Kreuzlose CSU
Am vergangenen Sonntag soll es in Bayern ein Erdbeben gegeben haben. Ausgelöst durch die Wahlschlappe der CSU. Ehrlich gesagt, ganz so schlimm war es nicht.
Mögen im Epizentrum in der Münchner Parteizentrale und im Landtag die Wände gewackelt haben, ein paar Kilometer weiter, draußen auf dem Land, war davon höchstens ein leises Grollen zu vernehmen. Die Bayern scheint es, sind weit weniger erschüttert als der Rest der Republik glaubt.
Sie haben ihrer Regierung eine "Watschn" gegeben, wenn auch eine ziemlich saftige, aber damit hat sich`s. Jetzt sind sie eher erleichtert. Zum einen, dass es vorbei ist, und zum anderen, dass sie es tatsächlich getan haben. Denn einfach war es für viele sicher nicht.
Schwergemacht hat die Entscheidung nicht zuletzt das "C" im Parteinamen. Es war über Generationen hinweg ein Garant dafür, dass man – jenseits aller politischen Erwägungen – sein Kreuz an der richtigen Stelle setzte. So war das im katholischen Bayern. Christsein bedeutete in erster Linie fromm sein. Fromm sein hieß – neben Kirchgang, Beichte, Beten – dass Kirche und Glaube über jede Kritik erhaben waren. Und damit auch alles, was als christlich daherkam, wie die CSU.
Die CSU hat übersehen, dass die Christen in Bayern mündig geworden sind
Lange hat die Partei davon ebenso profitiert wie von ihren zugegeben politischen und wirtschaftlichen Erfolgen. Aber sie ist dadurch auch selbstherrlich geworden, hat sich unangreifbar gefühlt und dabei übersehen, dass auch die Christen in Bayern mündig geworden sind. Sie verstehen ihren Glauben als Aufforderung, ihr Leben und die Gesellschaft zu gestalten. Dazu braucht es christliche Antworten auf Fragen, die sich heute und in Zukunft stellen.
Wo diese Antworten fehlen - sei es zum Thema Umwelt, Gerechtigkeit, Toleranz – bringt es auch keine Wählerstimmen, sich sonntags in der Kirche zu zeigen. Die Menschen wissen um Mogelpackungen, in denen nicht drin ist, was draufsteht.
Und sie haben registriert, dass die CSU die christlichen Werte nur noch dann betont, wenn es opportun ist, sonst aber heute das "C" eher verschämt mit sich schleppt. Auch in Bayern haben die Kirchen mit Problemen zu kämpfen. Und da will man natürlich nicht mithineingezogen werden, indem man sich zu sehr mit christlichen Werten identifiziert.
So hat das "C" seine Glaubwürdigkeit verloren und vielleicht nicht zuletzt deswegen die CSU die Wahl.
Rosina Wälischmiller