Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Küng und Lesch

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Küng und Lesch

Ökumenischer Kirchentag in München, Foto: istock


"Na klar glaube ich an Gott,
was sollte ich denn sonst tun?"

Auftakt zum ÖKT in München: Theologe Hans Küng und Astrophysiker Harald Lesch im Gespräch

Harald Lesch und Hans Küng waren sich in vielen Punkten einig

Es sind Tage der Hoffnung in bewegten Zeiten: Nach den erschütternden Schlagzeilen über sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen, nach wochenlangem Rätselraten, ob wirklich sein kann, was eigentlich nicht sein dürfte, und nach der bitteren Erkenntnis, dass Kirchenmänner große Schuld auf sich geladen haben, setzt der Ökumenische Kirchentag ein klares Zeichen: »Damit ihr Hoffnung habt« ist überall in München auf orangen Fahnen zu lesen. Und das Motto ist Programm: Es geht um existentielle Fragen der Christen heute und in Zukunft. Was dürfen wir hoffen? Wie plausibel ist die christliche Hoffnung mit Blick auf die modernen Naturwissenschaften? Was sind die Grundlagen eines hoffnungsfrohen Lebens? Dass dabei »Hoffnung« alles andere als billige Vertröstung meint, zeigen die Veranstaltungen des ersten Tages in München: Es geht um die zentrale Frage, was es konkret bedeutet, heute in der Nachfolge Christi zu leben. Darum wird in München engagiert gerungen, kontrovers diskutiert und gestritten.

Ein bemerkenswertes Gespräch zum Auftakt des Kirchentages zeigt, wie spannend diese Diskussion um Glaubensfragen sein kann: Da spricht der streitbare Theologe Hans Küng von seiner Überzeugung, dass der christliche Glaube letztlich das »Vertrauen ins Leben« begründe und gerade auch in Zeiten persönlicher Krisen tragfähig sei. Und er bekommt Zuspruch ausgerechnet von einem Naturwissenschaftler, der als Professor für Astrophysik an der LMU in München mit Methoden der Vernunft nach den Ursachen der Welt forscht: »Na klar glaube ich an Gott, was sollte ich denn sonst tun«, sagt Harald Lesch. Es sei eben gerade nicht die Aufgabe der Naturwissenschaft, »die Welt zu entzaubern«, sondern herauszufinden, »was die Welt ist«. Der Zweifel als »wissenschaftliche Methode« helfe ihm dabei, immer wieder zu überprüfen, wie die überlieferten Texte der Bibel zu interpretieren seien: »Mein Glaube muss meinem Wissen standhalten«, sagt der 49-jährige Protestant. Und er erntet großen Beifall der über 6.000 Zuhörer in der überfüllten Messehalle, als er die »Angst als bestimmendes Lebensgefühl« in unserer Gesellschaft beschreibt und hier die große Chance der Kirchen sieht: »Wir müssen uns wieder stärker mit der Lebenssituation der Menschen auseinandersetzen, mit ihren konkreten Fragen, Sorgen und Nöte«.

Auch Hans Küng plädiert dafür, aus christlicher Sicht wieder mehr die drängenden Fragen der Welt in den Blick zu nehmen: »Dann kommen uns die Probleme unserer Kirchen fast lächerlich vor.« Aber Küng versäumt es auch zum Auftakt des Kirchentages nicht, klare Kritik am Kurs seiner Kirche zu üben und Reformen zu fordern: »Wir sind heute in der ganz schlimmen Situation, dass das römische System morsch geworden ist und dass es so nicht weiter geht.« Er wünsche sich, dass die Laien klar aussprechen: »Wir nehmen das nicht weiter hin!« Konkret könne er es nicht verstehen, warum die gegenseitige Einladung zur eucharistischen Mahlgemeinschaft so lange auf sich warten lasse: »Warum gibt man uns gewöhnliches Brot, wenn wir das eucharistische Brot haben könnten?« Bisher habe ihm noch kein Papst, Kardinal oder Bischof plausibel diese Frage beantworten können. Großer Beifall in der Messehalle – es liegt ein Hauch von Reformation in der Luft.

Martin Pröstler (14.5.10)

Weiterlesen: Käßmann erobert die Schlagzeilen! Lesen Sie hier weitere Nachrichten vom ersten Tag des ÖKT




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Die Kommentare der Liborius-User:


von PH10

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Eine wahrlich seltsame Auffassung von Glauben hat Prof. Harald Lesch. "Mein Glaube muss meinem Wissen standhalten". Also alles, was ich glaube, muss sich irgendwann einmal beweisen lassen? Ein wahrhaft atheistischer Ansatz! Für mich beginnt der Glaube dort, wo mein Wissen aufhört, wohl wissend, dass ich nie alles wissen kann. Es hat mit Vertrauen zu tun: Vertrauen auf Gott und seinen Sohn Jesus Christus.

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von Beate

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Martin Pröstler beendet seinen Bericht mit der Aussage „ es liegt ein Hauch von Reformation in der Luft“.
Dazu ist zu sagen: Die Reformation hat bereits stattgefunden! Alle Forderungen, die Herr Küng oder die vielen anderen reformwilligen Katholiken stellen, sind bereits erfüllt.
Deshalb meine eindringliche Bitte: Wer nicht katholisch sein möchte, möge bitte konvertieren, aber nicht mir meine geliebte Kirche zerstören !

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von J.P.

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Lieber Herr Küng,

wenn Sie nach all den Jahren, in denen Sie als studierter Theologe gearbeitet, gelehrt und Bücher geschrieben haben, noch immer nicht verstanden haben, warum die Interkommunion nicht erlaubt ist, dann habe ich geringe Hoffnung, dass Sie das jemals begreifen werden. An mangelnder Intelligenz dürfte es bei Ihnen wohl kaum liegen.Papst Benedikt hat Ihnen doch kurz nach seiner Wahl die Ehre erwiesen, Sie in Privataudienz zu empfangen. Haben Sie ihn, den größten lebenden Theologen unserer Zeit, um eine ganz persönliche Erklärung gebeten ? Er hätte es Ihnen sicherlich nochmals erläutert.
Noch ein Tipp: Es naht das Hohe Pfingstfest. Bitten Sie den Heiligen Geist um Erleuchtung !

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von Jette

am Mittwoch, 19. Mai 2010

Was will uns Herr Küng mit dem Ausdruck „morsch“ sagen ? Dabei handelt es sich doch um eine beliebige hohle Phrase !
Er wünscht sich, dass Laien „das nicht weiter hin“nehmen sollen ? Was, bitte ?
Ich als Laie wundere mich vielmehr, was die Kirche von Herrn Küng alles hin nimmt ! Nach den vielen Aktionen der offenen häretischen Rebellion wundere ich mich, dass Herr Küng nicht exkommuniziert wird. Die Tatstrafe, die mit dem Begehen der Verfehlungen von selbst eintritt, ist ja vor Jahren schon erfolgt. Was noch aussteht, ist die Spruchstrafe, die von der Kirche ausgesprochen werden müsste, wenn die betreffende Person öffentliches Ärgernis erregt hat.
Man denke nur an den offenen Brief, in dem Herr Küng die deutschen Bischöfe zum Ungehorsam gegen den Papst aufgerufen hat. Wie lange wird der Papst seinem alten Weggefährten noch geduldig und barmherzig zusehen ?

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