Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Benedikts XVI. Grußwort zum ÖKT

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
Augenblicke|Das Magazin|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Benedikts XVI. Grußwort zum ÖKT

Ökumenischer Kirchentag in München, Foto: istock


Grußwort des Papstes: «Inmitten einer schwierigen Zeit ein Signal der Hoffnung»

Papst Benedikt XVI. (Foto: Wikipedia)

Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals hat sich Papst BenediktXVI. an die Teilnehmer des 2. Ökumenischen Kirchentags in München gewandt. Er rief sie zur Freude trotz «aller Drangsal» und trotz der«Wirrnisse dieser Zeit» auf. Es gebe «das Unkraut gerade auch mittenin der Kirche», betonte Benedikt XVI. in einem Grußwort, das Münchner Erzbischof Reinhard Marx, am Mittwochabend bei der Eröffnung auf der Theresienwiese verlas. Der Papst, der derzeit Portugal besucht, bezeichnete die Kirche zugleich als «Ort der Hoffnung». Auszüge aus Benedikts XVI. Schreiben:

«"'Damit ihr Hoffnung habt', unter diesem Leitwort habt ihr Euch in München versammelt. Ihr wollt inmitten einer schwierigen Zeit ein Signal der Hoffnung in die Kirche und in die Gesellschaft senden. Dafür danke ich Euch sehr. Denn unsere Welt braucht Hoffnung, unsere Zeit braucht Hoffnung. Aber ist die Kirche eigentlich ein Ort der Hoffnung? In den letzten Monaten sind wir mit immer neuen Meldungen konfrontiert worden, die uns die Freude an der Kirche nehmenmöchten, sie als Ort der Hoffnung verdunkeln. (...)

Der Herr hat mit seinem Wort und mit der Hingabe seines Lebens wahrhaftig guten Samen auf den Acker der Erde gesät. Er ist aufgegangen und geht auf. Wir brauchen dabei nicht nur an die großen Lichtgestalten der Geschichte zu denken, denen die Kirche das Prädikat 'heilig', das heißt ganz von Gott durchdrungen, von ihm herleuchtend zuerkannt hat. Jeder von uns kennt auch die kleinen, von keiner Zeitung erwähnten und in keiner Chronik zitierten Menschen, die vom Glauben her zu einer großen Menschlichkeit und Güte gereift sind. (...)

Noch einmal: Es gibt das Unkraut gerade auch mitten in der Kircheund unter denen, die der Herr in besonderer Weise in seinen Dienstgenommen hat. Aber das Licht Gottes ist nicht untergegangen, dergute Weizen nicht erstickt worden von der Saat des Bösen. (...)

Ist also die Kirche ein Ort der Hoffnung? Ja, denn von ihr kommt immer wieder Gottes Wort zu uns, das uns reinigt und den Weg des Glaubens zeigt. Sie ist es, weil in ihr der Herr sich immer wieder selbst schenkt - in der Gnade der Sakramente, im Wort der Versöhnung, in den vielfältigen Gaben seines Trostes. Das kann durch nichts verdunkelt und zerstört werden. Darüber sollen wir uns mittenin aller Drangsal freuen. (...)

Die Dinge, die wir selbst machen können, sind nicht Gegenstand der Hoffnung, sondern Aufgabe für uns, die wir mit der Kraft unseres Verstandes, unseres Willens und unseres Herzens zu erfüllen haben. Aber wenn wir über all das nachdenken, was wir leisten können und müssen, dann fällt uns auf, dass wir die allergrößten Dinge nicht machen können. Sie können nur als Geschenk zu uns kommen: die Freundschaft, die Liebe, die Freude, das Glück.

Noch etwas will ich dabei anmerken: Wir alle wollen leben, und auch das Leben können wir uns nicht selber geben. Kaum noch jemand spricht freilich heute über das ewige Leben, das einst der eigentliche Gegenstand des Hoffens war. Weil man nicht daran zu glauben wagt, muss man nun alles von diesem Leben erhoffen. Das Beiseite-Lassen der Hoffnung auf das ewige Leben führt zu einer Gie rnach Leben jetzt und hier, die fast unausweichlich egoistisch wird und schließlich unerfüllbar bleibt. Gerade wenn wir das Leben selber als eine Art Habe an uns reißen wollen, läuft es uns davon. (...)

Liebe Freunde: Ich wünsche allen, die Ihr nun auf der Theresienwiese zu München versammelt seid, dass Euch neu die Freude darüber überkommt, dass wir Gott kennen dürfen. Dass wir Christus kennen. Dass er uns kennt. Das ist unsere Hoffnung und unsere Freude mittenin den Wirrnissen dieser Zeit. (...)"

Bundespräsident Köhler: «Kirchentag
kommt zur rechten Zeit»

München (KNA) Bundespräsident Horst Köhler sieht die Kirchen in Deutschland in einer schweren Krise. Zugleich nahm er sie am Mittwoch in München vor Pauschalkritik in Schutz. Durch Führungsversagen, Missbrauch und Misshandlung hätten sich «viele dunkle Wolken» zusammengezogen, sagte Köhler bei der Eröffnung des Ökumenischen Kirchentages (ÖKT). Doch gerade deswegen komme das Glaubenstreffen zum rechten Zeitpunkt. Der Kirchentag könne Kraft zur Erneuerung und Umkehr bieten. «Nur so werden Glaubwürdigkeit und Vertrauen wiedergewonnen», betonte Köhler.

Das deutsche Staatsoberhaupt warnte vor vor allgemeinen Schuldzuweisungen. Köhler unterstrich, «wie viel an gelebte rBarmherzigkeit, an tatkräftiger Solidarität, an Dienst am anderen durch gläubige Menschen» geleistet werde. «Das braucht unsere Gesellschaft. Das hat Dank und Anerkennung verdient», so der Bundespräsident.

Mit Blick auf den Dialog der Konfessionen sagte Köhler, in den vergangenen Jahren sei bisweilen der Eindruck entstanden, dass der ökumenische Schwung nachgelassen habe. «Deswegen haben sich viele - auch ich - auf diesen Kirchentag gefreut, ja, ihn geradezu herbeigesehnt», so Köhler, der evangelisch ist. Nur in einem «sichtbaren und wahrhaften Miteinander» könnten Christen heute ihren Glauben bezeugen.

Startschuss für den Kirchentag: Bischöfe betonen Rolle der Christen

 

Reinhard Marx, Erzbischof von München, schreibt auf Liborius.de über Ökumene. Klicken Sie auf das Bild!
Foto: EKD

Unmittelbar vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag haben die gastgebenenden Bischöfe die Rolle der Kirchen für die Gesellschaft betont. Ziel sei nicht Abschottung, sondern «die Mitgestaltung der Welt», sagte der katholische Münchner Erzbischof Reinhard Marx am Mittwoch vor Journalisten in München. Dort wird am Abend der Kirchentag eröffnet, zu dem sich nach Angaben der Veranstalter rund 125.000 Dauerteilnehmer angemeldet haben. Das Treffen dauert bis Sonntag und steht unter dem Leitwort «Damit ihr Hoffnung habt». 

Der evangelisch-lutherische Landesbischof von Bayern, Johannes Friedrich, betonte, die Christen wollten eine gesellschaftliche Kraft bleiben. Deshalb müssten sie möglichst «gemeinsam sprechen und handeln». 

Marx sprach von einer Ökumene des Vertrauens im Vorfeld des Christentreffens. Er zeigte sich überzeugt, dass Fortschritte im Miteinander der Kirchen möglich seien. «Wir wissen, dass wir noch nicht alles gemeinsam tun können, nicht nur in der zentralen Frage der Eucharistie», so der Erzbischof. Dabei könnten konfessionelle Unterschiede auch eine Bereicherung sein. Zugleich verwies Marx darauf, dass die theologischen Fortschritte im ökumenischen Dialog in den vergangenen 30 Jahren maßgebliche Impulse aus München bekommen hätten. Dazu habe auch der frühere Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger beigetragen, der heutige Papst Benedikt XVI. 

Friedrich äußerte den Wunsch, dass der ÖKT zu einem kräftigen ökumenischen Zeichen werde. Dies sei nicht nur eine Sache der Experten und auch nicht nur «kirchliches Kürprogramm», auf das man leichten Herzens verzichten könne. Die zwischenkirchlichen Debatten und Abgrenzungen würden außerhalb der Kirchen immer weniger verstanden. (KNA)




Übermittlung Ihrer Stimme...
noch nicht bewertet


Ihre Meinung zu diesem Thema (Sie müssen nicht angemeldet sein):

Ins Gästebuch eintragen
  (wird nicht angezeigt)
(* Pflichtfeld)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt