischt sich in die wichtigste Entscheidung fremder Menschen ein - glaubt sich also im Besitz der einzig rechten Meinung und hält sich für was Besseres.
Sich darüber zu empören, dass ein Gesunder sich umbringen will, ist arrogant und missionaristisch. Und für den Sterbehelfer gilt folglich dasselbe: Wer toleriert, dass man Kranken beim Selbstmord helfen darf, muss auch hinnehmen, dass auch Gesunden dabei geholfen wird.
Alle anderen, berechtigten Vorwürfe gegen Kusch bleiben davon freilich unberührt.

Übermittlung Ihrer Stimme...
am Donnerstag, 3. Juli 2008
Lieber Herr Reiter, lieber Herr Lorenz,
die gesamte Geschichte mit Herrn Kusch ist tatsächlich schrecklich. Und daher finde ich es treffend, dass Sie Celans Todesfuge zitieren. Vor allem vor dessen Hintergrund. Bei Reinhard Mey's "Grenze" bekommt das Ganze auch den passenden Zusatz: Der "Meister aus Deutschland, ist das "kranke Hirn", das sich den "Bolzen" ausgedacht hat - so krank wie Roger Kusch eben.
Aber: Zu behaupten, dass Leute wie Kusch allein Produkte unserer Gesellschaft sind, ist falsch und fahrlässig. Denken wir an die Spartaner, denken wir an die Eugenikgesetze der USA des 19. Jahrhunderts: Auslese hat es immer gegeben. Das ist kein rein zeitgenössisches Problem. Den publizistischen Versuch, uns dafür in gesellschaftliche Sippenhaft zu nehmen, kann ich nur ablehnen.
Halten wir Benedikts Worte in Altötting dagegen: "Wo Gott groß wird, wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch groß, und die Welt wird hell." Das heißt: In erster Linie scheint mir eine Gottvergessenheit und damit eine Vergessenheit der eigenen Rolle als Geschöpf das Problem - zugegeben, in Bezug auf die Spartaner hinkt das Ganze historisch gesehen. Dennoch: Es reicht nicht, die Betreuung zu verbessern, um eine "Kultur des würdigen Sterbens" (ein fürchterlicher Terminus) wiederzulangen. Solange wir nicht einen anderen Sinnhorizont haben, wird es immer Leute wie Kusch geben.
Horkheimer hat das Phänomen/Problem einmal "instrumentelle Vernunft" genannt - alles wird bewertet nach empirisch messbaren Nutzen. Und da bin ich wieder ganz bei Ihnen Herr Lorenz: Kusch wollte den Tod, um selber wieder im Rampenlicht zu leben. Womit wir wieder beim "kranken Hirn" wären...
P.S.: Herr Reiter, was meinen Sie: Wozu würde "Richter Gnadenlos" Herrn Kusch verurteilen?:-)

Übermittlung Ihrer Stimme...
am Donnerstag, 3. Juli 2008
Betroffene Menschen sollten einen Sterbenden begleiten; es heisst ja auch "Sterbebegleitung"!!!
Das was Kusch und andere betreiben, ist nichts anderes als Anleitung zum Töten - und das noch in unserem Lande mit seiner extrem schweren Vergangenheit - das Zitat "der Tod ist ein Meister aus Deutschland" lässt grüßen und das sollte man Kusch und seinen Gesinnungsgenossen um die Ohren hauen - er ist ein gewissenloser und publikumsgeiler "Jurist", den man als Strafe zusammen mit seinem Todfeind Schill auf eine einsame Insel verbannen sollte ...

Übermittlung Ihrer Stimme...