"Die alten Kriege sind alle vorbei"
Es ist ein brüchiger Frieden, der in den vergangenen elf Jahren den Menschen in Nordirland wieder Zuversicht gegeben hatte. Freundschaften zwischen den Konfessionen waren langsam gewachsen, nun erschüttert ein neuer Terror das Land. IRA-Splittergruppen töteten zwei Soldaten und einen Polizisten. Mit ihrem Terror wollten sie den Frieden zerstören, erreicht haben sie das Gegenteil: Die gemeinsame Erschütterung scheint den Zusammenhalt eher noch zu stärken. glaubenslust.de sprach mit dem Priester Tony Devlin, dessen Kirche St. Comgall's in Antrim liegt, wo die zwei Soldaten ermordet wurden.
?: Father Devlin, wie nahe am Ort des Verbrechens sind Sie?
!: Ich schiebe gerade den Vorhang meines Fensters zur Seite und kann den Tatort sehen, er ist nur einige Hundert Meter von unserer Kirche entfernt. Sie können sich also vorstellen, wie erschüttert wir alle am Sonntag (der Tag nach der Ermordung der beiden britischen Soldaten, Anm. d. Red.) waren. Diese Erschütterung hält an.
?: Beschreiben Sie die momentane Stimmung bei sich. Wie reagieren die Menschen?
!: Viele hier kannten ja die jungen Männer, andere wurden an die schrecklichen Zeiten vor dem Frieden zurückerinnert. Wir sind so wütend, dass unser sicherer Ort, unsere friedliche Atmosphäre für solch ein Grauen missbraucht wurde. Und natürlich herrscht Angst, dass das erst der Anfang war.
?: Durch die Presse der ganzen Welt geht die Nachricht, dass Ian Paisley – einst ein Hassprediger, heute ein Friedensstifter – die Rede "eines katholischen Priesters in Antrim" in den Himmel gelobt hat. Das war Ihre Rede! Ein Erz-Protestant rühmt einen Katholiken?
!: In den ganzen letzten Jahren sind die Konfessionen sehr eng zusammengewachsen. Und das werden wir uns auch jetzt nicht nehmen lassen – im Gegenteil. Die alten Kriege sind alle vorbei.
?: Was war es denn, das Paisley so an Ihrer Rede begeisterte?
!: Ehrlich gesagt, genau weiß ich das nicht. Es waren einige spontane Worte, die ich nach einer Schweigeminute am Ort des Unglücks gesprochen hatte. Wir hatten uns alle nach der Messe dort versammelt. Ich sprach von der Freundschaft, die in den letzten Jahren gewachsen ist und die wir nicht bereit sind aufzugeben. Früher haben wir uns nach schrecklichen Geschehnissen in die Schneckenhäuser unserer Gemeinden zurückgezogen. Wir sind misstrauisch miteinander umgegangen – heute ist das anders. Und ich habe in meiner Rede deutlich gemacht: Menschen, die zu solchen Taten fähig sind, gehören nicht zu uns. Sie sind nicht Teil von uns. Wir wollen, dass sie damit aufhören. Und wir wollen, dass sie gefasst werden. Das ist es vermutlich, weshalb Ian Paisley diese Ansprache hervorgehoben hat.
?: Die "Freundschaft", von der sie sprechen, wie äußert sie sich im Moment?
!: Die Opfer und ihre Angehörigen – ganz besonders ihre Eltern – sind ständig in unser aller Gebet. Dieses Unglück ist so schwer zu fassen – und dass es ausgerechnet hier passiert ist... Aber wir werden zusammenhalten, mehr denn je. Und neben der Angst überwiegt letztlich die Hoffnung: Wir setzen sie in unsere Politiker und nehmen auch sie in unsere Gebete auf.
Interview: Antonia Groll
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