Die Qual nach der Wahl
Der 26. April ist für die Kirche ein trauriger Tag. Der Tag, an dem Berlin die Initiative „Pro Reli“ abgelehnt, sich damit gegen Religion als ordentliches Schulfach und für seinen Ruf als Hauptstadt des Atheismus entschieden hat. Die Kirche muss einsehen: Selbst wenn sie all ihre Kräfte mobilisiert, reichen diese nicht aus, um in Berlin ein wichtiges Anliegen durchzubringen. Keine unerwartete, aber dennoch eine bittere Erkenntnis.
Bitter vor allem deshalb, weil es nach dieser Niederlage keine Ausreden gibt. Nur 29,2 Prozent alle Wahlberechtigten stimmten ab. Und diese 29,2 Prozent waren auch noch mehrheitlich gegen Pro Reli – viel deutlicher hätte Berlin die Kirche nicht abstrafen können. Und damit auch die vielen Juden und Muslime, die ebenfalls für die Kampagne waren.
Berlin war nicht zu faul, sich für Religion auszusprechen. Berlin wollte Religion nicht. Ganz einfach.
Alle Anstrengungen, alle PR-Maßnahmen, selbst die Unterstützung von Lokalhelden wie Günther Jauch nutzten nichts. Selten hat die Kirche so politisch taktiert, so forsch agiert – nur um am Ende erkennen zu müssen, dass die Mühe letztlich vergebens war. Denn sicherlich kann die Kampagne für sich verbuchen, dass in Berlin überhaupt über Religion geredet wurde. Doch das taugt allenfalls dazu, um das Gewissen kurz zu beruhigen. Ganz nach dem Motto: Wenigstens haben wir alles gegeben und den Reli-Gegnern im Roten Rathaus mächtig eingeheizt. In der Sache aber reicht das nicht.
Am Ende stehen das Scheitern und die Anfragen an die Kirche: Wie will sie damit umgehen, welche Konsequenzen zieht sie aus diesem 26. April?
Zunächst: Im Kampagnen-Kampf wurde wieder einmal deutlich, dass die Linke weiterhin ein Gegner des religiösen Bekenntnisses ist. Das müssen Katholiken erkennen und bei ihrer politischen Entscheidung berücksichtigen. Hier trifft sich die politische Verantwortung mit der Verantwortung für den eigenen Glauben.