Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Lebensschutz: Die Geister, die ich rief...

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Kirche und Medizin

Lebensschutz: Die Geister, die ich rief...

Das Forschungsministerium finanzierte Schwangerschaftsfrühtest auf Down-Syndrom. Engagierte Lebensschützer protestieren. Unser Standpunkt auf liborius.de.

Christlicher Auftrag: Schutz des Lebens von seinem Beginn bis zu seinem (Foto: DPA)
Christlicher Auftrag: Schutz des Lebens von seinem Beginn bis zu seinem (Foto: DPA)

„Die Geister, die ich rief, die werd ich nicht mehr los.“ So lässt Johann Wolfgang von Goethe seinen Zauberlehrling sagen. Ein ähnliches Gefühl beschleicht einen, wenn man die Tendenz betrachtet, mit der die Politik den Schutz des Lebens abzuwerten scheint. Von einem umfassenden Schutz vom Beginn des Lebens bis zum Tod kann längst nicht mehr immer die Rede sein.

PID-Debatte

Die Debatte zur Präimplantationsdiagnostik wurde zwar mit großer Ernsthaftigkeit im Deutschen Bundestag geführt. Am Ende setzten sich jedoch die durch, die es befürworten, dass die Untersuchung der künstlich befruchteten Eizelle vor ihrer Einpflanzung in die Gebärmutter erlaubt sein soll. Schon hier konnte man immer wieder den Einwand lesen, dass es nicht sein kann, dass menschliches Leben vernichtet wird, weil, es genetische Defekte aufweist.

Down-Syndrom-Tests 

Jetzt hat sich das von einer christlich-demokratischen Ministerin geführte Bundesforschungsminsterium mit immerhin 230.000 Euro an der Entwicklung eines Schwangerschaftsfrühtests auf das Down-Syndrom beteiligt. Der Test sei ein Fortschritt für Mutter und Kind, weil die Gefahr von Fehlgeburten durch die bisherige Untersuchungsmethode der Fruchtwasseruntersuchung abnehme. Das mag zwar sein, jedoch wird ein solcher Test die Bereitschaft von Schwangeren erhöhen, ihn durchzuführen und dann fast zwangsläufig auch Schwangerschaftsabbrüche nach sich ziehen. Insoweit kann man nicht davon sprechen, dass die Gefahr für das ungeborene Kind durch den neuen Test geringer wird.  

Aussortierung

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, ein Parteifreund von Ministerin Schavan, bringt es auf den Punkt: „Mit dem Testverfahren wirde das Ziel verfolgt, Menschen mit Behinderung auszusortieren und zu töten." Offensichtlich wir hier, wie bereits bei der Präimplantationsdiagnostik tatsächlich das Feld dafür bereitet, möglichst nur noch genetisch gesundes Leben „zuzulassen“. Alles was nicht in die Norm passt wird aussortiert.

Musste das sein?

„Musste das den sein?“ oder „Haben sie das denn nicht vorher gewusst?“ Welchen Fragen müssen sich Eltern behinderter Kinder in Zukunft ausgesetzt sehen. Wenn es doch technisch möglich ist, das zu verhindern, warum sollte man dann behindertes Leben in die Welt setzen. Für mich ist das eine Schreckensvision. Die vom perfekten Menschen. Ein wenig Schöpfergott spielen, nur dabei sämtliche Launen der Natur ausschließen. Die Medizin kann vieles. Sie kann uns Menschen aber nicht von unserer eigenen ethischen Verantwortung befreien. Deshalb sollten wir immer dort einschreiten, wo Leben als „unperfekt“ gebrandmarkt wird. Der Auftrag von uns Christen ist es, für den Schutz des Lebens von seinem Beginn bis zu seinem Ende einzutreten und die Würde des Menschen, gerade auch des kranken und des behinderten zu achten.

Papst Benedikt XVI. hat es im September 2007 in einer Ansprache in der Wiener Hofburg klar zum Ausdruck gebracht: „Das grundlegende Menschenrecht, die Voraussetzung für alle anderen Rechte, ist das Recht auf das Leben selbst. Das gilt für das Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende.“ Tut man das nicht, werden am Ende die Geister, die man gerufen hat tatsächlich zum Schreckgespenst. (hei)




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Die Kommentare der Liborius-User:


von S. Sanchez

am Montag, 5. September 2011

Die Meinung, daß Eltern behinderte Kinder sich in Zukunft "mußte das sein" anhören müssen, teile ich überhaupt nicht.
Man wird im Gegenteil diese Eltern bewundern, daß sie die Kraft dazu hatten.
So gerne wie es die Lebensschützer hätten: Sie können aufgrund der Symbiose zwischen Mutter und Zelle-Fötus-Ungeborenes (in dieser Reihenfolge) keine Frau zwingen.
Auch können sie diese Frauen nicht zwingen, wenn sie zutiefst unter einem behinderten Kind leiden in der Schwangerschaft achtsam mit sich umzugehen (wenn man sie zwingt, werden viele aus Trotz Risiken eingehen), erst recht können sie Frauen, die dann unter schweren Depressionen leiden nicht zwingen, die ungeheure Anstrengung auf sich zu nehmen ein solches Kind lebenslang zu versorgen.
Meine Hochachtung für die, die es können, aber sie verlangen hier doch von den Frauen Perfektion, charakterliche und physische.
Außerdem würde man dann auch Selektion betreiben, wenn Tests und PID verboten werden würden, denn Frauen mit genetisch vorbelasteten Familien würden zur Sicherheit keine Kinder mehr bekommen. Sollen die dann auch gleich auf die Ehe verzichten, denn schließlich kommt sie ja keiner Mutterrolle nach?
Ich erinnere auch an Rumänien, wo Frauen generell Abtreibungen verboten wurden, dies führte zu vielen behinderten Kindern, die durch die Abtreibungsversuche der Mütter (Stricknadeln etc.) entstanden sind.
Behinderte wurden abgeschoben in die entsetzlichen Kinder-Gulags, die sich dort Heime nannten.
Die platte Formel:" Menschenrecht steht vor Frauenrecht" hilft neimanden.
Die Frau trägt das Ungeborene schließlich nicht in einer Tasche durch die Gegend, ihre Bereitwilligkeit, ja Freude daran, das Ungeborene zu lieben und zu schützen ist Voraussetzung, nicht moralisch sondern ganz praktisch.
Auch ist dann kein "Lebensschützer" da, wenn sie im Alltag zurecht kommen muß, einfach mehr Geld würde das Elend aber nur verstärken, da jetzt schon viele Kinder aus materiellen Erwägungen geboren werden.
Ich sehe in Berlin täglich Kinder, die jeden Lebensschützer erfreuen, sie wurden ja in eine schlimme Situation geboren, wie tapfer von der Mutter, ohne Schulabschluß, ohne soziale Bindungen, ohne Vater. In Wahrheit wollten diese Mädchen aber nicht mehr zur Schule und ein Anrecht auf Alimentation, das ist der Alltag der Jugendamtmitarbeiter.
Daß diese Kinder ein Recht auf Liebe haben, auf Schutz, daran denkt niemand, gibt ja die Arche, wie mir kaltherzig ein Lebensschützer sagte.
Statt das Ungeborene im Vakuum zu betrachten, sollte man lieber für mehr Verantwortungsbewußtsein, Aufklärung und Moral kämpfen, auch muß man bedenken, daß nicht alle Mädchen aus streng-katholischen Elternhäusern stammen, wenn man aber die Verhütung verteufelt (denn die Menschen haben nun einmal vorehelichen Geschlechtsverkehr, das war schon immer so), kann man nicht mit einer rigiden Abtreibungsmoral kontern.
Daß meine Ansichten auf einem katholischen Blog nicht gern gesehen sind, ist mir klar, Sie dürfen aber gewiß sein, daß ich mir viele Gedanken gemacht habe.
Ich weiß, daß sie meine Ansichten niemals verstehen werden, aber ich bin bereit, mich mit ihren Argumenten zu beschäftigen, ich erwarte, daß Sie das Gleiche zu tun bereit sind.
Der Mitarbeiter von der Vereinigung Lebensschutz wollte gar nicht zuhören, er hat mich als Nazi bezeichnet, ich hatte das Gefühl mit einem islamischen Fundamentalisten zu reden
Frauen schaffen Tatsachen, wenn sie ein Kind nicht wollen, erst recht, wenn man sie zwingt gegen ihren Willen und ohne Wahlmöglichkeit ein behindertes Kind zu gebären, das mag grausam sein, aber die Frauen befinden sich auch in einer extremen psychischen Ausnahmesituation.
Ich wäre garantiert praktizierende Katholikin, wenn dieser ganze Themenkomplex mit mehr Mitgefühl für die Frauen behandelt würde.
Wenn mir aber ein katholischer Lebensschützer sagt, die Frau hat die Verantwortung zu tragen, ganz alleine, auch wenn der Vater nicht mit ihr leben und ihr helfen will, finde ich das absolut unchristlich und herzlos.
Ich verachte den Islam wegen seiner menschenfeindlichen Dogmen, die keinen Raum für das Individuum lassen, sollten wir nicht besser sein?
Um zu dem Test für das Down-Syndrom zurückzukommen: Es ist das Persönlichste überhaupt zu entscheiden, ob man die Kraft dafür hat oder nicht.
Die Stigmatisierung der Frauen, die bei einem Verbot von Abtreibung und Früherkennung das Kind in ein Heim geben würden, wäre vorprogrammiert: Sie müßten sich fragen lassen, warum sie ihr Leben nicht vollkommen dem behinderten Kind widmen wollten und warum sie so schwach sind.
Daß Behinderte durch Tests stigmatisiert werden, ist ebenfalls keine Realität: Ich habe mein Kind gegen Kinderlähmung impfen lassen, deshalb verachte ich doch keine Menschen, die das Unglück haben darunter zu leiden.
Dogmen, die nicht in der Lage sind, jeden Einzelfall genau zu betrachten, empfinde ich nicht als das, was ich mir unter der Botschaft Jesu vorstelle.
Von Größe spräche es, die werdende Mutter nicht nur als eine Art Aufbewahrungsbox für einen Menschen zu sehen, denn sie hat auch ein Recht darauf als Mensch gesehen zu werden, jenseits eines Dogmas, am meisten Würde bekommt das Ungeborene, wenn die Würde der Mutter anerkannt wird.
Übrigens erwarte ich, daß jeder, der gegen Früherkennung eintritt ehrenamtlich mit Behinderten arbeitet, und daß jeder, der gegen Abtreibung ist eine persönliche Patenschaft für Mütter in Not übernimmt.
Sonst sind die Lebensschützer nicht besser als ein iranischen Mullah.
Eines der besten Zitate aus der Bibel spricht über den Splitter im Auge des Nächsten.
Mit freundlichen Grüßen
S. Sanchez

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