Christophorus-Plaketten, meist seitlich neben dem Lenkradangebracht, sind der Klassiker. Auf ihnen ist der Nothelfer und Reisepatron in seiner legendären Pose zu sehen: als Hüne, der das Jesuskind auf der Schulter durch den reißenden Fluss trägt. Das Motiv gibt es in etlichen Ausführungen, in Edelstahl, Bronze oder Silber, emailliert, mit Goldrand, magnetisch oder selbstklebend. "Komm gut heim", "Gute Fahrt" oder "Gott schütze dich", stehtbisweilen auf den Medaillons.
20.000 Kilometer fährt Erwin Lay im Jahr in seinem Opel Agila. Von der Fahrzeugdecke auf der rechten Seite baumelt ein kleiner blauer Engel im gehäkelten Gewand. "Der schaut mich während der Fahrt immer an", erzählt der Metallhärter. Wegen der Gefahren im heutigen Straßenverkehr möchte Lay seinen Begleiter nicht mehr missen. Das gute Stück stammt vom Weihnachtsbasar einer Behinderteneinrichtung, die seine Tochter besucht. "Ich hoffe, dass er mich auch schützt.&qu
"Nicht schneller als ich fliegen kann!"
Andere Engel haben praktischerweise ein Ersatzrad dabei. Ein geflügelter Kollege mahnt auf einem Aufkleber, doch nicht schneller zu fahren als er selbst fliegen könne. Zu haben sind die himmlischen Beifahrer in Devotionalienläden, aber auch im Internet.
Der Aichacher Rentner Martin Buxeder hat ein silbernes Kruzifix auf das Armaturenbrett seines Toyota Yaris montiert, direkt vor den Tacho. Damit er nicht zu viel Gas gibt? "Damit ich es sehe", lautet seine knappe Begründung. Als Maler war der 73-Jährige früher auf Montage in ganz Deutschland unterwegs. "Ich habe immer Glück gehabt", sagt er.
Glaube und Aberglaube
Gleich mehrere Schutzengel benötigte das Ehepaar Beckel aus Langenneufnach vor 14 Jahren. Da rammte ein Traktor ihren nagelneuen Passat; ohne zu blinken war ein Bauer mit seinem Bulldog auf die Hauptstraße eingebogen, auf der die Beckels mit rund 80 Sachen unterwegs waren. Es gab 6.000 Euro Sachschaden, aber die beiden
blieben unverletzt. "Toitoitoi", sagt Frau Beckel.
Das Arrangement unter der Frontscheibe des Passats gleicht einer Mischung aus Hausaltar und Losbude: Zu Schutzengeln, diversen Wallfahrtsmedaillons und Kreuzen gesellen sich Kaminkehrer, Marienkäfer und Glücksschwein. Auf die Mixtur von Glaube und Aberglaube sind die Händler eingestellt. Sankt Christophorus gibt es auch in einer Kombi-Version mit Hufeisen.
Ein Bündel an Rosenkränzen hält besser
Viel hilft viel: Das mag auch das Motto des Besitzers eines Ford Gran Torino mit Augsburger Kennzeichen sein. Gleich drei Rosenkränze sind um den Rückspiegel des 35 Jahre alten Straßenkreuzers gewunden. In der schwarzen Mercedes-Limousine nebenan ist nicht nur ein postkartengroßes Jesusbild, sondern auch ein Tütchen geweihte Erde aus dem Heiligen Land an Bord. Die italienischen Fahrzeughalterlegen ein Bündel weiterer religiöser Zeichen auf den Kofferraumdeckel. Das Sammelsurium wird - wie eine Batterie - bei Fahrzeugsegnungen regelmäßig wieder aufgefrischt: nicht mit Strom, sondern mit Weihwasser.
Ein seltsames Tier wacht über die Fahrkünste der zierlichen älteren Dame zehn Autos weiter: eine Art Hund mit Schlappohren und zweisilbernen Flügeln. Den "Engel" habe ihr nach einem schweren Unfall ein Enkel geschenkt, sagt die Frau mit leiser Stimme. Das soll Oma nicht noch einmal passieren.
Christoph Renzikowski (KNA, 29.7.09)