Senioren - "tickende Zeitbomben
im Verkehr"?
Die Nachricht sorgte für Bestürzung: Im sauerländischen Menden war ein 79-Jähriger mit seinem Auto in einen Schützenumzug gerast. Es gab drei Tote und viele Verletze. Bei einem Trauergottesdienst betete der örtliche Pfarrer Wilfried Dönneweg für die Opfer und ihre Hinterbliebenen. Aber auch für den Unfallverursacher: um Vergebung und für Kraft, dass er das Geschehene ertragen möge. Der Mann wird Kraft brauchen können. Über seinen Anwalt ließ er mitteilen, er habe zur Tatzeit ein "Blackout", einen Aussetzer, gehabt. Nun muss er sich heftige Vorwürfe gefallen lassen. Und die wurden in der auf den Mendener Fall folgenden Diskussion auf die ganze ältere Generation ausgeweitet. Von "tickenden Zeitbomben" war sogar teilweise die Rede, wenn es um die immer älter werdenden Autofahrer in Deutschland ging, und um das Risko, das ihre Verkehrsteilnahme mit sich bringe. Eine völlig haltlose Verallgemeinerung.
Es geht nicht darum, Generationen gegeneinander auszuspielen
Fakt ist: Von allen Autounfällen in Deutschland, bei denen Personen zu Schaden kommen, werden gerade einmal zehn Prozent von Senioren verursacht. Die Statistik offenbart eine größere Risikogruppe: junge, männliche Fahranfänger, die ihre Kräfte nicht selten maßlos überschätzen. Im Gegensatz zu ihnen sind viele Senioren besonnener auf den Straßen unterwegs.
Nun sollte es allerdings nicht darum gehen, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Lassen wir die „jungen Wilden“ und die sicherlich nötige Präventionsarbeit gegen ihre allzu große Risikofreude für diesen Moment einmal beiseite. Die Frage nach dem Autofahren im Alter muss differenziert betrachtet werden. Die jahrzehntelange Fahrpraxis, die Senioren meist zu bieten haben, ist Gold wert.
Andererseits kann man sich darauf nicht grundsätzlich verlassen, wenn naturbedingt die Sinne nachlassen. Seh-, Hör- und Reaktionsvermögen schwinden nun einmal im Laufe des Lebens. Nur: Wie fit man körperlich und geistig ist, ist höchst unterschiedlich und lässt sich nicht immer am Geburtsdatum festmachen. Würden, beispielsweise ab einem Alter von 70 Jahren, Tauglichkeitstests für Autofahrer vorgeschrieben, fühlte sich mancher wohl diskriminiert. Im Gegensatz zur gesetzlichen Pflicht wäre die Kür ideal: freiwillige Nachweise der Fahrtüchtigkeit, die nicht nur von allen Krankenkassen ü b e r n o m m e n , sondern auch mit Vergünstigungen belohnt würden.
Sandra Gerke, Stellvertretende Chefredakteurin Liboriusblatt