"Der Papst wird bald sein Schweigen brechen", titelte eine Zeitung. Und jetzt wurde auch bekannt: Am Samstag erscheint der Hirtenbrief des Papstes zu den Missbrauchsfällen an die irischen Bischöfe. Ob sich die Worte Papst Benedikts XVI. auch an die deutschen Kirche richten, ist noch nicht bekannt. Der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Reinhard Marx, erwartet jedoch kein eigenes Wort des Papstes zu den Missbrauchsfällen in Deutschland. Trotzdem sei das Schreiben an die Kirche Irlands auch für die Kirche in Deutschland wichtig, so Marx auf der Bischofskonferenz der bayerischen Bischöfe in Vierzehnheiligen. Schließlich spreche der Papst immer für die ganze Kirche. Der Erzbischof betonte, dass die Ortsbischöfe im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal die Verantwortung trügen, nicht der Papst.
Der Papst sitze zudem "nicht in einem Elfenbeinturm", betonte der Präsident der päpstlichen Akademie für das Leben, Kurienerzbischof Rino Fisichella. Der Papst sei eine "klar denkende Persönlichkeit", die nötige Maßnahmen bei der Auswahl der Priesteramts-Kandidaten ergreifen könne. Der Hirtenbrief werde eine "neue Darlegung" der "klaren Positionen" des katholischen Oberhauptes sein, so Fisichella.
Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, man könne dem Papst "weder Schüchternheit noch Schweigen vorwerfen". Und: "Der Papst hat bewiesen, dass er die geeigneten und notwendigen Zeitpunkte für ein Eingreifen zu wählen weiß."
Bundeskanzlerin Angela Merkel bewertete das Verhalten des Papstes als Unterstützung für die deutschen Bischöfe. "Die Bundeskanzlerin begrüßt, dass der Heilige Vater die Notwenigkeit einer vollständigen Aufklärung dieser abscheulichen Taten ausdrücklich unterstrichen hat", so der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans.
Der Vatikan teilte mit, dass das Schreiben des Papstes auf Englisch und Italienisch erscheinen werde. Zudem wird über eine grundsätzliche Stellungnahme zum Missbrauch in der katholischen Kirche spekuliert.
Die Stellungnahme Benedikts XVI. sei Ausdruck seiner "tiefen Besorgnis" über den Kindesmissbrauch, der die irische Kirche schwer erschüttert habe, so Benedikt XVI.
Im Februar hatte sich der Papst zum Krisengipfel mit den irischen Bischöfen getroffen und das Schreiben angekündigt. In Irland wird der Erzdiözese Dublin vorgeworfen, über Jahrzehnte Vergewaltigungen und Misshandlungen von Kindern durch Geistliche verschwiegen zu haben. Zwei Untersuchungsberichte hatten dies im vergangenen Jahr dokumentiert.
In seiner Generalaudienz am Mittwoch rief der Papst alle Gläubigen eindringlich zur Lektüre des Briefes auf. "Ich bitte euch alle, ihn persönlich zu lesen, mit offenem Herzen und gläubigem Geist", so Benedikt XVI. Das Schreiben soll eine Hilfe "im Prozess der Reue, der Heilung und der Erneuerung" sein.
Katharina Traxel/KNA/Tagesspiegel.de/dw-world.de