Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ich leide an meiner Kirche!

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Wohin will der Papst?


"Ich leide an meiner Kirche!"

Papst Benedikt XVI hat die Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft aufgehoben, und der Holocaust-Leugner Williamson sorgte daraufhin für einen Eklat. Warum hat der Papst das getan? Erwarten Sie keine Antwort von mir! Ich werde nicht einmal versuchen, eine zu finden. Nur an eines glaube ich nicht: an eine Panne. Eine Panne passt nicht zu Papst Benedikt, der als Kardinal Ratzinger viele Verhandlungen mit den Traditionalisten geführt hat und ein Kenner der Szene ist.

Ehrlich gesagt, geht es mir auch gar nicht um das Für und Wider dieser Entscheidung, sondern um das Unbehagen, das sich bei mir eingestellt hat. Der neuerliche Zoff ist  nur ein Anlass dafür, Ursache ist er nicht. Seit langem hat sich da ganz unmerklich etwas zusammengebraut. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe weder Theologie studiert noch bin ich vertraut mit sämtlichen Enzykliken, Lehrschreiben und so weiter. Ich bin der interessierte Durchschnittskatholik, genauer gesagt Katholikin, denn ob Mann oder Frau macht in der Kirche ja doch einen kleinen Unterschied.

Erst ein Stutzen, dann Stirnrunzeln und Beklommenheit

Mit dem Islam-Zitat 2006 fing es an. Damals habe ich gestutzt. Es folgte ein Stirnrunzeln bei der Wiedereinführung des tridentinischen Ritus und den Karfreitagsfürbitten. Dann kam mit „Dignitas personae“ Beklommenheit. Mein Kollege Simon Biallowons hat damals an dieser Stelle begründet, warum die Kirche so entscheiden musste. Mit meinem Verstand konnte ich seine Argumente leidlich nachvollziehen, mein Gefühl hat sich widersetzt. Kondome, Pille, Schwangerschaftsabbruch und jetzt die künstliche Befruchtung – ist es ein Zufall, dass meist Frauen betroffen sind, wo die Kirche rigoros entscheidet? Frauen sollen Kinder zur Welt bringen, die sie nicht wollen, aber die Kinder, die sie sich von Herzen wünschen, dürfen sie nicht bekommen. Betroffene, die einen Ausweg aus diesem Dilemma suchen, werden ihn – so ist zu befürchten – in der Position „Glaube ja, Kirche nein!“ finden! Dort sind sie dann in guter Gesellschaft mit all den Kirchenmitgliedern, denen es zunehmend schwer fällt, das, was die Hierarchie tut, mitzutragen.

Erst ein Stutzen, dann Stirnrunzeln und Beklommenheit. Jetzt Fassungslosigkeit und Scham angesichts der Wiederaufnahme eines Bischofs, der den Mord an Millionen Juden leugnet und das Rad der Kirche weit zurückdrehen möchte. Es ist nicht immer leicht, Katholik zu sein. Eine Kollegin sagte einmal: „Ich liebe meine Kirche, aber ich leide auch an meiner Kirche.“ Ich kann diese Worte unterschreiben. Im Moment allerdings mit Betonung auf dem Nebensatz!

Rosina Wälischmiller




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