Positiv gesprochen: In den USA sind Glaube und Vernunft kein Widerspruch. Dort gehören sie zusammen. Und das gefällt Papst Benedikt. Das ist seine Forderung an unsere Zeit: Nehmt wahr, dass der Glaube vernünftig ist. Aber nicht nur das: Er gibt dem Leben auch Flügel. Glaube macht das Leben nicht schwer, sondern leicht.
Wir hätten viel gewonnen, wenn die USA-Reise des Papstes in möglichst vielen Beobachtern einen Denkanstoß auslösen würde: Die USA sind nicht nur ein Land von kirchlichem Kindermissbrauch, fragwürdiger Politik und nicht immer ganz kluger Präsidenten, sondern auch der gelebten Religiosität, des gelingenden Pluralismus, der Religionsfreiheit, ein Land mit Hunderttausenden qualifizierter und guter Priester und Ordensleute. Ein Land mit Dutzenden von katholischen Universitäten, ein sehr hilfsbereites Land, ein Land mit Katholiken, die jährlich 9 Milliarden Dollar aufbringen, um ihre Kirche zu finanzieren – ohne Kirchensteuer.
Und wir könnten lernen, dass wir in Europa, im deutschen Sprachraum manchmal von einer krankhaften Vatikankritik befallen sind: Wir meinen oft, alles besser zu wissen. Millionen von Amerikanern – Nord- und Südamerikas – und Afrikanern und Asiaten finden den Mann in Weiß aus Rom einen großen Gewinn für die Welt. Wir im Zentrum Europas nörgeln über vieles. Auch über den Papst. Vielleicht ärgern sich die Nörgler am Ende vor allem über sich selbst, weil sie zu viel genörgelt haben.