Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: An Kusch sind wir alle schuld

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
Aktuell|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

glaubenslust – Der Tag

Kusch und Sterbehilfe


An Kusch sind wir alle schuld

Roger Kusch ist ein zynischer Menschenverachter. Er benutzt das Sprengstoffthema Sterbehilfe als Katapult, um seine armselige politische Existenz wieder ins Rampenlicht zu rücken. Indem er der 79-jährigen ebenso gesunden wie resoluten Rentnerin Bettina S. dabei geholfen hat, Selbstmord zu begehen, ist ihm das eindrucksvoll gelungen. Das haben die vergangenen zwei Tage gezeigt. Die Reaktionen auf den Fall Kusch waren zahlreich, heftig und deutlich. Das ist richtig so, aber nur die eine Seite der Medaille.

Denn: An Kusch sind wir alle schuld.

In unserer Gesellschaft ist der Tod ein Tabu. Die Kultur des Sterbens, mit dem wir offen und würdig umgehen, haben wir verlernt. In einer Gesellschaft, die durch Jugend, Schönheit und diesseitigen Erfolg bestimmt wird, gilt der Tod nicht mehr als Hoffnung machender Eintritt in das Ewige Leben, als Erlösung, sondern als Scheitern. Erst wird der Tod ignoriert, dann mit den Mitteln der modernen Medizin wahlweise hinausgezögert oder beschleunigt. Eine solche Gesellschaft bringt Gestalten wie Roger Kusch hervor. Wir strengen uns nicht mehr an, die Kultur eines würdigen Sterbens wiederzuerlangen. Tatsächlich müssen wir heute alles unternehmen, um eine Kultur des Tötens mit allen Mitteln zu verhindern. So weit ist es gekommen.

Tod macht Angst. Das ist zutiefst menschlich. Viele ältere Menschen gehen in ihrer Einsamkeit und Verzweiflung so weit, dass sie den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen möchten – ihr letztes Aufbegehren gegen die Unausweichlichkeit des Sterbens. Hier sind wir alle gefordert: Menschen in ihrer letzten Lebensphase fürsorglich zu begleiten, sie zu ermutigen – einfach für sie da zu sein. Eine Kultur, mit Tod und Sterben würdig umzugehen, kommt nicht von heute auf morgen und nicht durch ein neues Gesetz. Sie wiederzuerlangen, ist mühsam und schmerzlich. Auf diesem Weg brauchen wir Unterstützung und jede Menge Antworten. Menschen wie Roger Kusch können sie nicht geben.

André Lorenz




Übermittlung Ihrer Stimme...
2.3 (7 x bewertet)


Die Kommentare der Liborius-User:


von Traugott Auer

am Donnerstag, 3. Juli 2008

Lieber Herr Schnitter,

Sie haben Recht. Gleiches Recht für alle. Und das heißt: Niemand darf sich selber umbringen. Egal ob krank oder gesund. Denn so wie die Gesellschaft uns das Leben nicht gegeben hat, so haben auch wir uns das Leben nicht gegeben.

Übermittlung Ihrer Stimme...
4.0 (1 x bewertet)
 

von Roland Schnitter

am Donnerstag, 3. Juli 2008

Da möchte man dem Kollegen Lorenz fast nicht widersprechen. Nur eines stört mich: Auch er wollte nicht auf den Hinweis verzichten, dass die betroffene Dame gesund war. An diesem Umstand hat sich ja ein Gutteil der Diskussion aufgehängt: Dass eine Gesunde sich umbringen möchte, wollte niemandem in den Kopf. Und einer Gesunden beim Sterben geholfen zu haben, empfanden viele das eigentlich Verdammungswürdige.
Das ist borniert. Denn wenn es zur Menschenwürde gehört, entscheiden zu dürfen, wann man stirbt, dann kann das nur heißen: a l l e i n e entscheiden dürfen. Dieses Recht aber wollen all die Empörten der alten Dame offenbar nicht zugestehen. Natürlich können wir kaum verstehen, warum sie das getan hat. Aber unser Unverständnis kann man ihr nie und nimmer zum Vorwurf machen.
Wer nur Kranken zugesteht, sich umbringen zu dürfen, der mischt sich in die wichtigste Entscheidung fremder Menschen ein - glaubt sich also im Besitz der einzig rechten Meinung und hält sich für was Besseres.
Sich darüber zu empören, dass ein Gesunder sich umbringen will, ist arrogant und missionaristisch. Und für den Sterbehelfer gilt folglich dasselbe: Wer toleriert, dass man Kranken beim Selbstmord helfen darf, muss auch hinnehmen, dass auch Gesunden dabei geholfen wird.
Alle anderen, berechtigten Vorwürfe gegen Kusch bleiben davon freilich unberührt.

Übermittlung Ihrer Stimme...
3.7 (3 x bewertet)
 

von Traugott Auer

am Donnerstag, 3. Juli 2008

Lieber Herr Reiter, lieber Herr Lorenz,
die gesamte Geschichte mit Herrn Kusch ist tatsächlich schrecklich. Und daher finde ich es treffend, dass Sie Celans Todesfuge zitieren. Vor allem vor dessen Hintergrund. Bei Reinhard Mey's "Grenze" bekommt das Ganze auch den passenden Zusatz: Der "Meister aus Deutschland, ist das "kranke Hirn", das sich den "Bolzen" ausgedacht hat - so krank wie Roger Kusch eben.
Aber: Zu behaupten, dass Leute wie Kusch allein Produkte unserer Gesellschaft sind, ist falsch und fahrlässig. Denken wir an die Spartaner, denken wir an die Eugenikgesetze der USA des 19. Jahrhunderts: Auslese hat es immer gegeben. Das ist kein rein zeitgenössisches Problem. Den publizistischen Versuch, uns dafür in gesellschaftliche Sippenhaft zu nehmen, kann ich nur ablehnen.
Halten wir Benedikts Worte in Altötting dagegen: "Wo Gott groß wird, wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch groß, und die Welt wird hell." Das heißt: In erster Linie scheint mir eine Gottvergessenheit und damit eine Vergessenheit der eigenen Rolle als Geschöpf das Problem - zugegeben, in Bezug auf die Spartaner hinkt das Ganze historisch gesehen. Dennoch: Es reicht nicht, die Betreuung zu verbessern, um eine "Kultur des würdigen Sterbens" (ein fürchterlicher Terminus) wiederzulangen. Solange wir nicht einen anderen Sinnhorizont haben, wird es immer Leute wie Kusch geben.
Horkheimer hat das Phänomen/Problem einmal "instrumentelle Vernunft" genannt - alles wird bewertet nach empirisch messbaren Nutzen. Und da bin ich wieder ganz bei Ihnen Herr Lorenz: Kusch wollte den Tod, um selber wieder im Rampenlicht zu leben. Womit wir wieder beim "kranken Hirn" wären...

P.S.: Herr Reiter, was meinen Sie: Wozu würde "Richter Gnadenlos" Herrn Kusch verurteilen?:-)

Übermittlung Ihrer Stimme...
3.7 (3 x bewertet)
 

von Willy Reiter

am Donnerstag, 3. Juli 2008

Betroffene Menschen sollten einen Sterbenden begleiten; es heisst ja auch "Sterbebegleitung"!!!
Das was Kusch und andere betreiben, ist nichts anderes als Anleitung zum Töten - und das noch in unserem Lande mit seiner extrem schweren Vergangenheit - das Zitat "der Tod ist ein Meister aus Deutschland" lässt grüßen und das sollte man Kusch und seinen Gesinnungsgenossen um die Ohren hauen - er ist ein gewissenloser und publikumsgeiler "Jurist", den man als Strafe zusammen mit seinem Todfeind Schill auf eine einsame Insel verbannen sollte ...

Übermittlung Ihrer Stimme...
3.7 (3 x bewertet)
 
 

Ihre Meinung zu diesem Thema (Sie müssen nicht angemeldet sein):

Ins Gästebuch eintragen
  (wird nicht angezeigt)
(* Pflichtfeld)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt