Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Jubel für "Papa Bento" – Kritik an Benedikt

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag

 

Jubel für "Papa Bento" – Kritik an Benedikt

Die Anti-Papst-Wogen im (kirchen-)krisengeschüttelten Deutschland hatten sich gerade wieder gelegt. Benedikt XVI. hatte in einem Schreiben an die Bischöfe rund um die Wiedereingliederung des Holocaust-Leugners Richard Williamson Pannen eingeräumt und mit sehr persönlichen Worten Sympathiepunkte gesammelt. Dann brach er am 17. März zu seiner sechstägigen Afrika-Reise auf – und über ihn brach die nächste Welle der Entrüstung herein. Der Grund: Benedikt XVI. sprach sich gleich zu Beginn gegen den Einsatz von Kondomen im Kampf gegen Aids aus. Diese könnten die Problematik gar noch verschlimmern, so der Papst.

Was eigentlich seit jeher die Linie des Vatikans ist, traf in Europa auf solche Empörung, dass etwa das Boulevardblatt "Le Parisien" aus einer Umfrage den Schluss zog, die Franzosen "lieben den Papst nicht mehr". Ist er wirklich so weltfremd? Oder wurde er nur wieder einmal missverstanden?

Schützenhilfe von der Wissenschaft

Vielleicht wäre die Empörung nicht ganz so heftig gewesen, hätte Benedikt XVI. in seinen Bemerkungen das Zauberwort "Wissenschaft" fallenlassen. Tatsächlich liefert sie die Begründung für seine Linie. Edward Green, ein führender Aids-Forscher aus Harvard, gab gegenüber der katholischen US-Nachrichtenagentur CNA dem Papst sofort Schützenhilfe: Es sei – entgegen der weit verbreiteten Meinung - wissenschaftlich gar kein Zusammenhang nachweisbar zwischen einer höheren Komdomverbreitung und einer niedrigeren HIV-Infektionsrate: "Theoretisch sollten Kondome funktionieren, und theoretisch sollte ein bestimmter Kondomgebrauch besser sein als kein Kondomgebrauch. Aber das ist die Theorie." Nicht nur, dass Kondome nicht die Lösung des Aids-Problems brächten. Sie könnten es sogar noch verschärfen.


Frenetischer Jubel in bitterarmen Ländern  

Der kalte Wind aus Europa aber blieb, in Afrika dagegen wurde Benedikt mit "überschwänglicher Herzlichkeit", wie er es selbst beschrieb, empfangen. Vor einer Million Gläubigen feierte er am Wochenende in der angolanischen Hauptstadt Luanda eine Messe, bei der die Massen an jugendlichen Anhängern ihrem "Papa Bento" frenetisch zujubelten. Die Feier wurde zu einem ausgelassenen, lauten religiösen Volksfest mit schier endlosen Stammestänzen und -gesängen. Überschattet wurde das Großereignis allerdings vom Tod zweier Mädchen, die im Gedränge ums Leben kamen.

Vor Angola hatte Benedikt XVI. Kamerun bereist – beide Länder verdeutlichen beispielhaft die großen Probleme des schwarzen Kontinents und gehören zu den ärmsten der Erde. Besonders dramatisch ist die Situation in dem von einem 27 Jahre währenden Bürgerkrieg gezeichneten Angola.

Der Papst ermutigte die Afrikaner, mit Vertrauen und Mut eine Zukunft ohne Kriege aufzubauen. Niemals solle "die Gewalt vor dem Dialog stehen, die Angst und die Entmutigung vor dem Vertrauen, der Groll vor der brüderlichen Liebe". Zum Abschied rief er dazu auf, die grundlegenden Bedürfnisse der ärmsten Menschen zu erfüllen. Dies müsse die Hauptsorge all derer sein, die öffentliche Ämter bekleiden. "Unser Herz kann keinen Frieden finden, solange es Brüder gibt, die unter Nahrungsmangel leiden, denen Arbeit, ein Dach über dem Kopf oder andere grundlegende Dinge fehlen."




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