Benedikt XVI. ist nach Einschätzung italienischer Vatikan-Journalisten systematischen Attacken internationaler Medien ausgesetzt. Es bestünden «negative Vorurteile» gegenüber allem, was der Papst tue oder sage, schreiben Andrea Tornielli und Paolo Rodari in ihrem am Mittwoch erschienenen Buch «Attacco a Ratzinger» (Angriff auf Ratzinger).
Rom (KNA) – Die Botschaft und die Initiativen des Papstes würden dadurch an den Rand gedrängt. Ein Komplott oder eine einheitliche Regie stehe zwar nicht dahinter, meinen die Autoren. Allerdings gebe es durchaus gemeinsame Interessen von Gruppen oder Strömungen, die den Papst diskreditieren und die moralische Autorität der Kirche schwächen wollten.
Tornielli von «Il Giornale» und Rodari von «Il Foglio» analysieren in dem 315 Seiten umfassenden Buch die großen Diskussions- und Streitthemen des Pontifikats. Sie beginnen mit dem Regensburger Vortrag und den «politisch unkorrekten» Mohammed-Zitaten, beleuchten Ernennung und Rücktritt des Warschauer Erzbischofs Stanislaw Wielgus und das Dekret zur breiteren Zulassung des außerordentlichen Messritus.
Sie gehen der Teil-Rehabilitierung der Traditionalisten-Bischöfe und dem Fall des Holocaustleugners Richard Williamson nach. Ausführlich befassen sie sich mit dem seit Jahresbeginn neu entbrannten Pädophilieskandal. Auffallend sei, dass Attacken gegen den Papst oft nach wichtigen vatikanischen Entscheidungen anfingen, so die Autoren. Der Missbrauchsskandal etwa sei wenige Wochen nach der Zuerkennung des heroischen Tugendgrades für den Weltkriegspapst Pius XII. neu entbrannt.
Vorwürfe und Attacken gegen den Papst hätten sich vervielfacht, schreiben Tornielli und Rodari im Vorwort. Mal werfe man dem Kirchenoberhaupt unklare Ausdrucksweisen vor, mal Fehler in der Kommunikation. Mal beanstande man, dass Benedikt XVI. die Kurie ungenügend koordiniere oder ungeeignete Mitarbeiter um sich schare.
Eine weitere These der Autoren: Der Papst verfüge über gute, enge und loyale Mitarbeiter. Aber wenn es heikel werde, bleibe Benedikt XVI. oft «objektiv allein». Es gebe keine Mannschaft, die dafür sorgte, dass bestimmte Probleme nicht entstehen, oder die über effiziente Reaktionen nachdenke. Die Angriffe kämen meist von außen, mitunter aber auch aus der Kirche selbst. Ungewollt würden sie dann auch durch ein unzureichendes Krisenmanagement gefördert.
KNA (26. August 2010)