Ein Bibel-Park in Deutschland –
warum eigentlich nicht?
München, 5. Juni 2008 – Schweizer Kreationisten wollen im Rhein-Neckar-Raum einen biblischen Themenpark bauen. Prompt regt sich heftige Kritik der Kirchen. Der Widerstand ist aber nur zum Teil berechtigt.
Berechtigt ist die Ablehnung, wenn man die Initiatoren bedenkt. Hinter der Schweizer Genesis-Land AG stecken Kreationisten, und das ist ein Menschenschlag, den die Kirche auf der einen Seite seit Jahrhunderten überwunden glaubte, der aber auf der anderen Seite in jüngster Zeit ein zweifelhaftes Comeback verzeichnet. Kreationisten glauben der Bibel wortwörtlich und damit auch, dass die Welt von Gott in exakt sechs Tagen erschaffen wurde. Das auch nicht vor wissenschaftlich unstrittigen 4,5 Millionen, sondern erst vor 6000 Jahren. Kreationisten lehnen die Darwin’sche Evolutionstheorie strikt ab und stoßen damit erfolgreich in den Biologieunterricht in manchen US-Bundesstaaten vor. Deshalb ist es richtig, DIESEN Bibel-Park-Plan zu verhindern.
Aber …
Was spricht eigentlich tatsächlich gegen einen biblischen Themenpark? Warum sollte man ein solches Vorhaben nicht realisieren in einem Land, in dem seit 1634 die Passionsspiele von Oberammergau zur christlich geprägten Eventkultur zählen? In dem es einem Komiker seit mehr als zwei Jahren gelingt, mit einer Pilgerbeichte Tausende Deutsche auf den Jakobsweg zu lotsen? In dem beim Mega-Ereignis Weltjugendtag über eine Million junger Menschen das faszinierende Gemeinschaftserlebnis Glauben neu entdecken?
Es ist ja eine Tatsache, dass gerade Jugendliche Schwierigkeiten haben, sich mit einer Kirche anzufreunden, die sie für verstaubt und altbacken halten. Aber die Kirche kann auf die nachwachsende Generation nicht verzichten. Bei aller notwendigen Profilierung im Sinn-Supermarkt unserer Tage wäre es ein Irrweg für die Kirche, sich auf eine exklusive Elitegruppe reduzieren zu wollen und zahllose Menschen, die die Kirche eigentlich brauchen, am Wegrand stehen zu lassen. Das bedeutet: Die Kirche darf sich gesellschaftlichen Trends nicht verschließen. Eine Eventkultur gehört dazu. Und wenn es gelingt, auf sensible und angemessene Weise die Geschichte der Kirche und der Bibel in einem Bibel-Park darzustellen, warum denn eigentlich nicht? Manche wissen das nicht, aber Glauben darf auch Spaß machen.
André Lorenz