Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Blankes Entsetzen und die Frage nach Gott

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – der Tag


Blankes Entsetzen und die Frage nach Gott

Ein 17 Jahre alter Amokläufer tötet 15 Menschen und kommt schließlich selbst ums Leben.

Fragen stürmen auf uns ein. Wie kann so etwas passieren? Was muss in einem Menschen vor sich gehen, der so etwas tut? Manche werden vielleicht fragen: Wie kann Gott so etwas zulassen? Unschuldige Menschen sterben. Unfassbares Leid für die Angehörigen, Fassungslosigkeit und Ratlosigkeit bei uns allen. Hundertschaften von Polizisten, Medienleute, Experten, Psychologen, Seelsorger, Sicherheitskräfte und andere mehr treten auf den Plan, machen ihre Arbeit, suchen nach Antworten.

Eines ist klar, menschliche Freiheit erfährt in solchen Momenten ihre schrecklichste Auswirkung. Nicht umsonst steht kurz nach den wunderbaren Schöpfungshymnen in der Genesis der Brudermord von Kain und Abel zu lesen.
Ja, menschliche Freiheit kann so weit gehen, dass sie tötet. Ist also Gott an allem Schuld?
Hier wird man ganz klar differenzieren müssen: Welche Vorbedingungen unserer menschlichen Existenz verdanken wir unserem Schöpfer – und welche Zusammenhänge liegen in vermutlich dramatischen seelischen und psychischen Entwicklungen eines jungen Menschen, der schlussendlich zu solch einem Tun entgleist.
Wir kennen die vielen Erklärungsversuche, die die komplexen Entwicklungen von Opfern zu Tätern zu beschreiben bemüht sind. Ob sie freilich in die Tiefen der menschlichen Seele vorzudringen vermögen, bleibt letztlich offen.

Gott will die Freiheit – und nimmt dafür auch den Tod seines Sohnes in Kauf

Ich muss, gerade jetzt in der Fastenzeit, an die Worte Jesu denken, der seinen Mördern mit der Bitte "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun" seine unendliche Barmherzigkeit offenbart. Der Diakon Stephanus folgt schon bald dem Vorbild seines Meisters. Auch er spricht diese Worte in Richtung seiner Lynchjustiz. Dieses Beispiel gibt uns der, von dem wir Christen sagen, er ist der Sohn Gottes. Das heißt, dass Gottes Ratschluss offenbar so weit geht, dass er diese missbräuchlichste Form von Freiheit, den Mord, in seinem Schöpfungswerk um eines Größeren Willen "in Kauf" nimmt. Für dieses Größere lässt Gott auch den Tod seines Sohnes zu. Was ist dieses Größere? Es ist innerweltlich die Liebe zum Menschen, den er als freies Wesen will. Und wesentlich und weit darüber hinaus dient in Gottes Heilsplan das Geschehen auf Golgotha, der himmlischen Botschaft vom Ewigen Leben.

Diese Botschaft kann uns trösten, vielleicht nicht gleich, wenn wir vom Leid noch ganz benommen sind. Unsere aller Anteilnahme gilt den Betroffenen, und wir sind in Gebet und Gedanken bei den Familien und Freunden. Meine Hoffnung und mein Glaube geben mir jedoch die Gewissheit, dass die so schrecklich aus dem Leben gerissenen Menschen nun in Gottes Herrlichkeit reichen Ausgleich für ihr dramatisches Leid empfangen dürfen.

Uns bleibt freilich die Aufgabe aufgetragen, mit viel Geduld und Sorgfalt unseren Erkenntnisstand in den verschiedenen Zusammenhängen des menschlichen Lebens zu erweitern. Es bleibt unsere Aufgabe, nach Präventivmaßnahmen zu forschen und sie einzusetzen. Gerade als Christen sollten wir daran arbeiten, dass eine friedlichere und gerechtere Welt möglich wird, eine Welt, in der hoffentlich gesellschaftliche und mitmenschliche Bedingungen gewährleistet sind, die solch dramatische Entgleisungen zurückdämmen oder gar verhindern.

Dr. Stefan Krummel, Diakon in Klein Mariazell (Österreich)

 

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