Herzlichen Glückwunsch!
Darf jemand den Papst einen Esel nennen? Ohne dass gleich wieder ein Bannfluch des nächsten Ortsbischofs auf ihn niederfährt? Sicher ist, dass einer dies darf: Joseph Ratzinger selber. Als "Ochs" beschreibt er sich, als "Packesel", der den Karren Gottes in dieser Welt zieht.
Eigenartig, dass gerade ein so scharf denkender, konstitutionell eher zarter Intellektueller nichts lieber als Ochs und Esel sein will, wie er in seiner Erinnerungsskizze "Aus meinem Leben" schon vor zehn Jahren bekennt. Offenbar ist das sein Lebensprogramm: Dass er anders sein muss als er selber möchte, weil andere (Gott?) anderes mit ihm vorhaben.
Von außen sieht das Leben dieses Menschen ja so glanzvoll und zielstrebig aus. Mit 23 Jahren Priesterweihe, mit 25 Doktor der Theologie, mit 31 Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik in Freising, dann in Bonn, in Münster, in Tübingen und Regensburg. Da ist er gerade mal 41. Mit 49 wird er Erzbischof von München und Kardinal, mit 53 oberster Glaubenshüter in Rom. Als Johannes Paul II. 2005 stirbt, läuft alles auf den Deutschen zu. Seither ist er Papst. Wer sonst.
Streben nach Macht war ihm immer fremd
Die Selbstwahrnehmung ist anders. Überall musste er geschoben und gedrängt werden. Schon als Gerüchte aufkamen, er würde Erzbischof von München, konnte er diese nicht ernst nehmen, "denn die Grenzen meiner Gesundheit waren ebenso bekannt wie meine Fremdheit gegenüber Aufgaben der Leitung und der Verwaltung". So sieht er sich.