In Vielem ist Europa ein Segen. In Manchem ist es belanglos für das Alltagsleben in Kiel oder Konstanz. Und dann gibt es die Momente, in denen man nur fassungslos nach Brüssel schaut. Zur Sache: Am Donnerstag, sieben Wochen vor der Europawahl, kommt im Europäischen Parlament ein Änderungsantrag zur Abstimmung, der allen Ernstes eine Embryonenselektion zur Verhinderung seltener Erbkrankheiten empfiehlt. Konkret wird den Mitgliedsstaaten der EU geraten, vor einer Implantation die gezielte Auswahl gesunder Embryonen zu gestatten. In diesem Zusammenhang sprechen die Autoren des Antrags von "Ausmerzung", und das lässt im Jahr 2009 an ein dunkles Kapitel europäischer Geschichte erinnern.
Es ist notwendig und richtig, dass sich Politiker der Christdemokraten, Grünen und Liberalen in seltener Einmütigkeit heftig beschweren.
Der Wahn, Gott spielen und die in jeder Hinsicht einzigartige Schöpfung im Labor permanent optimieren zu wollen, hat weite Teile der Wissenschaft seit langem erfasst. Wir kennen das hinreichend aus der Debatte um die Stammzellenforschung. Im aktuellen Fall soll die "Ausmerzung" von Embryonen, aus denen Menschen heranwachsen, die an seltenen Erbkrankheiten leiden könnten, auch noch von der Politik abgesegnet werden. Das ist unerträglich und macht Angst.
Angst macht in diesem Fall tatsächlich die Abkehr von Gott, der jeden Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, als lebens- und liebenswertes Geschöpf samt aller geistigen, körperlichen und charakterlichen Mängel. Und das ist diesem Fall noch nicht mal eine speziell katholische Haltung. Denn die Abkehr von Gott bedeutet nichts anderes als die Missachtung menschlichen Lebens.
André Lorenz (22.4.09)