Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Käßmann erobert die Schlagzeilen

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Käßmann erobert die Schlagzeilen

Ökumenischer Kirchentag in München, Foto: istock


Der ÖKT an Christi Himmelfahrt

Nach den Gottesdiensten zu Christi Himmelfahrt standen an diesem Vormittag Bibelarbeiten auf dem Programm. Umjubelter Star des ersten Vormittags war Margot Käßmann, die ehemalige Ratsvorsitzende der EKD. Lesen Sie hier die Nachrichten zum 1. ÖKT-Tag in München

 

Foto: dpa
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13. Mai 2010 – 6.000 feiern Käßmann bei Bibelarbeit: „Es gibt eine zweite Chance“

Schon vor dem ersten Wort bekommt sie Ovationen: Margot Käßmann ist zehn Minuten vor Beginn ihrer Bibelarbeit auf die Bühne gekommen – schon stehen mehr als 6.000 Zuhörer auf und überschütten die ehemalige Ratsvorsitzende der EKD mit Beifall. Von „einem besonderen Moment für uns alle“, spricht Kirchentagspräsident Eckhard Nagel bei seiner Begrüßung – wieder Jubel. Der erste große Auftritt vom Margot Käßmann nach Alkoholfahrt und Rücktritt wird zum Triumph, die Halle ist überfüllt, dutzende Kameraleute ringen um die besten Plätze. Käßmann selbst bleibt bei all dem betont sachlich: „Danke, das tut mir gut“, antwortet sie knapp auf die Begrüßung – und widmet sich ihrem Text, der Erzählung von Gottes Bund mit Noah nach dem Ende der Sintflut. 

Bei ihrer Auslegung schimmert immer wieder persönliche Erfahrung durch: „Was, wenn dein ganzes bisheriges Leben unterzugehen scheint, weil eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert wird. Weil der Ehepartner dich verlässt. Das sind Untergangserfahrungen, in denen wir uns fragen, wie Gott erretten kann. Ob es einen neuen Anfang geben kann.“ Käßmanns Antwort: So wie Gott mit Noah und der Welt neu anfängt und als Zeichen dafür den Regenbogen in die Wolken setzt, so gelte auch heute: „Ja, es gibt eine zweite Chance.“ Und weiter, mit Blick auf Alkoholfahrt und Rücktritt: „Wir kennen als Christinnen und Christen keinen Gott, der nur das Perfekte gelten lässt und alles andere verachtet.“ 

Es ist wohl die Verbindung von biblischem Zeugnis und persönlicher Lebenserfahrung, die die anhaltende Begeisterung für Margot Käßmann ausmacht: „Es ist doch kaum einer hier in der Halle, der nicht selbst Erfahrungen von Sintflut mitbringt wie Krankheit, Scheidung oder den Verlust des Arbeitsplatzes“, meint Manuela Kasper, die aus Bergkamen zum Kirchentag gekommen ist. „Margot Käßmann zeigt uns einen glaubwürdigen Weg, den Glauben trotz solcher Erfahrungen nicht zu verlieren.“

Weiterlesen: Käßmann bezeichnet die Pille beim ÖKT als "Geschenk Gottes"

13. Mai 2010 – Steinmeier: Wirtschaft muss umkehren

Die SPD drängt nach den Worten des Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier auf die Einrichtung einer Enquete-Kommission im Bundestag zum Thema „Ein neuer Fortschrittsbegriff“. Die bisherige Art des Wirtschaftens sei an ein Ende gekommen. „Ein neues Denken ist erforderlich“, so der frühere Außenminister am Donnerstag auf einem Podium des Kirchentags zur aktuellen Wirtschaftskrise. Unter dem Titel „Ist nach Krise vor der Krise“ diskutierten mit ihm Sven Giegold, Grüner Europaabgeordneter, und der Wiener Politikwissenschaftler Ulrich Brand. Über 3.000 Kirchentagsbesucher interessierten sich für die Thematik. Ursprünglich war SPD-Chef Sigmar Gabriel für die Debatte vorgesehen, für ihn kam Steinmeier. 

Steinmeier gab sich im Rückblick auf die rot-grüne Regierungszeit auch selbstkritisch. „Ich habe nie behauptet, immer nur richtige Entscheidungen getroffen zu haben“, sagte der frühere Kanzleramtschef. Es sei der Traum geplatzt, dass immer weitere Liberalisierung auch immer mehr Wohlstand bringe. „Andererseits haben wir lange gut gelebt von dem billigen Geld auf den Märkten, es hat höhere Gewinne und sichere Arbeitsplätze gebracht.“ Giegold zog eine noch schärfere Bilanz. „Rot-Gün hat massive soziale Ungleichheit gebracht“, erklärte er. Vor allem habe die Schröder-Regierung eine falsche „Deregulierung der Finanzmärkte“ ermöglicht. Der Bazillus des Neoliberalismus habe seinerzeit auch SPD und Grüne infiziert, so der prominente Globalisierungskritiker, der zu den Mitgründern von ATTAC gehört.

Der Wirtschaftswissenschaftler Brand warnte vor einem „Wachstumsfetisch“, der Wirtschaft und Politik beherrsche. Vielmehr müsse diese Art des Kapitalismus überwunden werden. Europa müsse ein solidarisches Wirtschaftssystem entwickeln, das nicht allein auf Lohnarbeit und einer „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ fuße. Vom Publikum gab dafür kräftig Applaus.

Steinmeier warnte davor, die aktuelle Krise zu leicht zu nehmen. „Wir erleben derzeit keine der üblichen konjunkturellen Dellen, sondern der ganze Organismus ist in Frage gestellt.“ Er appellierte an die Wirtschaft, sie müsse sich ändern und „umkehren“. Der Mehrwert, den die Wirtschaft erarbeite, müsse auch bei der Lebensqualität der Menschen ankommen. Steinmeier kündigte darüber hinaus in München eine neue Initiative zur Einführung einer Finanzmarkt-Transaktionssteuer an. „Wenn wir die Bundesregierung nicht überzeugen, werden wir selbst einen Vorschlag einbringen“, erklärte der SPD-Politiker auf dem Podium.

 

Reinhard Marx, Erzbischof von München, schreibt auf Liborius.de über Ökumene. Klicken Sie auf das Bild!

13. Mai 2010 – Göttliche Liturgie zum Himmelfahrtstag

Mit mehreren Gottesdiensten ist der Ökumenische Kirchentag am Donnerstag in München fortgesetzt worden. Religiöser Höhepunkt war eine zentrale ökumenische Feier zu Christi Himmelfahrt auf dem Odeonsplatz in der Innenstadt, an der nach Veranstalterangaben rund 10.000 Menschen teilnahmen. Sie stand unter dem Motto "Hier berühren sich Himmel und Erde". Zuvor hatten Katholiken, Protestanten und Orthodoxe getrennt nach Konfessionen Gottesdienste gefeiert.

Den Auftakt bildeten um 8.30 Uhr eine katholische Messe in der Frauenkirche und ein evangelischer Gottesdienst in der Markuskirche. Die Orthodoxen feierten in der vollbesetzten Salvatorkirche eine „Göttliche Liturgie“ in deutscher und griechischer Sprache. Dabei riefen der griechisch-orthodoxe Bischof Vasilios (Stuttgart) und Archimandrit Peter Klitsch (München) die Kirchen zur Einheit auf.

In der überfüllten Frauenkirche ermunterte Erzbischof Marx die Gesellschaft zu einer Neuausrichtung auf christliche Werte. Die Gesellschaft brauche ein neues Koordinatensystem, das auf Christus ausgerichtet sei. Auch die Kirche benötige diese Neuausrichtung, sagte er mit Blick auf den Missbrauchsskandal. An dem Gottesdienst nahmen etwa 20 katholische Bischöfe teil, darunter der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst.

Einen offenen und geradlinigen Umgang mit den eigenen Fehlern wünschte sich der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich von den Christen und von seiner Kirche. Es schaffe Glaubwürdigkeit für die Botschaft Jesu Christi, wenn wir „unser ganzes Leben so gestalten, dass es von der Erwartung auf Jesu Wiederkunft zeugt“, sagte er in der überfüllten Markuskirche. „Nicht klein reden, vertuschen, unter den Teppich kehren, sondern benennen und bekennen und daraus Konsequenzen ziehen“, so Friedrich. Dabei gehe es nicht darum, verkrampft zu versuchen, ein besseres Leben zu führen, sondern auf die Kraft Gottes zu setzen.

Im Anschluss an die Gottesdienste zogen die Teilnehmer bei Nieselregel in Prozessionen zur zentralen Ökumenischen Feier, die von den Bischöfen Friedrich, Vasilios und Marx geleitet wurde.

 

 




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Sam

am Sonntag, 16. Mai 2010

Hinwendung zu Gott, Gebet und Einkehr sollte ein Kirchentag bringen. In Teilen hat sich das bestimmt auch so dargestellt. Soweit so gut.
Nicht übersehen werden darf aber auch, dass das Böse,der Teufel auf und um den Kirchentag herum ein ganz persönliches Fest gefeiert hat.
Provokation im Dom, Peniskreuz und zahlreiche Irrlehren werden ihn ebenso gefreut haben, wie die Sprachlosigkeit vieler kath. Hirten.
Dass es kaum noch einen katholischen Hirten gibt, der
mutig genug ist, gegen den Zeitgeist die Existenz des Teufels zu bejahen ist für den Teufel ein klarer
Sieg. Die kath. Hirten lassen sich in die Ecke
"Schmuddelkind" wegen der Mißbrauchsvorfälle drängen und vergessen den kath. Glauben offensiv, glaubhaft und klar zu verkünden.
Kennen sie eine kath. theologische Kernforderung, die auf dem Kirchetag formuliert wurde?
Gegen die kath. Kirche wurde sehr viel gesagt und geschrieben. Dafür fehlt hier der Platz.
Der Papst ist da wirklich ein unglaublich wichtiger Mahner in der Wüste. Man kann ihm nicht genug danken und für ihn beten. Er hat sehr klar erklärt, dass die kath. Kirche nicht von aussen, sondern von innen bedroht ist.
Frau Käßmann sei der Beifall gegönnt. Sie ist schließlich nur bei rot, betrunken über eine Ampel gefahren und rechtzeitig zurück getreten.
Wer ohne Sünde, der werfe den ersten Stein.
Reicht das aber heute schon zum Superstar?

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von Timo Ziesche

am Samstag, 15. Mai 2010

Sehr richtig!

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von Timo Ziesche

am Samstag, 15. Mai 2010

Sehr gut!

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von Jette

am Freitag, 14. Mai 2010

Als ehemalige Bischöfin kennt sich Frau Käßmann ja ganz sicher mit der Haltung der Katholischen Kirche zur Pille aus. Dass eine der vielen schwerwiegenden Nebenwirkungen der Brustkrebs ist, unter dem Frau Käßmann doch selbst gelitten hat, scheint ihr nicht erwähnenswert zu sein.
Meinetwegen soll sie sagen, was sie von der Pille hält, dass sie aber in einer katholischen Kirche die Pille ein Geschenk Gottes nennt, ist mehr als geschmacklos.
Sind nicht vielmehr Kinder ein geschenk Gottes ?
Frau Käßmann hat jedenfalls eine seltsame Auffassung von Ökumene!

Was würde geschehen, wenn ein Katholik sich in einer evangelischen Kirche gegen Frauen als Pfarrerinnen oder Bischöfinne äußern würde unter Berufung auf den Hl. Paulus: Das Weib schweige in der Gemeinde !

Ich bin schon sehr gespannt, ob von offizieller katholischer Seite eine Reaktion erfolgen wird.

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