Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Aus Liebe zum Papst

Liborius Verlagsgruppe Bayerisches Sonntagsblatt Liborius Magazin Liboriusblatt
Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
Aktuell|Nachrichten|Wissen|Unser Glaube|Specials|Forum|E-Cards|Spiele

Etappen Ihres Lebens: Taufe | Kommunion | Firmung | Ehe | Trauer

Drucken | Versenden | Mail an die Redaktion

Wohin will der Papst?


Aus Liebe zum Papst

Klar ist: Es gibt immer Leute, die gerne den Papst angreifen, egal was er sagt. Klar ist: Eine deutsche Bundeskanzlerin hat sich nicht in religiöse Fragen einzumischen, auch wenn sie Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union ist. Ist sonst noch was klar? Derzeit leider kaum.

Wenn jetzt vermeintliche Freunde des Papstes meinen, ihren Heiligen Vater um jeden Preis aus dem Schlamassel rauspauken zu müssen, in den der sich selber gebracht hat, dann tragen sie jedenfalls nicht zur Klarheit bei. Frau Merkel habe einen „politischen und diplomatischen Fehlgriff“ getan, wie Bischof Mixa verkündet? Nein. Sie hat nur um eine eindeutige Klarstellung nach dem politischen und diplomatischen Fehlgriff des Vatikans gebeten. Der Papst habe „keinen Fehler gemacht und muss sich daher nicht entschuldigen“, wie der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller meint? Da bringt einer was kräftig durcheinander. Die Kritiker wollen keine Entschuldigung, sie wollen die Korrektur einer falschen Entscheidung. Es sei „unbegreiflich und empörend“, dass „derzeit sogar von offizieller staatlicher und politischer Seite die Integrität von Papst Benedikt XVI. infragegestellt wird“, wie Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt schimpft? Ganz im Gegenteil. Es ist ja gerade vielen, so auch Merkel und Müntefering, eben unbegreiflich, wie eine so integre Person wie der Papst eine so unverständliche Entscheidung wie die Aufhebung der Exkommunikation von böswilligen Rechthabern, darunter ein Holocaust-Leugner, unterzeichnen konnte. Niemand, der bei Verstand ist, unterstellt dem Papst, dass er den Holocaust leugnet. Deswegen sind dahingehende Klarstellungen eher peinlich. Es geht darum, wie der Papst mit Priestern umgeht, die dieses Menschheitsverbrechen böswillig kleinreden wollen.

Gute Freunde erweisen einander den brüderlichen Dienst der Zurechtweisung

Die vermeintlich Papsttreuen übersehen: Die alten Fronten sind längst passé. Es sind nicht mehr die „bösen Medien“, die unserem armen Papst schaden wollen. Das war vor 20 Jahren, als ZEIT, SPIEGEL und WDR die standhafte Linie Johannes Pauls II. fortlaufend in gehässiger Weise angriffen. Heute steht die Frage im Mittelpunkt: Wie kann ein Papst, der so lucide Enzykliken über die Liebe schreibt, der sich in Auschwitz so tief bewegt über die Verbrechen der Nationalsozialisten äußert, der theologisch brillant zwischen Barmherzigkeit und unaufgebbaren dogmatischen Positionen zu differenzieren weiß, wie kann ein solcher Papst einem Holocaust-Leugner den Weg zurück in die Kirche ebnen wollen? Die Antworten schwanken zwischen „Er kann nur schlecht informiert gewesen sein“ und „Er wurde bewusst von den Traditionalisten gelinkt“.

Gute Freunde des Papstes wüssten es gerne genauer. Daher hat Frau Merkel recht, danach zu fragen. Dass die aktuelle Entscheidung über die Exkommunikation in dieser Form ein Fehler war, ist im übrigen nicht eine gehässige Unterstellung feindlicher Medien, sondern die übereinstimmende Ansicht eines Kardinals Sterzinsky, eines Ex-Oberministranten Franz Müntefering sowie offenbar auch eines Kurienkardinals Giovanni Battista Re. Gute Freunde erweisen einander den brüderlichen Dienst der Zurechtweisung. Nur so können Fehler wahrgenommen und dann hoffentlich auch bereinigt werden.

Die neuesten päpstlichen Erklärungen zeigen: Der Papst macht sich nicht die Rechtfertigungsversuche seiner Fans zu eigen, die von der „Wiederaufnahme eines verlorenen Sohnes“ schwafeln. Er lässt sich von Merkel und Co. durchaus zu Klarstellungen bewegen. Von den Äußerungen eines Herrn Williamson habe er nichts gewusst, heißt es heute offiziell. Und: Der Papst hat den Holocaust-Leugner zum Widerruf seiner „inakzeptablen Äußerungen“ aufgefordert. Wenn das nicht das Eingeständnis eines saudummen Fehlers ist. Der miserable Informationsstand im Vatikan mag erschrecken. Sein Eingeständnis ist aber ein erster Schritt zum Bekenntnis, etwas falsch gemacht zu haben. Die überwiegende Mehrheit der heutigen Kritiker wäre erleichtert, wenn Benedikt auch dies noch zugeben könnte. Aus Liebe zum Papst.

Joachim Rogosch




Übermittlung Ihrer Stimme...
1.9 (23 x bewertet)


Die Kommentare der Liborius-User:


von herzrosenduft

am Montag, 3. August 2009

Ziemlich feindlicher Kommentar

Übermittlung Ihrer Stimme...
5.0 (1 x bewertet)
 
 

Ihre Meinung zu diesem Thema (Sie müssen nicht angemeldet sein):

Ins Gästebuch eintragen
  (wird nicht angezeigt)
(* Pflichtfeld)

Das Beste aus der katholischen Erlebniswelt