Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Kinder philosophieren über Geld

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Kinder philosophieren über Geld

Ökumenischer Kirchentag in München, Foto: istock


Geld, Macht und die kranke Oma

Im Haus der sozialen Marktwirtschaft trafen zum Ökumenischen Kirchentag sieben Kinder zur Philosophenrunde zusammen. Was die Jüngsten in unserer Gesellschaft über Geld und Gerechtigkeit denken

 

Geld? Klar ist das für Jonathan ein Thema, immerhin hat er zuhause eine Spardose

Philosophieren – das ist wenn man ganz tief nachdenkt und dann seine Gedanken mit anderen teilt. Philosophieren, das konnten die Griechen vor 2000 Jahren schon. Und eigentlich ist es kinderleicht. Sagt zumindest Pädagogin Roswitha Wiesheu, Leiterin der Akademie „Kinder philosophieren“ im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft. Zum Ökumenischen Kirchentag hat sie sieben Mini-Philosophen in das Haus der sozialen Marktwirtschaft eingeladen. Philosophieren heißt hier, auf Kissen im Kreis sitzen, den anderen zuhören und den Finger heben, wenn man selbst etwas sagen will. Fast wie in der Schule. „Nur dass es hier kein richtig und falsch gibt“, sagt Roswitha Wiesheu. „Die Kinder sollen erfahren, dass sie sich ihre eigenen Gedanken machen und diese auch äußern dürfen.“

Im Haus der sozialen Marktwirtschaft geht es um Geld und um Gerechtigkeit. Die Kinder schließen die Augen, die Pädagogin gibt ihnen Münzen und Scheine in die Hand – und binnen Sekunden haben die kleinen Philosophen ertastet, was sie da in den Fingern halten: „Eine 20er-Münze“, ruft Benedikt (8) sofort. Vroni (5) freut sich, dass ihr Euro so schön gold und silbern glänzt, und Jonathan (4) wedelt stolz mit seinem Fünf-Euro-Schein. Geld – das kennen sie alle. Schließlich hat jeder von ihnen eine Spardose daheim.

Eines ist ganz klar: "Geld ist wichtig"

„Und wo kommt es her?“ fragt Roswitha Wiesheu. „Ich finde manchmal etwas auf dem Boden“, antwortet Lukas (5). Vroni bekommt es von ihrer Oma, und Jonathan ist sich ziemlich sicher, dass die Mama Münzen und Scheine vom Einkaufen mitbringt. „Nein“, sagt Benedikt. „Geld kommt aus dem Geldautomaten. Da steckt man eine Karte rein und dann kommt Geld raus.“ In einem Punkt allerdings sind sich die Kinder einig: Geld ist wichtig. Wer keines hat, kann sich nichts zu essen kaufen und wer nichts zu essen hat, der stirbt. Amaya (5) möchte deswegen später auch mal richtig viel verdienen. Jonathan auch. Ein Schloss würde er sich dann kaufen. Und Lucas würde in ein eigenes Fußballstadion investieren, damit er ganz alleine bestimmen kann, wer dort spielen darf. Denn wer Geld hat, hat auch Macht. Das hat der Fünfjährige bereits begriffen.


Und die, die kein Geld haben? „Was ist mit den Armen?“, fragt Roswitha Wiesheu. „Mit denen muss man sein Geld teilen“, meint Konstantin (5). „Ja genau“, stimmt Vroni zu. „Deswegen gehen wir ja auch in die Kirche. Da tun wir Geld in das Körbchen, damit wir es mit armen Menschen teilen können.“ Ein Körbchen gibt es in der Runde der Mini-Philosophen nicht. Aber die Pädagogin schlägt vor, alle Münzen und Scheine in der Mitte zusammen zu legen, damit geteilt werden kann. „Jeder kriegt dann gleich viel“, sagt Konstantin. „Das ist gerecht.“ Aber was ist mit Jonathan, der seinen Fünf-Euro-Schein nicht hergeben wollte? Soll der auch was kriegen? Und überhaupt: Eigentlich ist ja keiner von ihnen arm. Sollte man nicht lieber mit armen Menschen teilen? „Meine Oma, die ist arm dran, weil sie krank ist“, sagt Konstantin. Der könnte man das Geld geben. Oder doch nicht? Irgendwie ist Benedikt dagegen. Warum soll Konstantins Oma alles bekommen?

Eine Weile herrscht Schweigen in der Runde. Jonathan zerknittert den Geldschein in seiner Hand. Vroni legt sich auf den Bauch. Benedikt reibt sich nachdenklich die Nase. Das mit dem Geld und der Gerechtigkeit ist gar nicht so einfach. Und das mit dem Philosophieren auch nicht. Nach einer Stunde haben die sieben Kinder jedenfalls genug davon. Und Roswitha Wiesheu zieht zufrieden Bilanz: „Wir wollen, dass die Kinder moralische Urteilskraft entwickeln. Eine solche Diskussionsrunde gibt ihnen den Anstoß, über Dinge wie Gerechtigkeit oder Glück nachzudenken. Und irgendwann kommt jedes Kind von allein drauf, dass es ihm selbst gut geht, wenn es auch den anderen gut geht.“ Philosophieren, sagt sie, ist auch ein Stück Lebenskompetenz.

Claudia Dorner (15.5.2010)




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