An diesem Montag wollen die katholischen Bischöfe beim Ständigen Rat (was ist das?) in Würzburg über eine Neufassung ihrer Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch beraten. Ziel sei es unter anderem, offensiver mit dem Thema umzugehen und stärker auf Prävention zu setzen, kündigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch an. «Wir werden in der Bischofskonferenz die Leitlinien noch einmal präzisieren; ich denke, das werden wir nächste Woche tun können.»
Würzburg (KNA) – Bereits im Februar hatten die Bischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Freiburg angekündigt, die seit 2002 bestehenden Leitlinien überarbeiten zu wollen. Dazu schalteten sie auch externe Experten ein. Strittig war bisher vor allem die Frage, ob es eine generelle Pflicht geben soll, bei jedem begründeten Verdachtsfall die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Dies hatten die bayerischen Bischöfe im März beschlossen. Opferschutzverbände warnen jedoch vor einer solchen Pflicht, da ein Eingreifen der Strafverfolgungsbehörden von den Opfern nicht immer gewünscht werde.
Die Kirche wolle sich ihrem hohen moralischen Anspruch stellen, so Zollitsch. Dafür trete sie einerseits für eine vollständige Aufarbeitung der Fälle im kirchlichen Raum ein. Andererseits gehe es darum, in die gesamte Gesellschaft hineinzuwirken, um Kindesmissbrauch einzudämmen. So hätten katholische Jugendverbände oder kirchliche Schulen hervorragende Präventionskonzepte erarbeitet. Diese müssten auch nach außen transportiert werden, sagte Zollitsch.
Die Union begrüßte die Ankündigung des Erzbischofs. Der offensive Umgang mit dem Thema Missbrauch sei erforderlich, um den Opfern gerecht zu werden, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach (CDU), in Berlin. Sie danke Zollitsch für seine «klare Aussage», die Kirche wolle sich ihrem hohen moralischen Anspruch stellen und für eine vollständige Aufarbeitung eintreten.
Der Freiburger Erzbischof zeigte sich erneut erschrocken über das in den vergangenen Monaten bekanntgewordene Ausmaß der Missbrauchsfälle. Zugleich äußerte er die Befürchtung, dass das «gesamtgesellschaftliche Problem Kindesmissbrauch» nicht umfassend genug aufgegriffen werde. «Ich würde mir beispielsweise auch eine breitere Debatte über Missbrauch in Familie oder Sportvereinen wünschen», so Zollitsch. Es bestehe auch die Gefahr, die Kirche einseitig an den Pranger zu stellen und damit von anderen Missbrauchsfällen abzulenken.
Zur Diskussionen um den Zölibat sagte der Bischofskonferenzvorsitzende, er rechne nicht mit einer schnellen Aufhebung des Eheverbots für katholische Priester. Eine Aufhebung des Zölibats sei ein so großer Eingriff in die katholische Kirche, dass dieser nur nach umfassender Debatte von einem Konzil, der Versammlung aller Bischöfe, getroffen werden könne. Zollitsch erinnerte daran, dass sich bereits zwei vorausgegangene weltkirchliche Bischofssynoden gegen eine Aufhebung des Gebots der Ehelosigkeit entschieden hätten. Zwar sei der Zölibat kein Dogma, aber ein «Geschenk Gottes an seine Kirche».
KNA (23. August 2010)