Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: In Afghanistan herrscht kein Krieg

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


In Afghanistan herrscht kein Krieg

Der Sarg wird von Soldaten in die Kirche getragen. Bundesverteidigungsminister Jung hält die Trauerrede. Die Zeitungen berichten von einer afghanischen Frau und ihren Kindern, die von deutschen Soldaten getötet wurden.
 
Das sind die Bilder und Nachrichten, die uns nach dem Urlaub zu Hause erwarteten und erschreckten. Die afghanische Mutter und ihre Kinder gehören zu den unzähligen zivilen Opfern am Hindukusch. Der deutsche Soldat, der diese Woche beerdigt wurde, ist der 28. deutsche Bundeswehrsoldat, der in Afghanistan ums Leben gekommen ist. Oder müsste man sagen „gefallen ist“, wie der Chef des Bundeswehrverbandes Bernhard Gertz fordert?
 
Laut Gertz „befinden wir uns in einem Krieg“. Nein, Krieg herrsche nicht in Afghanistan, beharrt dagegen Verteidigungsminister Jung. Für die Bundesregierung ist der Afghanistan-Einsatz ein „Krisenszenario mit Kampfeinsatz“.

Wo beginnt Krieg? Bei tausend Toten oder erst wenn Bomben auf uns fallen? 

Krieg oder kein Krieg? Diese Frage ist mehr als reine Wortklauberei. Wenn im Oktober im Bundestag über die Verlängerung des Afghanistaneinsatzes entschieden wird, muss klar sein, worum es geht. Unsere Soldaten sollen wissen, was sie erwartet, und auch wir hier in der Heimat müssen es wissen. Ein Krieg hat andere Auswirkungen als ein Hilfseinsatz. Nicht nur die Toten und Verletzten sind zu ertragen, sondern es werden auch junge Menschen zurückkehren, die von Erlebnissen geprägt sind, die außerhalb des zivilen Lebens stattfanden. Die Gewalt und Auswüchse kennengelernt haben. Man denke nur an die Bilder von jungen Männern, die mit Knochen spielen!
 
Doch um das gefürchtete Wort windet sich Verteidigungsminister Jung bei seinem Besuch am Hindukusch. Bei Krieg dächten die Deutschen an den Zweiten Weltkrieg.

In Afghanistan werden deutsche Soldaten getötet, und deutsche Soldaten töten 

So gesehen hat der Herr Minister wohl recht. Aber wo beginnt Krieg? Bei tausend Toten, bei Millionen, erst wenn Bomben auf uns fallen? Der Krieg hat viele Gesichter, nicht nur das, das wir aus der Geschichte kennen. Tatsache ist: In Afghanistan werden deutsche Soldaten getötet, und deutsche Soldaten töten. Ganz abgesehen davon, dass deutsche Flugzeuge einen großen Teil der Truppen und des Materials transportieren.
 
Am Hindukusch herrscht Krieg. Und Deutschland ist mittendrin. An diesem Wort und an dieser Wahrheit führt kein Weg vorbei – ob man nun für oder gegen den Afghanistan-Einsatz ist! Klarheit dient der Diskussion. Nicht aber Zynismus der geschmacklosesten Art, wie das Plakat der Deutschen Friedensgesellschaft, das den Tod eines Bundeswehrsoldaten als richtigen Schritt zur Abrüstung feiert: „Wieder einer weniger“.
 
Rosina Wälischmiller




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