Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Das deutsche Babel

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Das deutsche Babel

An dem biblischen Bericht zum Turmbau zu Babel ist nicht die Sprachverwirrung das Anstößige, sondern, dass die Menschen nicht aufeinander gehört und deshalb einander nicht verstanden haben. Es hat keine gemeinsame amtliche Hochsprache in Babel gefehlt, sondern die Bereitschaft, den anderen in seiner Eigenart zu akzeptieren.

Der dialektale Flickenteppich, der sich über Deutschland spannt, illustriert, in vollem Wortsinn, Sprachvielfalt. Ein Friese spricht anders als ein Bayer, der Badenser anders als der Berliner, der Sachse klingt anders als der Rheinhesse. Alle sprechen auch deutsch, irgendwie. Aber auch irgendwie nicht. Die Aufforderung, Deutsch als geschützte Sprache aller, die auf deutschem Boden wohnen, im Grundgesetz zu verankern, wird deshalb vor allem die Verfechter der dialektalen Vielfalt auf die Barrikaden bringen und nicht die Menschen ausländischer Herkunft, die des Deutschen nicht oder nur unzureichend mächtig sind und auf die die Forderung aus der CDU wohl abgezielt hat.

Gott versteht alle Sprachen

Die Globalisierung zieht die Regionalisierung nach sich. Das erklärt, warum Dialekte in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt haben. In einer entgrenzten Welt wächst zur gleichen Zeit die Furcht, dass das ererbte und lieb gewonnene auf einmal seinen Wert verliert und auf Nimmerwiedersehen verschwinden könnte. Von daher sind das Pochen auf den eigenen Dialekt und die Forderung, die deutsche Sprache als Sprache der Deutschen zu schützen, die zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Welche Sprache muss man sprechen, um umfassend verstanden zu werden? Schon die Kirchenväter haben überzeugend klargestellt, dass zu Gott in der Landessprache gebetet werden kann. Der Rückgriff auf die Sprachen der biblischen Offenbarung, sei nicht nötig. Dennoch haben sich in den Liturgien einzelne Leitsprachen herausgebildet, die dem Gottesdienst Gestalt verleihen. Dass Deutsch die Amtssprache ist und bleiben soll, stellt niemand in Abrede, so wenig, wie die Tatsache, dass das Lateinische die Liturgiesprache der römisch-katholischen Kirche des Westens ist.  

Es ist gut, dass sich die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel von dem beschlossenen Antrag ihres Parteitags in Stuttgart distanziert hat. Sie ist die Kanzlerin aller Deutschen von Friesland bis zum Bodensee. Vielfalt tut einer Gesellschaft gut, Ausgrenzung schadet ihr.

Alexander Görlach
leitet das Online-Ressort des Magazins Cicero

 




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