Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Happy Birthday, Benedikt

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Herzlichen Glückwunsch! 

Darf jemand den Papst einen Esel nennen?  Ohne dass gleich wieder ein Bannfluch des nächsten Ortsbischofs auf ihn niederfährt? Sicher ist, dass einer dies darf: Joseph Ratzinger selber. Als "Ochs" beschreibt er sich, als "Packesel", der den Karren Gottes in dieser Welt zieht.

Eigenartig, dass gerade ein so scharf denkender, konstitutionell eher zarter Intellektueller nichts lieber als Ochs und Esel sein will, wie er in seiner Erinnerungsskizze "Aus meinem Leben" schon vor zehn Jahren bekennt. Offenbar ist das sein Lebensprogramm: Dass er anders sein muss als er selber möchte, weil andere (Gott?) anderes mit ihm vorhaben.

Von außen sieht das Leben dieses Menschen ja so glanzvoll und zielstrebig aus. Mit 23 Jahren Priesterweihe, mit 25 Doktor der Theologie, mit 31 Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik in Freising, dann in Bonn, in Münster, in Tübingen und Regensburg. Da ist er gerade mal 41. Mit 49 wird er Erzbischof von München und Kardinal, mit 53 oberster Glaubenshüter in Rom. Als Johannes Paul II. 2005 stirbt, läuft alles auf den Deutschen zu. Seither ist er Papst. Wer sonst.

Streben nach Macht war ihm immer fremd

Die Selbstwahrnehmung ist anders. Überall musste er geschoben und gedrängt werden. Schon als Gerüchte aufkamen, er würde Erzbischof von München, konnte er diese nicht ernst nehmen, "denn die Grenzen meiner Gesundheit waren ebenso bekannt wie meine Fremdheit gegenüber Aufgaben der Leitung und der Verwaltung". So sieht er sich.

Und so einer muss jetzt die Weltkirche führen. Es spricht für den Menschen Joseph Ratzinger, dass ihm Macht und Karriere immer fremd geblieben sind. Er ist weder der geborene Diplomat noch Politiker. Zum Gelehrten wusste er sich berufen. Dass er seine denkerische Brillanz ausgerechnet auf den höchsten Hierarchiestufen der katholischen Kirche zur Anwendung bringen sollte, führte zu jener Melange, die seinem Leben diesen ungewöhnlichen Reiz gibt.

So steht an der weltlichen Spitze der katholischen Kirche seit vier Jahren ein Theologe, der das Unfehlbarkeitsdogma gar nicht braucht, weil er säkularen Philosophen auch kraft seiner Argumente Paroli bieten kann. Er schreibt Bücher, die die Bestsellerlisten erklimmen, und Enzykliken, von denen die Feuilletonisten schwärmen. Was ihn auszeichnet, ist, dass er Komplexes einleuchtend und nachvollziehbar formulieren kann. Meistens. Weil er kein Diplomat und kein Taktierer ist, sagt er manches so gerade heraus, dass "die Welt" ihn nicht versteht.

Deshalb ist der jüngste Eklat um die Wiederaufnahme der Bischöfe der Pius-Bruderschaft in die katholische Kirche nicht nur ein Unglücksfall, sondern auch bezeichnend. Wer sich nicht brav in vorgegebene Schubladen fügt, eckt an. Ein Papst, der die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils begrüßt, das Verbot der tridentinischen Messe aber ablehnt, der steht eben quer zum "entweder-oder" der öffentlichen Meinung.

Vordenker haben eines an sich: Sie wirken unzeitgemäß

Weil der Gelehrte auf dem Petrusstuhl die (gewollte) Schlichtheit öffentlicher Debatten nicht nachvollziehen kann, wird er politisch immer wieder ungeschickt agieren. Er ist eben nicht Ochs oder Packesel. Eher ein Vordenker. Das heißt auch: unzeitgemäß. Glückwunsch, Kirche, die du einen so bedingungslosen Wahrheitssucher als Diener der Diener Gottes beschäftigst. Und danke, Benedikt, dass du diese Last mit 82 Jahren immer noch demütig trägst, obwohl du doch für einen Ochsen zu schwach und für einen Lastesel viel zu gescheit bist.

 

Joachim Rogosch (16.4.09)

 

Geburtstag ganz privat: So feierte Benedikt XVI. seinen 82.




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