Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Benedikt pilgert zu Benedikt

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Benedikt pilgert zu Benedikt

 

Benedikt pilgert zu Benedikt

Papst Benedikt XVI. hat eine persönliche Geschichte mit der Abtei Montecassino. Als Präfekt der Glaubenskongregation unternahm er einige Male die eineinhalbstündige Fahrt von Rom ins Siri-Tal und die Serpentinen auf den Klosterberg hinauf. Sein letzter Eintrag im Gästebuch trägt das Datum vom 7. November 2004, fünf Monate vor dem Konklave. Dass Ratzinger sich Benedikt nannte, ist für die Mönche kein Zufall. Ein bisschen fühlen sie sich als Paten.

Der Abt des Klosters, Pietro Vittorelli, glaubt, dass Benedikt XVI.  bei seinem Besuch an den «Stumpfsinn des Krieges» erinnern wird. Vor 65 Jahren war das Kloster Schauplatz eines der erbittertsten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs. Zehntausende deutsche und alliierte Soldaten ließen bei der Schlacht um Montecassino ihr Leben. Ansonsten erhofft sich der 46-jährige Mönch vom Papst Rückenstärkung für die benediktinische Sache. Ein Unding sei es, dass vier Monate im Frühjahr 1944 anderthalb Jahrtausende des Klosters verdunkelten. «Montecassino ist nicht wichtig, weil es bombardiert wurde», sagt Vittorelli. "Wir hatten schon vorher unsere Bedeutung für die europäische Geschichte."

Abtei Montecassino

Montecassino wurde von Mönchsvater Benedikt als erstes Kloster überhaupt gegründet (Foto: Guido Alberto Rossi/tips)

Innenhof: Kreuzgang

Die spätere Geschichte überschattete die Abtei: Im falschen Glauben, die Wehrmacht habe sich entgegen eigener und vatikanischer Beteuerungen in dem burgähnlichen Komplex eingenistet, verwandelten US-Bomberstaffeln am 15. Februar 1944 die Benediktinerabtei in ein Trümmerfeld. 250 Menschen - Mönche und Flüchtlinge - starben. Erhalten blieb das Tor mit der Aufschrift «Pax» - «Friede» - und das Grab des heiligen Benedikt. Die Bombe, die über der Gruft einschlug, war ein Blindgänger (Foto: Bierau/Flickr)

Kreuzgang Innenhof

Es kostete noch drei Monate und Tausende Tote, bis am 18. Mai 1944 polnische Truppen ihre Flagge auf Montecassino aufzogen. Unten im Städtchen Cassino, das damals ebenfalls ausradiert wurde, nennen sie den 18. Mai den «Tag der Befreiung». Es ist fraglich, ob Benedikt XVI. sich auf solche Kategorien einlässt, wenn er hierher kommt, an den Ort, der einmal als Abbild des himmlischen Jerusalem geplant war und dann zur Hölle auf Erden wurde (Foto: Bildagentur Huber)

Benedikt

Fix ist: Benedikt wird hier seinen Namenspatron würdigen. Am Sonntag wird er auf dem größten Platz der Stadt eine Messe feiern und das neue Caritas-Heim einweihen. Auf dem Weg zur Abtei wird er die alte Wachtburg Rocca Janula passieren, wo man, wie Einheimische raunen, bei Bauarbeiten im Gelände noch immer sterbliche Überreste von Soldaten findet

Polnische Grabstätte

Anschließend wird er ein paar Schritte weiter am Hang mit dem militärischen Namen «Höhe 593» das Ehrenmal besuchen. Auch dort steht «Pax» in großen Lettern. Es ist die polnische Kriegsgräberstätte

Klosterkirche

Benedikt XVI. wird mit den Benediktinermönchen essen und mit 500 Vertretern aller benediktinischen Zweige die Vesper beten.

Altar

Der Ruhm Montecassinos hängt nicht zuletzt an der Kunstschätzen und der umfangreichen Sammlung von Dokumenten und kostbaren Handschriften in der Abtei

Kuppel Klosterkirche

Mosaike Klosterkirche

Abendstimmung

Dieser Ort, wo die Wurzeln der Benediktiner liegen und der doch so von der Geschichte überschattet wurde, ist zweifellos ein besonderer. Was immer Benedikt XVI. an dieser Stelle sagt - es wird sicher alles andere als provinzielle Dimensionen haben.

(KNA)

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