Die katholische Erlebniswelt, Papst und Kirche: Webcam

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Webcam

Spaziergang mit Benedikt XVI.

Eine breite Treppe führt hinunter in den Garten, zu den schnurgeraden Wegen zwischen gepflegten Rasenflächen und Blumenbeeten. Ein Spaziergänger schreitet bedächtig durch den Park. Es ist Papst Benedikt XVI. Er genießt den italienischen Sommerabend in seiner Urlaubsresidenz Castel Gandolfo. Es ist eine kurze Zeit der Ruhe und Erholung. Ein Moment, um Kraft zu schöpfen. Ein stiller Moment für einen Mann, der im Blickpunkt der Öffentlichkeit lebt. Ein stiller, ein intimer Moment. Und Millionen sind dabei – live im Internet!

Noch wurde der Papst nicht beim Spaziergang entdeckt. Aber möglich wäre es. Rechtzeitig zu seinem Urlaubsantritt wurde eine Webcam in Castel Gandolfo installiert, die ständig auf die Gärten der päpstlichen Sommerresidenz gerichtet ist.
Zugegeben, es hat ein Weilchen gedauert, bis der Vatikan im Internet-Zeitalter ankam. Aber jetzt macht er sich mit Riesenschritten an die Aufholjagd. Und das ist gut so. Die Homepage des Vatikan oder auch der Papst auf YouTube sind eine tolle Sache. Weltweit werden damit die Gläubigen erreicht und informiert. Die damit verbundene Offenheit schafft eine Nähe, die es in dieser Form nie zuvor gab.

Besonders beliebt sind bei den Besuchern der Vatikanseiten die Webcams, die nicht nur Bilder vom Petersplatz senden, sondern auch vom Grab Johannes Pauls II. Diese Inflation von Kameras im Vatikan mutet ein bisschen wie Vorpreschen an, wie vorauseilender Gehorsam gegenüber dem globalen Medium Internet. Und es beschleicht einen ein leises Gefühl von einerseits und andererseits: Da ist zum einen der Wunsch vieler Millionen Menschen, das Grab des geliebten polnischen Papstes zu besuchen und dort zu beten. Nur die wenigsten von ihnen haben die Möglichkeit, nach Rom zu reisen. Da ist aber auch die Ehrfurcht vor der letzten Ruhestätte eines großen Mannes, die Würde des Toten. Johannes Paul II. war ein Papst der Medien, und er ist öffentlich gestorben.

Dennoch ist die Vorstellung unangenehm, dass sein Grab rund um die Uhr einem Millionenpublikum ausgeliefert ist – darunter Spöttern und Respektlosen. Und fördert es die Verbundenheit der Gläubigen mit ihrem Papst, wenn sie Benedikt XVI. in einem scheinbar unbeobachteten Moment beobachten können? Es hat ein bisschen etwas von Sensationshascherei. Doch Papst Benedikt weiß vermutlich sehr genau weiß, wo die Kamera läuft und hat stille Eckchen in seinen Gärten, die noch immer von der Welt abgeschieden sind.

Rosina Wälischmiller




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Die Kommentare der Liborius-User:


von Lore

am Montag, 14. September 2009

Man muss nicht alles machen, was man tun kann.
WebCams können prinzipiell überall angebracht werden. Bei Plätzen, die sowieso "öffentlich" sind, stört das auch nicht. Aber ich brauche keinen "intimen" Einblick in Dinge und Situationen, die mich eigentlich nichts angehen.

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