Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Die Schein-Heiligen

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glaubenslust – Der Tag


Die Schein-Heiligen 

Wäre es nicht so befremdlich, dann wäre es fast rührend, wie man derzeit auf die Einrichtungs-Neuigkeiten beim FC Bayern reagiert. Der Coach Jürgen Klinsmann hatte im „Leistungszentrum“ des Vereins neben allerhand Schnickschnack auch Buddha-Figuren aufstellen lassen. Seine messerscharfe Begründung: „Die Buddhas geben uns einen gewissen Energiefluss“.

Der Protest, der daraufhin über den FC Bayern zog, war zu erwarten und verständlich – und er wäre sogar erfreulich, wenn er nicht in die falsche Richtung ginge. Jetzt hat etwa Dekan Michael Wehrwein aus Lohr am Main Klinsmann ein Kreuz geschickt mit der Bitte, auch dem christlichen Symbol einen Platz einzuräumen. In dieselbe Kerbe hatte vor einigen Wochen schon der CSU-Politiker Norbert Geis geschlagen: „Herr Klinsmann sollte seine religiösen Gefühle nicht seinen Spielern aufzwingen“, sagte er damals.

Diese Reaktion ist so rührend wie weltfremd – unterstellt sie doch, die Fußballer würden auch nur einen Gedanken daran verschwenden, dass sie es hier mit Objekten zu tun haben, die von vielen Menschen als religiöse Symbole geehrt werden. Bayern-Manager Uli Hoeneß ließ verlauten, die Statuen seien nur Zierde und Schmuckstücke: „Glauben sie denn, wir wollen eine neue Glaubensrichtung beim FC Bayern einführen? Keinesfalls.“ Und auch Klinsmann hatte immer wieder betont, die Buddhas hätten keine tiefere Bedeutung.

Und genau das ist es, worüber es sich eigentlich aufzuregen gilt: Figuren, die als religiöse Symbole gelten – die sollen keine tiefere Bedeutung haben? Was wäre, wenn Mahindra United Mumbai in seinen Kabinen Kruzifixe aufhängen wollte, weil das „einen gewissen Energiefluss“ gäbe? Dann wären Leute wie Wehrwein und Geis zurecht empört.

Traurigerweise ist es Alltag geworden, religiöse Symbole als bloßen Schmuck, als sinnentleerten Kram zu betrachten. Von den Tausenden Buddhas, die als glitzernde Plastik-Ohrringe herumwackeln und als Duftkerzen in Einrichtungsläden feilgeboten werden, ist vermutlich kein einziger ernst gemeint.

Dem Kreuz geht es wohl ähnlich. Auch wenn die Quote deutlich besser sein dürfte als bei den Buddhas – doch wie ernst meinen es die Träger wirklich damit, wenn sie Kreuze an sich baumeln lassen wie Svarowski-Klunker? Aber es ist ja auch kein Wunder, wenn es ihnen Leute wie David Beckham vormachen, der auf dem Titelbild der „Vanity Fair“ einen Rosenkranz um den Hals trug.

Roland Schnitter




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Die Kommentare der Liborius-User:


von david-ho-zehnter@gmx.de

am Freitag, 1. August 2008

Liebe Freunde
Roland Schnitter hat von seiner Warte durchaus recht.
Ja ... aber, ich selber lehne religiösen Kitsch ab, ob das Engerl und Kreuzerl an Wallfahrtsbuden oder fette "Buddhas" im Eso-laden sind, weil die halt jetzt "in" sind. Als Student hätte ich auf das süße "heilige Geraffel" Dynamit werfen mögen. Aber ich habe gemerkt, ein gewisses Quantum frommen Kitsch - denken wir nur an die abendländische Kitsch-Orgie zu Weihnachten - soll der Mensch wohl haben dürfen. Mir sind die Buddherl, Engerl und der Rosenkranzerl um den Hals lieber als diktatorisch verpasste Davidsterne der Nazis, die missbrauchte Sonnenrune als Hakenkreuz, Sowjetsterne und diverser Satanskultkram und Gruft-Perversis.
In Rom wird der Papst als "Päpstchen" vermarktet und
in Lourdes die Mutter Jesu als Plastikflascherl.
Ich glaub schon, dass wir als engagierte katholische
Christen uns um wesentlichere Dinge der Gegenwart
bemühen sollten, als um den Rosenkranz am Hals
von Fußballern. Mir ist das symphatischer als ein "Glücksschwein." Und wer weiß ... ?
Vielleicht liegt es auch an uns als Kirche, viele Zeichen
verbannt zu haben. Es wäre nicht schlecht, eine freundliche Pädagogik der religiösen Symbolkultur zu fördern, über die sich der Mensch von heute auch freuen kann. Möge unsere christliche Energie nur reichlich - ohne saueres Moralin - mit Fantasie fließen.
Ich trage gern eine orthodoxe Gebetsschnur vom Berg Athos beim Bergsteigen um den Hals. Das finden
junge Freunde durchaus "cool" und wollen oft mehr
wissen. Vielleicht können wir auch etwas vom heiteren Lächeln des Dalai Lama lernen. Vielleicht könnte man in Deutschland nicht immer alles so "ernst nehmen",
sondern auch "heiter-gelassen".
Bei uns im Süden baumeln Rosenkränze in vielen Autos. Leben und leben lassen.
Heil allen Lebewesen Bruder David



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