Priester kann man nicht ohne die Kirche verstehen. Die Kirche wiederum nicht ohne ihren Auftrag von Gott. Der Auftrag der Kirche ist die beständige Erinnerung: In Jesu Tod und Auferstehung hat Gott begonnen, mit seiner Welt an ein unwiderruflich gutes Ende zu kommen. Die Kirche verkündigt, dass das, was Gott in Jesus einem von uns getan hat, Maß für die Vollendung aller ist. Durch Gott und auf ihn hin ist alles geschaffen. Alle Menschen sind geschaffen, in den auferstandenen Christus hineinzuwachsen – gleich, aus welcher Kultur sie stammen oder welche Biografie sie haben. Das gilt für Buddhisten und Atheisten, spirituell Suchende und Christen.
Inmitten dieser bunten Vielfalt ist es die Mission der Kirche, Licht und Salz (Mt 5,32f.) zu sein. Sie lebt schon wie nach der Auferstehung als Teil des österlichen Leibes Christi. Und sie begleitet die Menschen, damit sie in Richtung der Vollendung in Christus ausreifen können.
Benötigt werden künftig zwei Arten von Priestern
Dieser Auftrag der Kirche geschieht heute lokal und zugleich regional. In Zukunft muss er eine mobile und eine stabile Seite haben: Es braucht Kirchenleute, die missionarisch unterwegs sind zu den Menschen, apostolische Existenzen. Ordiniert die Kirche solche Mitglieder, werden sie von Amts wegen missionarisch. Ihre Aufgabe ist es, jene Menschen aufzuspüren, die eine gottgegebene Kirchenberufung in sich tragen, damit sie diese erkennen, annehmen und sich in eine konkrete gläubige Einheit eingliedern lassen. Solche Priester brauchen eine hervorragende Ausbildung in der Kenntnis der Freuden und Nöte der Menschen, ihrer Sehnsucht nach dem Wahren und Guten, die eine Gabe Gottes ist. Sie benötigen eine hohe Empathie für die spirituellen Wege und Umwege, die die Menschen einschlagen. Es braucht dann eine sprachliche Kompetenz, um das Leben zu deuten und dessen innere Ausrichtung auf die gemeinsame Vollendung im kosmischen Christus auszulegen.
Mobile Priester: gebildet, missionarisch, ehelos
In diesen lokalen Gemeinschaften sind die vielfältigen Begabungen zu heben. Ehrenamtliche Dienste bilden sich für die Belange einer gläubigen Gemeinschaft: Dienste am Wort, in der Liturgie, an der Gemeinschaft und ihrem Gedeihen. Eine Zeit lang werden die missionarischen Priester mit solchen Gemeinden leben. Sind diese dann in der Lage, für sich selbst zu sorgen, werden sie weiterziehen und weitere Gemeinden gründen.