Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Oktoberfest

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Oktoberfest

O'zapft is, Herr Pfarrer!

Foto: KNA

Wenn Rainer Maria Schiessler routiniert mit Maßkrügen, Hendl und Brezn durch die Biertische jongliert, ist für die Gäste des Münchner Oktoberfestes nicht zu erkennen, dass der 48-Jährige normalerweise Hostien und Messwein verteilt. Schiessler ist Pfarrer in der Münchener Pfarrei St. Maximilian und aus Leidenschaft Kellner auf der Wiesn. Im Jahr 2006 lernte er den Oktoberfestwirt Schottenhammel kennen und erzählte ihm, dass er gerne auf der Wiesn arbeiten würde.

Seitdem bedient Schiessler jedes Jahr in seinem Urlaub im Biergarten des Festzeltes. Und er lässt sich den Spaß auch nicht dadurch verderben, dass einige Amtskollegen darüber die Nase rümpfen oder gar den Priesterberuf der Lächerlichkeit preisgegeben sehen. „Die Kirche muss den Menschen dort begegnen, wo sie sind, und nicht da, wo sie sie haben will“, so Schiessler. Natürlich ist der Pfarrer, der als Minimum zehn Maßkrüge schleppt, ein Paradiesvogel. Aber es sind Menschen wie er, die der frohen Botschaft Fröhlichkeit verleihen, die Brücken bauen zu denen, die nicht regelmäßig im Gottesdienst erscheinen.

Und der Seelsorger kommt auch hinter dem Kellner zum Vorschein, der seinen Wiesn-Verdienst an Hilfszentren für aidskranke Kinder in Afrika spendet. Dann serviert er das Hendl und sagt: „Mit dem Hendl, was du da verzehrst, finanzierst du ein sauberes Sterbebett für ein Kind.“

Rosina Wälischmiller




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