Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Die USA sind gelebte Religiösität

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Benedikt XVI. in Amerika

"Die USA sind gelebte Religiösität"

Exklusiv für glaubenslust.de: Radio-Vatikan-Chef Pater Eberhard von Gemmingen zieht sein Fazit zum Papstbesuch in den USA. Hören Sie rein!

Der Papst ist aus den USA zurück. Drüben war es offenbar ein großer Erfolg. Und viele Europäer staunen und fragen sich: Wie kann ein Papst so freundlich sein zu einem Irak-Krieger Bush, zu einem präpotenten Volk, das andere unterdrück und ausbeutet. Wie kann ein Volk dem Papst so zujubeln, der die Pille verbietet, die Verbindung zwischen Homosexuellen nicht Ehe nennt, der die Freiheit an Verantwortung bindet. Sind die US-Amerikaner so ungebildet, dass sie immer noch Religion ganz hoch hängen?

Man muss sich angesichts solcher Zweifel aber selbst die Frage stellen, wie hinterwäldlerisch Europa und die Deutschsprachigen sind. Diesseits des Ozeans hält man nämlich oft Religion und Glaube immer noch für eine überholte Sache, während jeder Soziologe und Psychologe weiß, dass eine aufgeklärte Religion dem Menschen und der Gesellschaft gut tun, dass religiöse Menschen glücklicher sind als a-religiöse, dass Kultur von Religion kommt. In Europa streuen immer noch Halbgebildete die Meinung aus, dass Religion am Absterben sei, dass die Kirchen im Lauf der Geschichte mehr Unheil angerichtet haben als Heil gebracht. Wir Europäer fallen sehr viel auf Halbgebildete rein. Und wenn Papst Benedikt mal etwas ungeschützt sagt, dann finden ihn alle hinterwäldlerisch.

Positiv gesprochen: In den USA sind Glaube und Vernunft kein Widerspruch. Dort gehören sie zusammen. Und das gefällt Papst Benedikt. Das ist seine Forderung an unsere Zeit: Nehmt wahr, dass der Glaube vernünftig ist. Aber nicht nur das: Er gibt dem Leben auch Flügel. Glaube macht das Leben nicht schwer, sondern leicht.

Wir hätten viel gewonnen, wenn die USA-Reise des Papstes in möglichst vielen Beobachtern einen Denkanstoß auslösen würde: Die USA sind nicht nur ein Land von kirchlichem Kindermissbrauch, fragwürdiger Politik und nicht immer ganz kluger Präsidenten, sondern auch der gelebten Religiosität, des gelingenden Pluralismus, der Religionsfreiheit, ein Land mit Hunderttausenden qualifizierter und guter Priester und Ordensleute. Ein Land mit Dutzenden von katholischen Universitäten, ein sehr hilfsbereites Land, ein Land mit Katholiken, die jährlich 9 Milliarden Dollar aufbringen, um ihre Kirche zu finanzieren – ohne Kirchensteuer.

Und wir könnten lernen, dass wir in Europa, im deutschen Sprachraum manchmal von einer krankhaften Vatikankritik befallen sind: Wir meinen oft, alles besser zu wissen. Millionen von Amerikanern – Nord- und Südamerikas – und Afrikanern und Asiaten finden den Mann in Weiß aus Rom einen großen Gewinn für die Welt. Wir im Zentrum Europas nörgeln über vieles. Auch über den Papst. Vielleicht ärgern sich die Nörgler am Ende vor allem über sich selbst, weil sie zu viel genörgelt haben.
 


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