Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Bekenntnis zur Herkunft

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Bekenntnis zur Herkunft

Kutte ja, Kopftuch nein: Das bayerische Kultusministerium hat entschieden, dass Nonnen und Mönche weiterhin ihre Ordenstracht an bayerischen Schule tragen dürfen. Nach Landesbank-Pleite, dem Transrapid-Fiasko und Umfrage-Desastern hört man endlich wieder einmal etwas Erfreuliches aus dem selbsternannten Länder-Primus. "Bayern geht voran" – in Sachen religiöser Symbole im öffentlichen Raum könnte das tatsächlich stimmen.
Die Entscheidung der bajuwarischen Kulturwächter kommt nicht wirklich überraschend. Wo, wenn nicht im konservativsten Eck Deutschlands, hätte sonst solch ein Zeichen gesetzt werden können. Viel interessanter wird deshalb sein, wie die anderen Länder die Entscheidung aufnehmen. Denn eines ist sicher: Das Zugeständnis an Mönche und Nonnen mag sinnvoll und konsequent sein. Unproblematisch ist es nicht.
Wir sind ein Land der Religionsfreiheit. Ein Umstand, der nicht selbstverständlich ist, der es aber sein sollte. Diese Freiheit steht nun mit der Entscheidung aus Bayern auf dem Prüfstand. Denn die Frage ist: Wie wird diese Freiheit verstanden? Bedeutet sie, dass jeder religiös machen kann, was er will? Natürlich nicht. Für Pesudo-Bekenntnis wie den Satanismus Religionsfreiheit zu fordern, wäre absurd. Doch wie steht es mit der Hochreligion Islam. Wie kann es mit dem Gedanken der Freiheit vereinbar sein, dass ein muslimisches Symbol, das Kopftuch, offenbar weniger Freiheit genießt als ein christliches? Diese Frage ist tatsächlich schwer zu lösen. Doch wir müssen uns die Erlaubnis genauer ansehen: Denn es geht dort ja zunächst nicht um ein Verbot des Kopftuches, sondern um eine Zulassung der christlichen Ordenstracht. Und diese Erlaubnis zu begründen, fällt relativ leicht.
Die Ordenstracht symbolisiert die Geschichte, den Aufstieg und den Antrieb des Abendlandes. Die europäische Kultur wäre ohne diese Tracht und ihre Träger schlichtweg nicht denkbar. Sie hat Werte geschaffen, die unser Zusammenleben bis heute maßgeblich beeinflussen. Diese Tradition mag uns heute ein wenig abhanden gekommen sein – gut ist das nicht. „Zukunft braucht Herkunft“ heißt eine berühmte These des Gießner Philosophen Odo Marquards. Für Europa, für Deutschland ist diese Herkunft wesentlich christlich, monastisch geprägt. Deshalb ist die Erlaubnis, weiterhin Ordenstracht an den Schulen zu tragen, nicht nur eine Hommage an die Vergangenheit. Es ist auch ein Zeichen, dass die Zukunft christlich gelebt werden soll und muss.  
Man darf dabei auch eines nicht vergessen: Die Religionsfreiheit ist vor allem auch ein Produkt des christlich geprägten Personenbegriffes. Dieser Begriff betrachtet jeden Menschen als Gottes Ebenbild und fordert damit die Gleichheit aller Menschen. Dass deshalb die Religionsfreiheit ausgerechnet das Christentum beschneiden will, wäre quasi ein heimtückischer Vatermord. Im Namen der Religionsfreiheit würde das abgeschafft, was die Religionsfreiheit erst entscheidend ermöglicht hat.
Nun mag klar geworden sein, dass die Erlaubnis der Ordenstracht nicht nur konsequent, sondern vor allem auch absolut notwendig war. Schwieriger verhält es sich mit der Frage, warum das anderen Religionen nicht gestattet sein soll. Schließlich wird sogleich das schöne Wort der Toleranz bemüht.
Toleranz hat sich in den letzten Jahren zur Allzweckwaffe in Diskussionen entwickelt. Für jede noch so beschränkte Meinung wird Toleranz eingefordert, jeder noch so beschämender Vorstoß will sich so gerechtfertigt sehen. Dass es sich um einen solchen bei dem Thema „Kutte ja, Kopftuch nein“ nicht handelt, sondern um eine ernste Angelegenheit, dürfte klar sein. Und doch zeigt es auf, dass Toleranz nicht Gleichmacherei und Anbiederei bedeutet. Abgesehen davon, dass das Kopftuch als Symbol auch inner-muslimisch umstritten ist, muss man den Mut haben und sagen: Deutschland ist ein christlich geprägtes Land. Für diese Tradition müssen unterschiedliche Regeln gelten können als für Sitten anderer Kultur- und Religionskreise. Das hat nichts mit Intoleranz oder Unterdrückung zu tun. Identität braucht immer auch Priorität – denn ohne bestimmte Charakteristika versumpft alles zu einem Einheitsbrei. Es muss daher möglich sein, solch eine Priorität in Anspruch zu nehmen, so sie denn sorgfältig begründet ist. Das mag im Falle des Kopftuches zumindest diskutabel sein. An der grundsätzlichen Forderung ändert dies allerdings nichts. „Zukunft braucht Herkunft“ – wir müssen die Herkunft schützen, wenn wir eine Zukunft haben wollen.

Simon Biallowons


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