Aufwärts geht's
Die Kirche bewegt sich nicht, die Kirche tritt auf der Stelle. Das Standardklagelied vieler Volkskirchenbefürworter und einiger Theologen-Emanzen nervt nicht nur. Es ist auch völlig falsch – betrachtet man zumindest den heutigen Tag.
So meldet KNA, dass die Caritas den Spritpreisen trotzt. Die bekannte katholische Hilfsorganisation ergreift die Initiative und sorgt dafür, dass etwas vorangeht: In München gibt es seit neuestem einen Rikscha-Fahrdienst für Senioren. Mitarbeiter des Alten- und Servicezentrums im Stadtteil Obermenzing holen ältere Menschen ab und bringen so Mobilität in die Kirche. Das ist mit „die Kirche soll sich bewegen“ doch gar nicht gemeint? Mag sein. Aber es geht auch in anderen Dingen voran.
In Sachen Vermarktung und Geldquellenerschließung war die Kirche nämlich schon immer findig. Jetzt allerdings demonstriert die Kirche, dass auch pekuniäre Werte bei ihr gut aufgehoben sind. So konnte die Steyler Bank 2007 ihre Bilanzsumme von 221 auf 245,1 Millionen Euro ausbauen. Auch die Zahl der Neukunden stieg an – wenigstens ein Bereich der Kirche, in dem die Mitgliederzahlen anwachsen. Keine Frage: Für Werte hat die Kirche ein Händchen.
Und noch eine letzte Nachricht für die hartnäckigsten Skeptiker: Wie mit einer Rakete geht es aufwärts – so zumindest sprach der Reichenhaller Künstler, Angerer der Ältere, über einen neuen Meilenstein der kirchlichen Bauhybris. Während in letzter Zeit großkotzige Baupläne von den Ausschreibungen verschwunden sind, will der prestigewütige Künstler mit einem neuen Projekt voll durchstarten. Auf dem Predigtstuhl, einem Berg in den bayerischen Voralpen, soll eine 55 Meter hohe Jesus-Statue errichtet werden. Die wäre sogar 17 Meter größer als das brasilianische Vorbild in Rio de Janeiro und damit ein echtes Signal. Allerdings haben einzelne Stimmen aus der Kirche das Vorhaben bereits abgelehnt. Doch das wäre wirklich schade. Denn stellen Sie sich doch nur einmal vor: Jeder Neukunde der Steyler Bank bekommt eine Gratis-Reise zum Riesen-Jesus. Und wird von den Caritas-Freunden abgeholt. Eine wunderbar heile Patchwork-Familie.
Simon Biallowons