Der Tag danach
Zumindest Petrus meint es gut mit Windischgarsten. Er tut alles, um diesen Montag friedlich erscheinen zu lassen. Schenkt der kleinen Gemeinde in Oberösterreich immer wieder Sonnenstrahlen. Lässt die Kälte nicht zu schneidend werden. Legt gegen Abend über alles einen weichen Teppich aus Schnee. Die Geräusche der Autos klingen gedämpft, die Stimmen scheinen von weit her zu kommen. Doch egal was Petrus auch tut, dieser Montag wird nicht friedlich. Denn es ist der Tag danach – der Tag, nachdem die Kirchenkrise der Alpenrepublik in einer spektakulären Entscheidung gipfelte: dem Verzicht des Windischgarstener Pfarrers Dr. Gerhard Maria Wagner auf das Amt des Weihbischofs von Linz.
Windischgarsten ist ein typisch österreichischer Skiort. Wenig Einwohner, viele Pensionen und die Häuser alle ländlich-lieblich mit Zierrat und Zeichnungen gestaltet. Die Hauptstraße ist hier noch wirklich die hauptsächliche Straße, zumeist kleine Gässchen zweigen davon ab.
Ein Bus rumpelt vorbei. Er stoppt an der Haltestelle „Zentrum“. Einige Meter hinter dem Bushäuschen liegt tatsächlich das Zentrum der Gemeinde: die Kirche der Pfarre St. Jakob. Hier kommen an einem Sonntag gut achthundert Gläubige in die verschiedenen Messen. Dort, zwischen den großen Bäumen und im Schatten des mächtigen Turmes, trifft sich ein Großteil des gesamten Dorfes. Und hier wirkt Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner. Der Mann, der Harry Potter-Romane als Satanismus bezeichnet. Der Homosexualität für eine heilbare Krankheit hält. Und dessen Bestellung zum Weihbischof von Linz Österreich in eine selten da gewesene Krise stürzte.
Gestern hat Wagner deshalb auf sein Amt verzichtet. Heute steht Windischgarsten unter Schock.