Pater Wolfgang Schonecke war mehr als 30 Jahre für die Afrikamissionare (Weiße Väter) unter anderem in Uganda und Kenia tätig. Heute leitet er das Berliner Büro des „Netzwerkes Afrika Deutschland“ (NAD). Im Interview erklärt er, welche Hoffnungen mit dem Papstbesuch in Afrika verbunden in und welche Chance die Kirche auf dem Schwarzen Kontinent hat
glaubenslust.de: Herr Schonecke, was erwarten Afrikaner vom Besuch durch Papst Benedikt XVI.?
P. Schonecke: Bisher hat sich der Papst vor allem mit europäischen Themen auseinandergesetzt. Ich habe von vielen Afrikanern gehört: Wann er kommt er denn endlich zu uns? Jetzt werden sie sagen: Er hat uns nicht vergessen.
?: Wie lebendig ist denn die Kirche in Afrika?
!: Sehr! Die verbreitete These war ja: das Christentum wird mit dem Kolonialismus verschwinden. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Nie zuvor in der Kirchengeschichte hat es ein derartiges Wachstum gegeben wie in Afrika in den fünfzig Jahren seit der Unabhängigkeit.
?: Neben den vielen Kriegen und Krankheiten – welche Herausforderungen muss die Kirche bewältigen?
!: Die afrikanische Kirche ist durch einen starken Klerikalismus geprägt. Das hat mit dem traditionellen Chef-Denken zu tun, schadet aber der Kirche. Viele junge Leute wenden sich den aufstrebenden Pfingstgemeinden zu, weil sie sich dort aktiver in einen lebendigen Gottesdienst einbringen können und zu mehr Verantwortung herausgefordert werden.
?: Verlieren Sie bei den vielen schlechten Nachrichten nicht allmählich die Hoffnung?
!: Nein, ich bin sogar recht zuversichtlich. In den letzten Jahren hat es riesige Entwicklungssprünge gegeben. Als ich nach 20 Jahren meine erste Pfarrei in Uganda wiedersah, habe ich sie kaum wiedererkannt. Aus dem Dorf war eine moderne Kleinstadt geworden. Bedrohlich ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht.
?: Wie zeigt sich die Modernisierung im Alltag der Menschen?
!: In jedem größeren Dorf findet man heute ein Internet-Café. Noch die älteste Oma zieht aus ihrer löchrigen Schürze ein Handy, um mit dem Enkel in Kampala oder London zu telefonieren. Diese Kommunikationsrevolution setzt ein großes Potenzial frei. Was fehlt, sind vernünftige Politiker, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet wissen. Aber ich glaube, dass sich eine neue Generation durchsetzen wird.
Christian Selbherr
Der Autor ist Redakteur beim missio Magazin, der Zeitschrift des katholischen Hilfswerkes missio in München