?: Angesichts dieser fundamentalen Probleme ist es nur schwer verständlich, weshalb der Papst so einer Gruppe die Hände gereicht hat.
!: Es kann sein, dass Benedikt XVI. etwas vollenden will, was er zusammen mit Papst Johannes Paul II. begonnen hat: die Aussöhnung mit den Lefebvrianern. Unter Johannes Paul II. ist das noch gescheitert und vielleicht ist deshalb Benedikts momentaner Versuch weniger ein Dienst an der Kirche, als eher ein Akt der Loyalität zu seinem Vorgänger. Allerdings unter Voraussetzungen, über die man nur den Kopf schütteln kann. Um das Bild der Bewährungshilfe zu gebrauchen: Man macht die Entlassung, bevor die Bewährung stattgefunden hat.
?: Diese „Entlassung“ bedeutet, dass die Exkommunikation wieder aufgehoben ist. Das ist ein wichtiger Schritt.
!: Nun ja, ich würde es mit dem alten Kirchenrecht halten, das sagt: Was der Papst formal gemacht hat, ist nur die sichtbare Oberfläche. Aber die Entscheidungen fallen in der Tiefe. Wenn einer noch so oft aufgenommen ist in die communio, aber inhaltlich die communio nicht sucht oder selbst zerstört, dann ist er nach wie vor in der Sache exkommuniziert. Im Klartext: Wer den Holocaust leugnet, ist nach wie vor draußen...
?: Also ist Bischof Williamson immer noch exkommuniziert?
!: Meiner Meinung nach, ja. Durch sein Verhalten exkommuniziert er sich in der Sache...
?: Also das, was man im Kirchenrecht eine „Tatstrafe“ nennt…
!: und insofern ist die Rücknahme der Exkommunikation nur die rechtliche Oberfläche und nicht die inhaltliche Bewegung, die stattfinden muss. Momentan zeigen alle Äußerungen aus der Piusbruderschaft, dass man nicht gewillt ist, diese inhaltliche Bewegung zu zeigen, sondern lieber als revolutionäres Potenzial antivatikanischer Art die Kirche von innen auf den alten Kurs bringen will. Das entspricht ganz der Logik der 68er mit ihrem „Marsch durch die Institutionen“. Dieses Prinzip gilt für rechts genauso wie links.
?: Welche Auswirkungen hat das für Benedikt XVI.? Hat er sein Pontifikat damit schon jetzt beschädigt?
!: Ganz sicher. Der Heilige Vater ist in eine Zwickmühle geraten, aus der er nur mit einem Befreiungsschlag herauskommt. Wenn nichts Markantes aus dem Vatikan kommt, wird die Autorität des Papstes in weiten Kreisen Europas, ja der Welt, Schaden leiden.
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Zweiter Teil: "Die Leute sind enttäuscht, dass die Kirche zurzeit eher nach rechts schaut"
Dritter Teil: "Ich halte Bertone für eine problematische Fehlbesetzung"
Vierter Teil: "In Österreich hat die päpstliche Autorität gewonnen"