Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ferien-Knigge

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Ferien-Knigge

Foto: Fotolia

Ihr Knigge für den Urlaub

Die Wächter vor dem Petersdom kennen keine Gnade: Ist der Rock oder die Hose zu kurz, war das Schlangestehen in brütender Hitze umsonst. Wer nicht angemessen gekleidet ist, muss draußen bleiben. Es ist aber auch eine Frage des Respekts, wer will schon unangenehm auffallen? Beliebte Urlaubsländer und ihre Regeln für eine gute Reise: Hier einige Do's and Don'ts im Überblick!

 

Foto: Public Domain

Italien

Herz-Jesu-Priester Marcello Matté aus Bologna erzählt von den Regeln aus seiner Heimat: "Wenn wir die Kirche betreten, machen wir einen Kniefall und bekreuzigen uns dabei mit Weihwasser. Den Kniefall macht allerdings jeder anders, da gibt es eine große Vielfalt. Während der Messe herrscht dann besonders in ländlichen Regionen absolute Stille, in Kirchen in der Stadt wird das weniger eng gehandhabt. Vor und nach der Messe wird aber fast überall gesprochen.

Meistens wird in Italien die Handkommunion verteilt. Allerdings gibt es, vor allem in üblicherweise sehr vollen Kirchen, oft die Anweisung, die Hostie auf die Zunge zu legen.

Manche Gastgeber haben in ihren Kirchen offenbar keine guten Erfahrungen mit Touristen gemacht...

In vielen Kirchen wird heute vor der Messe der gesamte Text mit den Antworten der Gemeinde ausgeteilt. So kann jeder der Messe gut folgen und auch Touristen können sich am Gottesdienst beteiligen. In Italien kommt es übrigens vor, dass Menschen nicht am gesamten Gottesdienst teilnehmen. Im hinteren Teil der Kirche kann deswegen ein reges Kommen und Gehen herrschen.

Kleidervorschriften gibt es in den meisten Kirchen nicht mehr, die Kleidung sollte nur anständig sein."

Wer allerdings den Petersdom besichtigen will, muss zum Beispiel darauf achten, dass seine Schultern bedeckt sind. Dazu reichen leichte Tücher oder Schals, die man den Rest des Tages im Rucksack verstauen kann. Außerdem müssen Männer lange Hosen tragen und Frauen mindestens ihre Knie bedecken.

Tipp: Im Sommer kann es in Rom sehr heiß werden. Dann bieten sich Zipp-Off-Hosen an, die man schnell zur luftigeren kurzen Hose umwandeln kann.

Foto: David Liuzzo

Polen

Pater Romuald Skowronek, SCJ vom Kloster in Maria Martental ist gebürtiger Pole: "Ich glaube, Unterschiede zwischen Polen und Deutschland sind eher auf die einzelnen Priester als auf unterschiedliche Traditionen in den verschiedenen Ländern zurückzuführen.

Die Rituale während der Messe werden in Polen genauso durchgeführt wie in Deutschland. Auch Kleiderregeln gibt es nicht mehr. Nur einige alte Frauen bedecken heute noch ihre Haare in der Kirche. Die Mundkommunion wurde inzwischen auch in Polen zu großen Teilen von der Handkommunion abgelöst. Beide Formen sind erlaubt und werden etwa gleich häufig durchgeführt.

Einige Unterschiede gibt es aber doch. In Polen wird viel strenger darauf geachtet, dass die Gläubigen in der Kirche nicht sprechen, damit sie sich auf ihre Beziehung zu Gott konzentrieren können. Die polnische Kirche hat meiner Meinung nach ein viel schöneres Liedgut, zum Teil auch modernere Stücke. Wir singen aber auch sehr häufig Psalmen. Außerdem knien wir in Polen häufiger und wir gedenken in jeder Messe der Armen.

Dazu kommen noch lokale Bräuche. In einige Gegenden ist es zum Beispiel sehr üblich, dass dem Herrn Opfergaben dargebracht werden. Das können Nahrungsmittel wie Brot und Wein, aber auch Blumen, Geld oder Messgewänder sein."

Spanien

Pastoralreferent Manuel Cordero aus der spanischen Mission Mannheim: "Die Messe ist in Spanien und Deutschland ziemlich ähnlich. Die Frauen bedecken ihre Haare schon lange nicht mehr. Nur einige alten Damen halten noch daran fest." Gesungen wird in Spanien weniger als in Deutschland, weshalb die Messen in der Regel kürzer sind. Zur Kommunion sagt Cordero: "Ob die Kommunion in die Hand oder auf die Zunge gegeben wird ist regional völlig unterschiedlich. Beides kommt etwa gleich häufig vor. Man sollte sich aber am besten an Spaniern orientieren, denn es kommt noch vor, dass Gläubige keine Kommunion bekommen, wenn sie die Hand aufhalten."

Ungarn

Stefan Hart aus der ungarischen Mission München: "In Ungarn gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Kirchen auf dem Land und in der Stadt. Besonders auf dem Land wird in der Kirche noch viel Wert auf Sonntagskleidung gelegt. Auch Kopftücher bei verheirateten Frauen sind durchaus üblich, besonders ältere Frauen tragen sie häufig. In ländlichen Gegenden kann man teilweise sogar noch die Trennung von Frauen und Männern in der Kirche beobachten.

Beim Betreten der Kirche wird meist ein Kniefall gemacht, während dem der Gläubige sich bekreuzt. Ab diesem Zeitpunkt wird außer den Antworttexten, die die Gemeinde gemeinsam spricht, nicht mehr geredet. Vor und nach der Messe werden je nach Saison Litaneien, Rosenkränze oder Andachten gebetet, in der Messe selbst gibt es aber kaum Unterschiede. Auch die Lieder sind überwiegen dieselben. Nur die Mitwirkung der Gläubigen im Gottesdienst ist noch nicht sehr verbreitet.

Die Mundkommunion wird in Ungarn deutlich häufiger durchgeführt als die Handkommunion. In vielen Gebieten ist letztere sogar verboten und auch dort, wo sie erlaubt ist, gibt es Priester, die sie diskret verweigern.

Beim Friedensgruß schütteln wir übrigens nicht so vielen Menschen die Hand, wie in Deutschland. Wir begrüßen nur unsere unmittelbaren Nachbarn."

Brasilien

Pater Reinaldo, SCJ, Herz-Jesu-Priester in Freiburg, stammt ursprünglich aus Brasilien und erzählt aus seiner Heimat: "Bei uns Brasilien ist die Liturgie natürlich die gleiche, wir haben aber eine andere Art sie zu feiern. Unsere hat sich aus einer Vielzahl an Einflüssen entwickelt. Die Bevölkerung Brasiliens ist aus einer Mischung aus Indianern, Portugiesen und Afrikanern entstanden. Dazu sind später noch viele Immigranten gekommen. Das spiegelt sich auch in der Kirche wieder, denn wir haben zwei verschiedene Formen der Messe. In Rio Grande do Sul, dem südlichsten Bundesstaat Brasiliens, wird die Missa Criola gefeiert. Die kreolische Kultur zeigt sich hier vor allem in besonderen Ausdrücken und einer typischen Kleidung. Daneben gibt es aber auch die Missa Afro, die besonders durch die afrikanische Kultur beeinflusst ist. Bei dieser Form der Messe wird viel gesungen und getanzt.

Die Liturgie ist allgemein zwar respektvoll, aber viel weniger formal als in Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Es gibt weniger strenge Regeln. Die Menschen machen in der Kirche die Gesten wie das Knien nicht gleichzeitig, viele knien überhaupt nicht.

Dafür sind die Lieder bei uns festlicher und abwechslungsreicher als in Deutschland. Wir setzen je nach Region sehr verschiedene Instrumente ein.

In Südbrasilien ist der Einfluss der europäischen Immigranten stärker, deshalb ist hier die Messe formaler und gemäßigter. In Mittel- und Nordbrasilien wird dagegen zu den Liedern viel geklatscht. Besonders im Norden und Nordosten ist es außerdem so warm, dass es normal ist, mit kurzer Hose in die Kirche zu gehen."

 

Cathrina Keller (7.8.09)

 

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