Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Großbritannien erwartet den Papst

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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Der Tag

 

Ein gespaltenes Land

Im September will der Papst Großbritannien besuchen. Es ist eine Reise, die nicht ganz einfach werden wird – selbst wenn die Airline easyJet Benedikt XVI. den Flug schenken will. Der englische Journalist Peter Stanford über die katholische Kirche auf der Insel

Anglikaner-Chef Rowan Williams und Papst Benedikt XVI. erwartet ein turbulentes Treffen im Herbst (Foto: laif)

Sobald der Papst britischen Boden betritt, wird er vor allem mit zwei Problemen konfrontiert werden: Da ist zum einen der Konflikt um das Gleichstellungsgesetz, das die Labour-Regierung auf den Weg bringen will. Schwule sollen in Großbritannien nicht länger diskriminiert werden. Deshalb plant die Regierung, spezielle Gesetzesausnahmen abzuschaffen, die es der katholischen Kirche bislang erlauben, Homosexuellen einen Posten in der Kirchenverwaltung zu verweigern. Britische Katholiken wehren sich mit Verweis auf die Religionsfreiheit heftig gegen diese Gesetzesänderung – und der Papst ist ganz ihrer Meinung, was er auch öffentlich kundgetan hat, als er seine Reise nach Großbritannien ankündigte.

Das zweite Konfliktthema, dem sich Benedikt XVI. in England stellen muss, ist sein Angebot an die Anglikaner. Der Heilige Vater hatte anglikanischen Priestern, die die Ernennung von Frauen zu Bischöfinnen in ihrer Kirche ablehnen, zugesichert, dass sie konvertieren und katholische Priester werden könnten – auch wenn sie verheiratet sind. Viele liberale britische Katholiken fragen sich nun, warum diese ehemaligen Anglikaner als katholische Priester verheiratet sein dürfen, während einige katholische Pfarrer in den letzten Jahren ihr Amt aufgeben mussten, weil sie heiraten wollt

Eine gespaltene Kirche

Darüber hinaus ist die Kirche Großbritanniens seit langem in vielerlei Hinsicht gespalten: Schottland zum Beispiel hat eine eigene Bischofskonferenz mit Kardinal Keith O’Brien als Vorsitzendem. Die englischen und walisischen Bischöfe dagegen werden von Erzbischof Vincent Nichols in London angeführt. Und beide Bischofskonferenzen unterstehen demselben päpstlichen Nuntius, der ebenfalls in London residiert.

Nach Ende seiner Amtszeit konvertierte Ex-Premier Tony Blair zum Katholizismus (Foto: dpa/picture-alliance)

Auch auf sozialer Ebene geht ein tiefer Riss durch die Gemeinschaft der britischen Katholiken. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Geschichte: Die Kirche Roms wurde in England 300 Jahre lang verfolgt, von der Reformation in den 1530er Jahren bis zum „Catholic Emancipation Act“ von 1829, als ein Gesetz den Katholiken in Großbritannien und Irland endlich volle Bürgerrechte einräumte.

Das Ergebnis Jahrhunderte langer Verfolgung

Zuvor mussten Katholiken eine Strafsteuer zahlen, waren von Regierungsämtern, dem Militär und Posten in der Justiz ausgeschlossen und landeten oft sogar im Gefängnis, wenn sie ihren Glauben praktizierten. Diejenigen, die es schafften, trotz dieser Schikanen ihrem Glauben treu zu bleiben, waren meist Adelige, die sich für Gottesdienst und Gebet in ihre Privatkapellen zurückziehen konnten.

Im 19. Jahrhundert jedoch landeten viele arme irische Bauern auf der Flucht vor der Hungersnot in England. Daraus ergab sich ein Zwei-Klassen-Katholizismus: eine Kirche für die reichen englischen Adeligen und eine für die armen, ungebildeten irischen Bauern. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand eine katholische Mittelschicht, und endlich zogen auch Katholiken ins Parlament ein. Einen katholischen Premierminister allerdings hatte Großbritannien noch nie – denn Tony Blair konvertierte zwar zum Katholizismus, allerdings erst als nach Ende seiner Amtszeit.

Traditionalisten fordern die britischen Bischöfe heraus

Die Spaltung, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch am meisten zu schaffen machen wird, ist allerdings die aktuelle zwischen liberalen und konservativen Katholiken. Die meisten britischen Bischöfe folgen der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils: Sie denken liberal und sind sehr tolerant gegenüber anderen Religionen. Vor allem setzen sie sich für ein besseres Verhältnis zu den Anglikanern ein.

Laut Umfragen sind die meisten Briten einverstanden mit der liberalen Linie ihrer Bischöfe. Die Minderheit der sehr konservativen Katholiken allerdings verschafft sich immer wieder lautstark Gehör und fordert die Bischöfe bei vielen Gelegenheiten heraus: dass immer weniger Briten sonntags den Gottesdienst besuchen und – wie in Deutschland – akuter Mangel an Priesternachwuchs herrscht, ist für die Traditionalisten ein Zeichen dafür, dass die britischen Bischöfe einen falschen Weg eingeschlagen haben. 

Ein Kommentar von Peter Stanford, ehemaliger Herausgeber des „Catholic Herald“ in London und Kolumnist der internationalen katholischen Wochenzeitung „The Tablet“


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