Der Foltergeist geht um
Wer Selbstverständliches ausspricht, nimmt diesem die Selbstverständlichkeit. Niemand sagt seinem Mitfahrer im Auto, dass man übrigens nicht an einen Betonpfosten zu rasen gedenke. Er würde sofort unterschwellige Panik auslösen.
Wenn hier trotzdem festgestellt werden muss, dass Folter menschenunwürdig, sinnlos und allenfalls kontraproduktiv ist, dann nur, weil ernstzunehmende Personen und Staaten diese Diskussion vom Zaun gebrochen haben.
Das Christentum hat reichlich Erfahrung mit Folter. Der Religionsgründer, seine Apostel, Christen zu allen Zeiten sind für ihren Glauben gefoltert und getötet worden. Aus dem Blut der Märtyrer erwuchs der Kirche stets neue Kraft. Umgekehrt: Versuche der Kirche, selber durch Folter Menschen von Irrtümern abzubringen, sind fürchterlich gescheitert.
Harsche Verhörmethoden – böse Folter
Menschen zu foltern bringt das Recht nie und nirgends voran. Es setzt nur die Folterer ins Unrecht. Am Ende stehen vielleicht „Geständnisse“. Deren Inhalt ist aber stets nur das, was die Folterknechte von vorneherein erwarten. Sonst würden sie ja weiterfoltern.
Es ist erschütternd, dass in Deutschland und in den USA , in Vorbildstaaten der freien Welt also, nun wieder über „letzte Mittel“ gefaselt wird und feinsinnige Unterscheidungen getroffen werden zwischen „harschen“ Verhörmethoden (solche, die später nicht nachweisbar sind) und böser Folter („mit irreversiblen Folgen“). Die Gründe – Terrorabwehr, Opferschutz – mögen nachvollziehbar sein. Dauerhafter Schlafentzug, simuliertes Ertränken, gezielte Entwürdigung sind jedoch Methoden, die man aus Filmen wie „Das Leben der anderen“ kennt. Dort, in Zwangsregime, gehören sie hin. Aufgeklärte Gesellschaften tun „alles“, um das Böse zu bekämpfen. Folter gehört nicht dazu. Sie verhindert das Böse nicht, sie vermehrt es.
Joachim Rogosch