Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ground Zero – Der Papst kniet vor dem Grauen nieder

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Benedikt XVI. in Amerika

Der Papst kniet vor dem Grauen nieder

Es ist ein Ort des Grauens, den Papst Benedikt XVI. am Sonntagmorgen besucht. Die Wolken hängen tief über Ground Zero, der Stelle, die am 11. September 2001 zum Friedhof für fast 3000 Menschen wurde. Als der Heilige Vater dort im Papamobil ankommt, herrscht Totenstille. Die letzten Meter bis zur tiefsten Stelle des Kraters, der nach dem Einsturz des World Trade Centers zurückblieb, geht er zu Fuß. Dann kniet er nieder. Mehrere Minuten verharrt das katholische Kirchenoberhaupt im stillen Gebet. Danach entzündet Benedikt eine Kerze, spricht einen Segen für die Toten und Verletzten: „Wir bitten dich in deiner Güte, all jenen ewiges Licht und ewigen Frieden zu geben, die hier starben.“ Und für die Angehörigen der Opfer und für die Helfer betet er: „Gib, dass die, deren Leben verschont geblieben ist, so leben, dass diejenigen, die hier starben, nicht umsonst gestorben sind. Ermutige und tröste uns, stärke uns in der Hoffnung und gib uns die Weisheit und den Mut, unermüdlich für eine Welt zu arbeiten, in der wahrer Friede und Liebe unter den Nationen und in den Herzen aller herrschen.“

Am letzten Tag seiner USA-Reise sind die Worte, die der Papst wählt, wieder einmal sehr stark. Die Geste aber ist noch stärker. Schon sein Vorgänger Johannes Paul II. wollte hier am Ort des Grauens beten. Das Gebet, das Benedikt XVI. am Sonntag spricht, gleicht einer einzigen Bitte um Versöhnung, einer Bitte um Trost und Stärke bei der Überwindung des Hasses. Und so schließt der Papst auch jene in sein Gebet ein, „deren Herzen und Gedanken sich in Hass verzehren.“

Alles Politische aber klammert Benedikt XVI. an diesem Ort des Grauens aus. Während er in Regensburg im Sommer 2005 in einer tiefschürfenden Rede zum Thema Islam und Gewalt Stellung genommen hat, geht er am New Yorker Ground Zero auf das Problem des islamistischen Extremismus nicht ein. Nicht einmal das Wort „Terrorismus“ nimmt er in den Mund. Hier geht es ihm ausschließlich um die Menschen.

Nacheinander spricht der Papst 24 Betroffenen der Katastrophe sein Mitgefühl aus, nimmt Anteil an deren Leid. Besonders bewegend ist der Moment, in dem er einen gehbehinderten Helfer daran hindert, zum traditionellen Ringkuss niederzuknien. Viele, die der Zeremonie am Ground Zero beiwohnen, sind stark berührt, einige weinen.

„Der Besuch des Papstes ist sehr wichtig für Familien wie meine, die nie die Leichen ihrer Angehörigen geborgen haben“, sagt eine Frau, deren Sohn bei den Anschlägen starb. Feuerwehrmann Tom Riches, der seinen Bruder aus den Trümmern von Ground Zero nur noch tot bergen konnte, sagt der Zeitung „Sun Sentinel“: „Seit diesem Tag war dieser Ort immer ein heiliger Ort für mich.“ Der päpstliche Segen macht dies nun offiziell.

Beate Spindler


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