Gelungene Premiere
Der XXIII. Weltjugendtag ist vorbei. Wenn man ehrlich ist, ging er auch an vielen Menschen in Deutschland vorbei. Das liegt aber nicht daran, dass die Tage in Sydney ein Misserfolg gewesen wären. Sondern eher daran, dass der Weltjugendtag aus dem eurozentrischen Blickwinkel so unheimlich weit weg stattfand. Gastgeber und Teilnehmer haben eine klare Meinung: Der erste Weltjugendtag in Australien war aus ihrer Sicht eine gelungene Premiere. Und damit haben sie recht.
Raus aus dem Schattendasein ins Licht der Öffentlichkeit
Bereits der Blick in die Presse verrät viel. Die Tageszeitung „The Australian“ jubelte: „Diese Woche wird als eine der überschwänglichsten in Sydneys Geschichte eingehen.“ Und der „Sydney Morning Herald“ wollte sogar einen „Tsunami der Freude und des Glaubens“ gespürt haben. Nun darf man dieses Echo nicht überbewerten. Bedenkt man die geringe Zahl der australischen Katholiken von fünf Millionen – in Deutschland sind es über 25 Millionen – so ist klar, dass eine Abschlussmesse mit mehr als einer halben Million Teilnehmern wie eine große Offenbarung wirken muss. Und natürlich: Die Kirche fristet in „down under“ ein Dasein als Nachtschattengewächs, selten wagt sie sich in das Licht der Öffentlichkeit. Doch nun haben die Australier ein Glaubensfest erlebt, das Pilger aus aller Welt nach Sydney und sechs Tage Prayer, Party und Prozessionen brachte. Da mag die Objektivität vielleicht ein wenig der Euphorie weichen. Das alles ändert aber nichts daran, dass dieser Weltjugendtag auch tatsächlich ein Erfolg war.
Zum einen lag das an Benedikt XVI. Der Papst hat die Menschen begeistert. Der Heilige Vater kam als echter Papa und traf genau den richtigen Ton. Mag Benedikt in der Vergangenheit taktische Fehler wie in der Regensburger Rede gemacht haben – in Australien saßen die Gesten und Gespräche. In seiner ersten Ansprache im Hafen von Sydney dankte er besonders den Aborigines und erinnerte an das Leid, das die australischen Ureinwohner in der Vergangenheit hatten erleiden müssen. Diese Geste, bis zu einem gewissen Grad sicherlich eine obligatorische, war trotz allem ein deutliches und diplomatisches Zeichen. Genauso wie die Worte, mit denen der Papst erneut den Kindesmissbrauch durch Kleriker geißelte: Von einer „Schande“ sprach er und von tiefer „Scham“. Dazu traf er sich überraschend mit vier Missbrauchsopfern, und setzte damit den auf dem USA-Besuch begonnenen Kurs fort.
Benedikt XVI. hat alles dafür getan, seinen Anteil zu einem großartigen Ereignis zu leisten – und doch wären alle seine Bemühungen ohne die Hunderttausenden von Pilgern umsonst gewesen. Das nämlich darf nicht vergessen werden: Mag der Heilige Vater auch wichtig für den Weltjugendtag sein. Im Zentrum sollten allein die Gläubigen und der Glaube stehen. Nur wenn sie die Veranstaltungen als Bereicherung erlebt haben, war es wirklich ein erfolgreicher Weltjugendtag. Und das haben sie.
Viele Australier erleben das erste Mal das Gefühl Mitglied einer Weltkirche zu sein
Gerade viele australische Christen haben das erste Mal erlebt, was „Katholiksein“ bedeutet. Nämlich Teil einer weltweiten Gemeinschaft zu sein und sich so auch zu fühlen. Außerdem waren dank der unmittelbaren Nähe zu ihren Heimländern viele Asiaten in Australien. So zeigte sich ein Teil des Gesichtes der Kirche, der in Zukunft noch wichtiger – weil anteilsmäßig stärker – sein wird. Weitmehr als das bei den Weltjugendtagen in Europa der Fall war. Deshalb waren die Begegnungen in Sydney eine unverzichtbare Basis, um auch in den nächsten Jahren als echte Weltkirche erfolgreich zu sein. Und um den Deutschen, Italienern oder Franzosen eines zu zeigen: Nur weil etwas weit weg von Europa ist, ist es noch lange nicht zweitrangig.
Simon Biallowons