Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Dom-Ton

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Der Dom-Ton

Das Image der katholischen Kirche ist derzeit bekanntermaßen suboptimal, wie es auf Marketing-Deutsch heißt. Eines kann man der Heiligen Mutter Kirche aber wirklich nicht absprechen: Sie besitzt einen Unterhaltungswert, mit dem andere Religionsgemeinschaften in keinster Weise mithalten können. Und sie lässt scheinbar keine Gelegenheit aus, sich noch stärker im Gedächtnis der Öffentlichkeit zu positionieren – oder besser gesagt im Gehör. Nein, es geht hier nicht um die Piusbrüder und ihr tridentinisches Messe-Latein. Das ist ja eh schwer zu verstehen, da mit dem Rücken zur Welt heraus posaunt. Anders dagegen „d´r decke Pitter“.

Für Nichteingeweihte und vor allem für Nicht-Kölner: D´r decke Pitter (kölsch für: der dicke Peter) heißt im Volksmund die St. Petersglocke des Kölner Doms. Dessen Geläut können sich Fans ab Montag als Handyklingelton auf der Internetseite www.koelner-dom.de herunterladen, wie das Erzbistum mitteilte. Wie überhaupt sich die Webseite ganz neu präsentiert. Zum Beispiel können Internet-Surfer in einem Fürbittenbuch Gebetsanliegen eintragen. Da soll einer der Kirche noch nachsagen, sie sei nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Aber zurück zum decken Pitter. Um die Dimension des Klingelton-Angebots zu verdeutlichen, muss noch erwähnt werden, dass es sich bei der „Deutschen Glocke am Rhein“, wie sie früher offiziell hieß, um die größte freischwingende Kirchenglocke der Welt handelt: mit einem Durchmesser von drei Meter einundzwanzig und einem Gewicht von 24.000 Kilo. Ein echter Kaventsmann also, der seit dem 28. Oktober 1925 mit einem – laut Experten – reinen C-Kammerton die Domstadt beschallt. Allerdings nur an den höchsten katholischen Feiertagen, insgesamt acht Mal pro Jahr. Und da ist er nicht zu überhören, allein der Nachhall soll vier Minuten dauern.

Verspricht auf jeden Fall in Zukunft ein Hörerlebnis zu werden, wenn sich die Handys von Kölle-Fans bemerkbar machen – bei Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln etwa, in Konferenzen, in Kino oder Theater. Und wir stellen uns vor, wie ein vollmundiges „Donnnnnnnnggggggggg“ durch den ICE-Großraumwaggon lärmt, den Power Point-Vortrag des Chefs einhüllt oder die Verdi-Arie in der Oper markant unterlegt und die Anwesenden daran erinnert: Gott ist mächtig und überall. Könnte allerdings sein, dass das decke Pitter-Handygeläut im Zuge eines Nachahmereffekts auch andere Religionsgemeinschaften dazu inspiriert, eigene Glaubenssoundtracks via Mobiltelefon unters Volk zu bringen. Wir denken da an Muezzin-Rufe, Om-Mantras oder tibetische Klostergesänge. Wenn das mal nicht das Potenzial zu einem veritablen akustischen Wettrüsten hat. Aber was soll´s, wenn immer weniger Menschen in die Kirche gehen, bringt man eben die Kirche zu den Menschen. Und überhaupt, wie sagt doch der Kölner so schön? Et kütt wie et kütt!

Klaus Späne




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