Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising: "Ich bin sehr dankbar für dieses moralische Ausrufezeichen, das der Papst setzt. Es ist nun unsere Aufgabe, dies in den öffentlichen Diskurs einzubringen."
Robert Zollitsch: Es sei ein "großartiges Werk", lobte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Er gibt Kraft, weil seine Botschaften trotz aller Kritik von Zuversicht und Optimismus geprägt sind. Es wird den Blick weiten auch bei jenen Menschen, die den Papst kritisieren."
In Berlin sprach CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla von einem „sehr guten und wichtigen Beitrag in der Debatte über die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise“. Er wünsche sich „eine breite Diskussion über die Enzyklika“.
Der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) würdigte das Grundsatzpapier als "wichtige Orientierungsmarke in stürmischer Zeit". Der Papst bekenne sich mit der Enzyklika unzweideutig zum Markt als zentraler Institution der Wirtschaft, der aber in das Netz eines größeren sozialen und politischen Umfelds eingebunden und auf das Erlangen des Gemeinwohls ausgerichtet sein müsse, sagte die Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, Marie-Lusie Dött.
Kardinal Christoph Schönborn (Wien): zeigte sich "beeindruckt". Die Enzyklika sei ein "sehr realistisches Dokument", sagte der Kardinal. Es gehe nicht um eine "utopische Vision einer anderen Welt", sondern um die Verbesserung der von der Globalisierung gekennzeichneten realen Situation der Wirtschaft im Zeichen eines besseren Miteinanders.
Kardinal Francis George, Vorsitzender der Bischofskonferenz (USA) sieht in dem Text „eine Herausforderung an Unternehmen, Regierungen, Gewerkschaften und einzelne, ihre wirtschaftlichen Verantwortlichkeiten neu zu ordnen“. Benedikt verweigere sich dem „üblichen Rechts-Links-Lagerdenken“ und fordere eine „neue Art, zu denken und zu handeln“.
André Vingt-Trois, Kardinal von Paris, bezeichnet „Caritas in veritate“ als eine deutliche „Botschaft der Hoffnung“. „Die Menschheit hat die Aufgabe und auch die Mittel, um die Welt, in der wir leben, zu beherrschen“.
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek Zeul (SPD) nennt die Sozialenzyklika „wichtig und bedeutungsvoll“. „Ich freue mich über diesen entwicklungspolitischen Weckruf im Interesse der Menschen dieser Welt“.
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, spricht von einem wegweisenden Dokument. Der Papst entwickle die katholische Soziallehre weiter, indem er die Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität etwa auf die Ausrichtung der Entwicklungshilfe übertrage.
Für Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg, kommt die Sozialenzyklika genau zum richtigen Zeitpunkt. Auch am Finanzmarkt in Frankfurt – das zu seinem Bistum gehört - sei die Gefahr spürbar, im Vertrauen auf die Selbstregulierungskräfte der Märkte bereits das Ende der Krise auszurufen und „zur Tagesordnung überzugehen“.
„Ein Meilenstein zur rechten Zeit“ ist das Lehrschreiben aus Rom für den katholischen Sozialverband KKV. Es enthalte „viele Rezepte für eine bessere und machbare Weltwirtschaftsordnung“ und sei „eine Goldgrube der Wertvorstellungen, eine Lektüre, die in allen Chefetagen, in Manager-Lounges dieser Welt und in den Konferenzsälen des G8-Gipfels gelesen werden sollte".
Pater Eric Englert, Präsident von missio in München : "Die Aussagen in 'Caritas in veritate' sind gerade auch für das Wirken der kirchlichen Hilfswerke in Deutschland wertvoll, weil das päpstliche Schreiben das umfangreiche soziale Wirken der Kirche konsequent mit der gemeinsamen Sendung verknüpft und auf die fundamentale Bedeutung der christlichen Verkündigung verweist."
Bischof Heinz Josef Algermissen, Bistum Fulda: „Angesichts solcher Zeichen der Zeit ist die neue Sozialenzyklika unseres Hl. Vaters „Caritas in veritate“ eine deutliche Aufklärung und ein großes Geschenk an alle Menschen guten Willens. Ich hoffe, dass diese Enzyklika nach anfänglichen Lobeshymnen nicht gleich wieder in den Schubladen des Vergessens verschwindet!“
Bischof Friedhelm Hofmann, Bistum Würzburg: „Nur mit Gott als Grundlage ist eine echte ganzheitliche Humanität möglich. Das Schreiben des Papstes ist eine herausragende Wegweisung in die Zukunft der Menschheit und ein flammender Appell an die Weltgemeinschaft zur nachhaltigen Gerechtigkeit.“
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach kritisiert dagegen: Das Schreiben bleibt in vielen Punkten blass. So gebe der Papst keine konkreten Anweisungen für die Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten der Finanzmärkte. Der Jesuit zeigte sich zudem enttäuscht darüber, dass das Grundsatzpapier nicht auf die Veränderung von Strukturen ziele, sondern nur von Tugenden des einzelnen Menschen rede.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht sich durch die päpstliche Sozialenzyklika in seinen Forderungen nach einer besseren Kontrolle über die globalen Kapitalströme bestätigt. Auch der DGB setze sich dafür ein, nachhaltiges Wirtschaften mit festen Strukturen der Zusammenarbeit von internationalen Institutionen wie Welthandelsorganisation und Weltbank zu verknüpfen, sagte DGB-Chef Michael Sommer in Berlin.