Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Lieber kleckern statt meckern

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Freitag, 18. Mai 2012 Felix, Burkhard
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glaubenslust – Der Tag


Lieber kleckern statt meckern

1993 wurde in Berlin die erste Tafel gegründet. Die Idee war einfach und genial. Verwertbare Lebensmittel, die in Geschäften aussortiert wurden oder nach Veranstaltungen im Abfall gelandet wären, sollten eingesammelt und an Bedürftige verteilt werden. Empfänger waren damals vor allem Obdachlose. Heute gibt es deutschlandweit über 840 Tafeln mit rund 40000 ehrenamtlichen Helfern. Sie unterstützen regelmäßig rund eine Million Menschen mit Lebensmittelspenden, einige wenige bieten auch warme Mahlzeiten an.

Die Kunden der Tafeln sind mittlerweile kaum noch Obdachlose, sondern vor allem Hartz-IV-Empfänger, darunter viele Alleinerziehende und Arbeitslose, aber auch immer mehr Rentner und Geringverdiener, deren Einkommen hinten und vorne nicht mehr ausreicht zum Leben. Durch diesen „Boom“ sind die Tafeln in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik geraten. Der Hauptvorwurf lautet, sie würden die Armut verwalten, anstatt sie zu bekämpfen. Nun bläst auch ein Insider in dieses Horn. Johannes Böcker, Direktor im Caritasverband Rottenburg-Stuttgart, fordert die Tafeln auf, ihr Selbstbild zu wandeln, und hält eine „Umorientierung“ für nötig. Er warnt davor, Menschen mit „Speisen abzuspeisen“ und sie damit dauerhaft aus der Gesellschaft auszuschließen. Vielmehr bräuchten sie Hilfe zur Bewältigung ihrer Armut.

Eine Kritik mit üblem Beigeschmack

Man kann Herrn Böcker in allem, was er sagt, nur zustimmen. Trotzdem hat seine Kritik einen üblen Beigeschmack. Nicht nur, dass da einer mit Steinen wirft, der selbst im Glashaus sitzt – auch die Caritas organisiert zahlreiche Tafeln – da wird auch gutgemeintes ehrenamtliches Engagement madig gemacht. Ein Engagement, das auch die Caritas gerne für ihre Zwecke nützt.

Sozialmedizinische Dienste, Sucht- und Schuldnerberatung und soziale Teilhabe sind berechtigte Forderungen für die Not leidenden Menschen. Die großen Wohlfahrtsverbände können und müssen solche Aufgaben schultern. Ihnen stehen sowohl Profis als auch die notwendigen Gelder zur Verfügung. Sie bekommen nicht unbeträchtliche kirchliche und staatliche Zuschüsse. Reine ehrenamtliche Initiativen wie die Tafeln sind damit aber überfordert. Sie können und wollen nur die ärgste Not mildern.

Die vielen Menschen, die ihre Freizeit opfern, um anderen zu helfen, haben es nicht verdient, dass man ihnen in den Rücken fällt. Schon gar nicht aus den eigenen Reihen. Böckers Kritik wirkt kleinlich und fast ein bisschen neidisch. Darüber hinaus ist sie verantwortungslos. Was, wenn Menschen nicht mehr bereit wären, ihre Zeit, ihr Geld und ihren Einfallsreichtum für andere einzusetzen? Hilfe, und mag sie noch so laienhaft sein, ist immer noch besser als keine Hilfe.

Rosina Wälischmiller (11.5.09)




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