Wer genau hingesehen hat, dem ist es beim Eurovision Song Contest 2010 aufgefallen: Lena Mayer-Landrut, die Deutschland den ersten Sieg nach fast 30 Jahren bescherte, trug ein Kreuz um den Hals. Auch bei ihren TV-Gastspielen 2009 in den Sat.1-Sendungen „Richter Alexander Hold“ und „K11 – Polizisten im Einsatz“, wo sie die Tochter eines Drogenbosses spielte, war die Kette dabei. Nur ein Schmuckstück, denkt man sich vielleicht, doch weit gefehlt. Die Katholikin trägt immer ein Kreuz bei sich – meist eben als Halskette. Außerdem hat sie auf dem linken Oberarm eine so genannte Ritterlilie eintätowiert - ein Zeichen des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen.
Erinnerungen an Taizé
Die Kette besteht aus den Symbolen Kreuz und Taube, ihre persönliche Erinnerung an Taizé. Dort verbrachte Lena, wie die 18-Jährige von den Medien kurz genannt wird, bei den ökumenischen Brüdern vor zwei Jahren eine Gebets- und Meditationswoche. Das "Geo"-Magazin machte gerade in dieser Zeit die Reportage "Wege zum Glück", in der auch über Lena berichtet wurde. Sie erzählte damals, dass sie erst eineinhalb Jahre zuvor zum Glauben gefunden habe. "Sie ist mir wegen ihres bezaubernden Wesens sofort aufgefallen", sagte Fotograf Franz Killmeyer zu Stern.de. Er habe sie als ziemlich facettenreiches Wesen erlebt, das „auf der Suche nach Sinn war". Lena war im August 2008 als Mitglied einer 15-köpfigen Gruppe des Katholischen Jugendpastoralen Zentrums Tabor in Hannover angereist.
Im Interview mit dem Radiosender Ö3 sagte sie vor ihrem Auftritt in Oslo: "Taizé ist eine ganz wunderbare Sache. Aber warum ich dort war, gehört mir und meinem Herzen. Ja, ich glaube. Aber woran, ist meine Sache, das soll nicht anderen gehören. Mein Gesicht gehört schon so vielen." Ausführlich erzählte sie dafür, in welcher Weise Taizé sie ergriffen hat: "Es ist eine Gemeinschaft, wie ich sie noch nie erlebt habe, die jedem vergönnt sein sollte. Man sitzt mit 4000 Menschen in einem Raum und singt. Das ist wahnsinnig, man kann sich das gar nicht vorstellen. Und es ist auch für mich heute gar nicht mehr vorstellbar, wie dieses Gefühl war, weil man das in diesem Moment so intensiv erlebt."
Im «domradio» gratulierte nach ihrem Song-Contest-Sieg der deutsche Ordensbruder Frere Wolfgang der Hannoveranerin zu ihrem Sieg und zu ihrem «beherzten Glaubensbekenntnis». Seinen Glauben in dieser Form auch nach außen zu tragen, sei nicht so einfach, sagte er. Viele Jugendliche nähmen «etwas für ihr Leben mit» aus ihrer Zeit in Taize. Dass Lena Meyer-Landrut dies nun so «verhalten» und «mit einfachen Worten» nach außen kommuniziere, sei richtig. «Das berührt uns.» Wie sich die Schülerin präsentiere, sei «das Natürlichste vom Natürlichen». Sie habe gegenüber den Medien gesagt, in Taize gewesen zu sein, habe dies aber nicht aus strategischen Überlegungen heraus getan.
In der ökumenischen Gemeinschaft von Taize engagieren sich mehrere hundert Brüder, um ein Leben lang materielle und spirituelle Güter zu teilen, in Ehelosigkeit zu leben und einen schlichten Lebensstil zu führen. Kern des täglichen Lebens in Taize bilden drei gemeinsame Gebete; der Schwerpunkt liegt dabei auf den Gesängen.