Das soll eine Entschuldigung gewesen sein? Wer glaubt, Karl-Theodor zu Guttenberg habe sich bei seiner Rede am Montag aufrichtig dafür entschuldigt, wie er an seinen Doktortitel gelangt ist, der ist auf ein Theaterstück hereingefallen. Denn das, was der Minister am Montagabend abgeliefert hat, war keine Entschuldigung. Es war ein Hohn auf ehrlich arbeitende Wissenschaftler, lediglich als Entschuldigung verkleidet.
Lächerlich ist etwa diese Begründung: "Weil ich am Wochenende, auch nachdem ich diese Arbeit mir intensiv noch einmal angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe." Wer soll denn im Ernst glauben, der Minister habe daheim vor dem Kamin gesessen, in seinem Buch geblättert und überraschend "feststellen" müssen: Huch, hier ist ja die Hälfte abgeschrieben! Diese Feststellung haben längst andere getroffen.
Der Höhepunkt an Unverfrorenheit allerdings war Guttenbergs Satz: "Ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe." Das sieht nach mutiger Verantwortung aus, nach aufrechtem Eingeständnis – und gewiss verfängt dieser Satz bei all jenen, die Guttenbergs Verfehlungen nicht wahr haben wollen. In Wahrheit aber ist er gleich dreifach verlogen.
Erstens das Wort "Blödsinn": Niemand hat Guttenberg vorgeworfen, unsinnige Gedanken verbreitet zu haben. Es sind ja kluge Erörterungen, die der Kandidat hier übernommen hat – genau deswegen hat er sie ja zusammenkopiert. Es ist Irreführung, so zu tun, als werde ihm "Blödsinn" vorgeworfen. Das Werk anderer erst für sich zu vereinnahmen, und es dann, wenn es eng wird, "Blödsinn" zu nennen, ist geradezu infam.
Zweitens die Formulierung: "den ich geschrieben habe". Genau das Gegenteil ist ja der Frevel: Dass er eben nicht selber geschrieben hat, sondern kopiert und montiert, fremde Leistung als seine ausgegeben. Was der Minister selber geschrieben hat, ist da nicht mehr von Interesse.
Und drittens leitet er diesen Affront ein mit den Worten, er "stehe" dazu. Genau das tut er eben nicht, wenn er kluge Gedanken fremder Leute ausgibt als "Blödsinn, den ich geschrieben habe".
Wie wenig der Minister in Wahrheit eingesteht, verrät auch die Erklärung, er habe "möglicherweise an der ein oder anderen Stelle – an der ein oder anderen Stelle auch zu viel – auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren". Die ein oder andere Stelle? Über 60 plagiierte Abschnitte dürfen inzwischen als gesichert gelten. Möglicherweise? Den Überblick verloren? Das ist keine Erklärung, sondern eine Verschleierung des seitenweisen Kopierens.
Und Guttenberg ist nicht mal Manns genug, selbst dieses weichgespülte Bekenntnis auf sich zu nehmen. Er sagt nicht: "Ich habe" den Überblick verloren. Er sagt: "Man hat". Und so einer schämt sich nicht, ein paar Sätze später von sich zu sagen: "Eine oberfränkische Wettertanne hauen solche Stürme nicht um."
Mit diesem Auftritt hat Karl-Theodor zu Guttenberg sich nicht reingewaschen. Er hat alles nur noch schmutziger gemacht.
Roland Schnitter