Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Benedikt XVI. geht es um die Liebe

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Dienstag, 22. Mai 2012 Julia, Rita, Renate
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glaubenslust – Der Tag


Benedikt XVI. geht es um die Liebe

Sie hätte schon viel früher erscheinen sollen: Benedikt XVI. hat seine dritte Enzyklika umgearbeitet und aktualisiert, Monate später als geplant soll sie nun am 7. Juli erscheinen. Es geht um hochaktuelle Themen: die Finanzkrise, Ungerechtigkeiten in der globalen Wirtschaft, moralische Kriterien. Nicht zuletzt weil das Schreiben noch von Wirtschaftsexperten gegengelesen wurde, ist zu erwarten, dass der Papst tief in die Materie eindringt und sein Text nicht bei einer theologischen Abhandlung über Nächstenliebe und Vertrauen stehen bleibt.

Dennoch ist bemerkenswert, dass schon der Titel "Caritas in veritate" (Wahrheit in Liebe) – ebenso wie bereits jener seiner ersten Enzyklika "Deus caritas est" (Gott ist Liebe) – auf die Caritas, also die die Liebe verweist. Das ist kein Zufall: Benedikt XVI. geht es im Letzten immer um die Liebe. Die Einheit von Gott, Liebe, Wahrheit, Glaube und Hoffnung zu verkünden, ist sein Herzensanliegen. Warum ist Gott Liebe? Weil er dem Menschen verzeihend und erlösend seine Hand reicht – dieses unmittelbare Zugehen auf den Menschen, und zwar auf jeden Einzelnen, ist ein Akt der Liebe. "Für den, der als Geist das Weltall trägt und umspannt, ist ein Geist, ist das Herz eines Menschen, das zu lieben vermag, größer als alle Milchstraßensysteme", schreibt Benedikt XVI. in "Einführung in das Christentum". Erst indem uns Gott zuerst geliebt habe, können wir ihn, uns selbst und unseren Nächsten lieben. Die göttliche Liebe sei der Maßstab für die menschliche, heißt es in "Deus caritas est".

Liebe ohne Wahrheit ist blind

Hier aber kommt die Wahrheit ins Spiel. Denn: Liebe ohne Wahrheit ist blind. Woher können wir wissen, dass Gottes Liebe nicht Trug, nicht Schein ist? Ihre Wahrheit zeigt sich für Benedikt XVI. am Kreuz, an dem radikalen Akt, dass Gott seinen Sohn für die Menschen sterben lässt: „Wer so geliebt wird, daß der andere sein Leben mit der Liebe identifiziert und das Leben nicht mehr ohne diese Liebe zu führen bereit ist; wer bis in den Tod geliebt wird, der weiß sich wirklich geliebt. Wenn aber Gott uns so liebt, dann sind wir in Wahrheit geliebt. Dann ist die Liebe Wahrheit und die Wahrheit Liebe. Dann lohnt es sich zu leben.“ (Aus: Theologische Prinzipienlehre) Die Wahrheit, von der Benedikt XVI. spricht, ist keine theoretische – wir erleben, wir erfahren sie, indem wir Gottes Liebe erfahren. Die Erwiderung dieser Liebe bedeutet: Glauben. Und wo Glaube ist, ist wiederum Hoffnung.

Überraschend ist, dass der Papst seiner neuen Enzyklika nicht etwa den Namen "Veritas in caritate" (Wahrheit in der Liebe) gab, sondern diese Formulierung aus dem Epheserbrief ("Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt." Eph 4,15) umdreht in „caritas in veritate“. Das zeigt, dass Benedikt XVI. hier noch tiefer in die Einheit von Wahrheit und Liebe dringen wird, und weist auch auf den praktischen Bezug hin, den diese Enzyklika verspricht: Nächstenliebe in der globalen Wirtschaft – hoffen wir jetzt schon, dass Akteure der Finanzwelt zu diesem Schreiben greifen werden.

Tipps: Diese Bücher von Papst Benedikt XVI. sollten Sie unbedingt lesen!

 


Antonia Groll 
(27.4.09)




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