Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Der Tag danach

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Der Tag danach

Zumindest Petrus meint es gut mit Windischgarsten. Er tut alles, um diesen Montag friedlich erscheinen zu lassen. Schenkt der kleinen Gemeinde in Oberösterreich immer wieder Sonnenstrahlen. Lässt die Kälte nicht zu schneidend werden. Legt gegen Abend über alles einen weichen Teppich aus Schnee. Die Geräusche der Autos klingen gedämpft, die Stimmen scheinen von weit her zu kommen. Doch egal was Petrus auch tut, dieser Montag wird nicht friedlich. Denn es ist der Tag danach – der Tag, nachdem die Kirchenkrise der Alpenrepublik in einer spektakulären  Entscheidung gipfelte: dem Verzicht des Windischgarstener Pfarrers Dr. Gerhard Maria Wagner auf das Amt des Weihbischofs von Linz.

Windischgarsten ist ein typisch österreichischer Skiort. Wenig Einwohner, viele Pensionen und die Häuser alle ländlich-lieblich mit Zierrat und Zeichnungen gestaltet. Die Hauptstraße ist hier noch wirklich die hauptsächliche Straße, zumeist kleine Gässchen zweigen davon ab.

Ein Bus rumpelt vorbei. Er stoppt an der Haltestelle „Zentrum“. Einige Meter hinter dem Bushäuschen liegt tatsächlich das Zentrum der Gemeinde: die Kirche der Pfarre St. Jakob. Hier kommen an einem Sonntag gut achthundert Gläubige in die verschiedenen Messen. Dort, zwischen den großen Bäumen und im Schatten des mächtigen Turmes, trifft sich ein Großteil des gesamten Dorfes. Und hier wirkt Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner. Der Mann, der Harry Potter-Romane als Satanismus bezeichnet. Der Homosexualität für eine heilbare Krankheit hält. Und dessen Bestellung zum Weihbischof von Linz Österreich in eine selten da gewesene Krise stürzte. 

Gestern hat Wagner deshalb auf sein Amt verzichtet. Heute steht Windischgarsten unter Schock.

"Das hat bei uns eingeschlagen wie ein Blitz“

„Nie haben wir damit gerechnet. Plötzlich erfährt man aus dem Radio, dass Hochwürden von seinem Amt Abstand nimmt. Das hat bei uns eingeschlagen wie ein Blitz“, erzählt Johann Rumpelmayer. Er zupft an seinen grünlichen Fäustlingen, zieht die Nase hoch und legt die Stirn in Falten. Dann blickt er auf die Kirchentür und murmelt ein wenig versunken weiter: „Dass es so etwas in der Kirche gibt“. Schüttelt den Kopf. „Dass es so etwas gibt...“ Wieder Kopfschütteln. Johann Rumpelmayer versteht das alles noch nicht.

Keiner in Windischgarsten hat mit dieser Entwicklung gerechnet. Unter der Woche noch war Pfarrer Wagner in Rom, um Bischofsgewänder anzuprobieren. Am Sonntag können die Gewänder zurück in die Kiste, Wagner lässt folgende Erklärung verbreiten: „Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach Rücksprache mit dem Diözesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um Rücknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten.“ Seitdem ist Wagner verschwunden. Er geht nicht ans Telefon, keiner weiß, wo er ist. Vertraute bitten um Verständnis, er müsse sich von diesem schweren Schlag erholen. Und überhaupt: Diese ganze Kritik, da müsse man doch einmal abtauchen.

Und eines wird bei den folgenden Stunden in Windischgarsten klar: Dieses Dorf ist erschüttert. Und nicht nur dieses Dorf – der Fall Wagners könnte die gesamte kirchliche Kultur in Österreich verändern.

Teil 2: Pfarrer Wagner - entweder man war für oder gegen ihn

Teil 3: "Der Weg wird steinig und schwer"




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