Im September besucht der Papst Großbritannien – Auftritte in London, Coventry und Glasgow sind geplant. Doch nun heizen zwei bekennende Atheisten - Richard Dawkins („Der Gotteswahn“) und Christopher Hitchens („Der Herr ist kein Hirte. Wie Religion die Welt vergiftet“) - die Stimmung an, gegen den Papst. Dass sie den Papst nicht lieben, ist nichts Neues. Doch nun bringen sie sich selbst in die Medien mit der Ankündigung, den Papst verhaften lassen zu wollen, wenn er britischen Boden betritt. Anlass ist seine Rolle im Missbrauchsskandal, die er als Kardinal während seiner Jahre als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan gespielt haben soll. Bewiesen ist nichts, aber die Atheisten gehen davon aus, dass Ratzinger damals versuchte, Fälle von sexuellen Vergehen von Geistlichen mit äußerster Rücksicht auf die betroffenen Kleriker zu behandeln und die Nachrichten darüber nicht aus dem Kircheninnenraum herauszulassen.
Hitchens sagte gegenüber der „Sunday Times“, Benedikt XVI. stehe weder über dem Gesetz noch außerhalb desselben. „Das institutionalisierte Verschweigen von Kinderschändung ist ein Verbrechen unter jedem Rechtssystem und ruft nicht nach privaten Zeremonien der Reue oder nach kirchenamtlichen Zahlungen an die Opfer, sondern verlangt Gerechtigkeit und Bestrafung.“ Gegenüber der gleichen Zeitung sagte Dawkins: „Dies ist der Mann, dessen erster Instinkt, wenn Priester mit heruntergelassenen Hosen ertappt werden, dahin ging, den Skandal zu vertuschen und die jungen Opfer zum Schweigen zu verdonnern.“
Die Visite des Papstes werde zwar als "Staatsbesuch" geführt, wetterten die beiden weiter. Diplomatische Immunität könne Benedikt XVI. aber nicht beanspruchen, da der der Papst von den Vereinten Nationen nicht als Staatsoberhaupt sei.
Eingespannt für das Vorhaben wurden nun die Anwälte Geoffrey Robinson sowie dessen Kollegen Mark Stephens, anerkannte Menschenrechtsexperten, die den Casus gegen den Papst vorbereiten und ihn bei der Staatsanwaltschaft, dem Crown Prosecution Service, registrieren lassen sollen. Das Verhalten der Kirche im Missbrauchsskandal komme einem „Verbrechen gegen die Menschheit“ gleich und könne daher auch vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte verhandelt werden, so die Anwälte. Ob es so weit kommen wird, darf man allerdings bezweifeln. Ein Anwalt des Vatikan hat nach den neuen Vorwürfen gegen den Papst diese bereits zurückgewiesen: Zu dem gegebenen Zeitpunkt sei allein der Ortsbischof für Missbrauchsfälle zuständig gewesen.
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