Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Ihr Kinderlein kommet

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glaubenslust – Der Tag


Ihr Kinderlein kommet

Dodenhof bietet auf 100.000 Quadratmetern alles: Betten, Obi, Benzin, McDonald’s, Flachbildschirme, den ganzen Shopping-Horror einer „Weihnachtswelt“ unserer Zeit. „Himmlisch“, wie die Werbestrategen etwas vollmundig versprechen. Oder kurz: „Alles, was das Leben schöner macht.“  

Stimmt. Denn in dem Einkaufszentrum gibt es nicht nur Akku-Schrauber und Dolby-Surround-Sound-Systeme, sondern auch eine kirchliche „Wiedereintrittsstelle“. Dodenhof-Kunden können also nicht nur dem Family-Club der Möbelabteilung beitreten, sondern auch der evangelischen Landeskirche. Ein Sofortservice für Ausgetretene. Bei Ungetauften dauert es etwas länger.

Ganz neu ist die Idee ja nicht, als Kirche „zu den Menschen“ zu gehen. Und die treiben sich im Advent nun mal überwiegend nicht zum Meditieren in Wäldern oder zu Großmütterbesuchen in Altersheimen herum, sondern in Kommerz-Erlebniswelten und Shopping-Malls. Den Kirchenstand im Dodenhof gibt es in diesem Jahr schon zum vierten Mal, und zuvor gab es eine ähnliche Aktion bereits in einem Athener Einkaufszentrum. Dort hat einst Paulus – der mit den Briefen – alle möglichen Leute beim Marktgang angesprochen und ihnen von Jesus erzählt.

Den Paulus haben sie ausgelacht damals

Schon damals waren die Eintrittszahlen nicht berauschend. Es standen einfach zu viele andere Attraktionen herum, was Griechen wie Norddeutsche leicht von der christlichen Botschaft ablenken kann. Und doch: 17 Männer und Frauen wurden im Dodenhof bereits für die Kirche gewonnen, und bis Weihnachten soll „die 20er-Marke geknackt werden“, kündigt Pastorin Constanze Ulbrich mutig an.

Man muss eben Visionen haben. Den Paulus haben sie ausgelacht damals mit seinem Jesus und der Auferstehung. Und prompt war das Christentum 300 Jahre später Staatsreligion. Wenn in jedem Einkaufszentrum Deutschlands, in allen Outlet-Citys und Möbel-Worlds zwei oder drei Pastoren und Kapläne, Kirchengemeinderäte oder Bischöfe oder einfach nur Christen stünden und den Leuten verrieten, was das Leben wirklich schöner macht, wer weiß? Vielleicht würden wir dann in wenigen Jahren oder Jahrzehnten nicht mehr kollektiv auf den Konsumklima-Index starren, wenn es um unsere Zukunft geht. Stattdessen wären die Menschen im Dodenhof überwältigt vom bezaubernden Glanz des Weihnachtsfests. Des richtigen, mit dem Kind in der Krippe. Himmlisch.

Joachim Rogosch




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Die Kommentare der Liborius-User:


von david-ho zehnter@gmx.de

am Mittwoch, 17. Dezember 2008

Warum nicht? Das Leben ist tatsächlich mit Kirche schöner, schon wegen der Feste des Lebens: Ostern, Weihnachten, Pfingsten ... Ohne Kirche wären wir ärmer.
Die Idee, den Eintritt in die Kirche auch auf dem Markt anzubieten, finde ich gut, auch wenns ungewohnt ist.
Aber die Menschen sehen heute auch die andere Seite, gerade bei unserer Römischen Kirche z. B. keine Frau kann Diakonin, Priesterin und Bischöfin werden wegen der einseitigen Alte Männerwirtschaft in der Leitung, von dieser nehmen heute gerade junge gebildete Frauen Abstand; es fehlt eben das Menschenrecht der Gleichberechtigung von Frau und Mann. Dann das Zölibatszwangsgesetz von Papst Gregor VII. aus dem Mittelalter, da werden heute noch jährlich tausende junge Menschen am Priesterberuf gehindert. Die starre Haltung vieler Bischöfe (Meisner, Müller, Mixa, Marx usw. die eher Klerikalbeamte ohne Visionen sind als Partner der normalen Menschen. Und schließlich die Seltenheit des katholischen Priesters in der Öffentlichkeit, der schon zu einer Art theologischer Schneemensch mutiert ist.
Es ist die Römische Mauer, die den Zugang zu unserer Kirche sogar den Gläubigen versperrt. Gott, Jesus Christus, die Heiligen, die Schönheit von Kirche JA. Aber ihre starren rückwärts gewandten Wächter, einschließlich OktoPUs Dei - keine Reklame für den Glauben? Gute Nacht, Herr Benedikt!
Trotzdem: Die Römischen Mauern werden fallen.
Frohe Weihnachten, denn Jesus bringts! David *

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