Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ich bin enttäuscht

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Ich bin enttäuscht

Ich bin enttäuscht. Wieder einmal. Enttäuscht darüber, dass Benedikt XVI. erneut die Menschen nicht begeistern konnte. Enttäuscht, dass der Heilige Vater zum wiederholten Mal in die Kritik geraten ist. Enttäuscht, dass das Oberhaupt meiner Kirche bei seinem Israelbesuch einfach nicht die Wärme, die Herzlichkeit, die Emotionen ausgestrahlt hat, die wir uns alle so sehr wünschen.

Mit Spannung haben alle die Rede des Papstes in Jad Vaschem erwartet. Der deutsche Pontifex an der bekanntesten Holocaust-Gedenkstätte der Welt. Der ehemalige Hitlerjunge am Ort der Schande eines ganzen Volkes. Wir hatten alle auf eine bewegende, eine anrührende Rede gehofft. Warum eigentlich?

Vier Jahre lang sitzt nun Joseph Ratzinger aus Marktl auf dem Stuhl Petri. Er wollte nie Oberhaupt der katholischen Kirche werden, sondern viel lieber Hüter des reinen Glaubens sein und Verfasser theologischer Bücher. Schon seine ersten Worte als Papst haben darauf hingewiesen: „Ich bin ein demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn.“ Ein demütiger Arbeiter ist kein Obama des Glaubens, sondern ein Mann, der den Boden für das Evangelium mit Mühe, Geduld und Hartnäckigkeit bereitet. Wieder bereitet. Keiner, der wegweisende Gesten, sondern lieber die wichtigen Grundsätze pflegt. Das führt dazu, dass der Ratzinger-Papst das Evangelium in seiner Botschaft verdichtet. Ihm gelingt es wie wenigen, die Botschaft Jesu Christi auf das Wesentliche hin zu fassen und zu maximieren. Nur: In Jad Vaschem interessiert das keinen. An dem Ort, der für den Mord an mehr als sechs Millionen Juden steht, helfen theologische Feinheiten nicht. Die Menschen wollen Gefühle, sie gieren nach Emotionen. Und das hat ihnen Benedikt XVI. nicht gegeben. Aber warum?

Benedikt XVI bleibt sich treu. Er bleibt seiner Botschaft treu

Weil der Mann Benedikt XVI. und nicht Johannes Paul II. ist. Der Papst aus Polen hat uns alle beeindruckt mit seinen Worten, Reisen und seinem Sterben. Wir hatten das Gefühl, da verkörpert und lebt einer das, was er predigt. Das Gefühl haben die meisten bei Benedikt XVI. nicht.

Aber: Da ist einer, der sich treu bleibt. Der Papst aus Bayern hat ständig vor einer Oberflächlichkeit der Gesellschaft gewarnt. Die Prinzipien unserer Mediengesellschaft lehnt er ab und er verweigert sich ihnen konsequent. Seine Frage war stets: „Was bleibt?“ Nicht: „Wie kommt es an?“

Benedikt XVI. hat immer gegen eine Relativierung der Werte gekämpft. Er will, dass das Christentum Orientierung bietet und in einer sich ständig verändernden Welt ein Garant dafür ist, dass fundamentale Werte nicht in Vergessenheit geraten. Wo das Evangelium unbeirrt gelebt wird, da ist Gott, und da geht es dem Menschen gut – das ist seine Botschaft. Und dieser Botschaft bleibt er treu. Mindestens genauso treu, wie Johannes Paul II. seiner geblieben ist. Das Problem besteht darin, dass Botschaft und Bote für uns unbequem sind. Wir sind es, die mit Benedikt XVI. nur schwer zurechtkommen, nicht umgekehrt.

Dieser Papst ist wichtig und wertvoll

Es sind Fehler geschehen, die muss man diesem Papst ankreiden. Es gab Missverständnisse, die scharf kritisiert werden dürfen. Aber was wir nicht können: diesen Papst dafür rügen, dass es sich nicht nach unserem Geschmack richtet und unseren Vorstellungen anpasst. Eine mahnende Kirche, und das ist immer eines der zentralen Anforderungsprofile gewesen, muss unbequem sein.

Wenn ich deshalb ehrlich bin: Mein Verstand sagt mir, dass dieser Papst wichtig und wertvoll ist, weil er die nötige Grundlagenarbeit für das Christentum leistet. Ich weiß, dass wir froh sein können, einen Heiligen Vater zu haben, der das Evangelium unabhängig von Geschmack und Trend verkündet. Der Papst soll ein Felsen sein, der den Strömungen der Zeit widersteht. Benedikt XVI. ist so ein Felsen.

Und mein Gefühl sagt mir: Ich bin enttäuscht, dass Benedikt XVI. Benedikt XVI. ist.

Simon Biallowons (12.5.09)




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Die Kommentare der Liborius-User:


von GH

am Dienstag, 12. Mai 2009

Das ist ein grundsätzlich fairer Kommentar. Allerdings sollte man präzisieren: Es gibt eine theologische und eine politische Rolle des Papstes. Und die Frage bleibt: Kann sich der Papst letzterer (auch mit Verweis auf erstere) entziehen? Die Botschaft des Evangeliums, die Botschaft des Christentums (Paulus) ist auch eine von überzeugender, durchaus persuasiver Kommunikation. Andernfalls stünde die Kirche nicht dort, wo sie heute (immer noch) steht. Der Papst muss sich gerade diesem Auftrag stellen - auch in politischer Hinsicht.

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von Oh je!

am Dienstag, 12. Mai 2009

Ich bin auch enttäuscht.

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